Eschweiler: Wanderausstellung „Frauen auf der Flucht“ im Rathaus

Eschweiler : Wanderausstellung „Frauen auf der Flucht“ im Rathaus

Ganz auf der Höhe der Zeit zeigt sich der Europaverein Eschweiler mit seiner jüngsten Ausstellung: Im Foyer des Rathauses präsentiert das Team um Annelene Adolphs und Peter Schöner die Wanderausstellung „Frauen auf der Flucht“.

Von der Vertreibung der spanischen Juden über die Flucht der Hugenotten aus dem Frankreich des Sonnenkönigs bis hin zu den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts und was mit ihnen zusammenhängt: Die Präsentation, die von Adolphs auf eine Initiative der Stolberger Frauenbeauftragten Susanne Goldmann hin zusammengestellt hat, macht noch bis zum 4. Juli in der Verwaltungszentrale der Indestadt Station.

Im Vorbeigehen

Dem Besucher, der etwa zur Erledigung seiner Angelegenheiten ins Rathaus kommt, bleibt es überlassen, sich die Informationen und Schicksale von Dona Gracia Nasi, Marie Durand, Elfriede Kuhr und anderen Frauen im Vorbeigehen an den Schautafeln zu erschließen oder eine der Führungen (siehe Infotext) zu nutzen. Menschen angesprochen hat die Ausstellung inzwischen nicht zu knapp: Inzwischen ist sie in 14 Städten zu Gast gewesen, wie Peter Schöner in seiner Eröffnungsrede verriet.

Der Flüchtlingsausweis

Schöner ließ außerdem durchblicken, dass sein Leben ihn auf besondere Weise dazu auserwählt hat, die Schau zusammen mit seiner Mitstreiterin auf den Weg zu bringen: „Ich war selber ein Flüchtling“, rief der Vorsitzende des Europavereins vor nur einem knappen Dutzend Zuhörer aus und erzählte davon, dass er einst als Sohn von Deutschen im dann bald wieder belgischen Grenzort Raeren zur Welt gekommen sei. Sprach‘s und hielt wie zur Bestätigung seiner Worte den Flüchtlingsausweis von einst in die Höhe.

Politische Folgerungen lagen da bei so viel persönlicher Betroffenheit nicht fern. Dabei zeigte sich Schöner keineswegs politisch blauäugig, sondern nahm auch die Betroffenen von heute in die Pflicht: „Es wäre doch auch wichtig, Flüchtlinge in unser Wertesystem einzuführen.“ Das soll unter anderem durch „Schulstunden, die Pflicht sein müssen“, gewährleistet werden. An und für sich seien die Zahlen der Zuflucht und Asyl Suchenden nicht verwunderlich, denn: „Die Armut steigt.“ Die als Politiker um die Aufmerksamkeit der Stimmberechtigten buhlen, mussten im Übrigen die herbe Kritik des Redners einstecken: „Flüchtlinge werden für den Wahlkampf missbraucht.“

Rhetorische Frage

Analytisch begann Annelene Adolphs ihren Beitrag — und zwar mit einer rhetorischen Frage: „Warum ist die Menschheit in Bewegung?“ Antwort: „Weil sie immer schon nach besseren Lebensbedingungen gesucht hat.“ Stumme Zeuginnen für diese These: Die gibt es in der neuen Ausstellung im Rathaus dann auch mehr als genug.

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