Wabe-Beratungsstelle in Eschweiler mit neuem Ansprechpartner

Neuer Ansprechpartner in der Wabe-Beratungsstelle : Ostländer ist Feuerwehrmann und Ratgeber zugleich

Menschen in sozialen Schwierigkeiten haben oft mehrere Rucksäcke zu tragen. Zur Arbeitslosigkeit können sich eine drückende Schuldenlast, eine Sucht und der drohende Rauswurf aus der Wohnung gesellen.

Oft wissen die Betroffenen weder ein noch aus. Genau diesen Menschen widmet sich die Wabe-Fachberatungsstelle an der Franzstraße. Seit Oktober ist dort Oliver Ostländer der Ansprechpartner.

Der 46 Jahre alte Sozialpädagoge war zuvor in der Suchtberatung tätig. „Viele Probleme kenne ich aus meiner vorherigen Arbeit“, schildert er. Jahrelang betreute Heinz-Dieter Hahn die Eschweiler Beratungsstelle der Wabe. Hahn ist inzwischen in Ruhestand, aber die Arbeit lief kontinuierlich weiter. Nicht erst seit dem Sozialbericht ist bekannt, dass der Bedarf in Eschweiler hoch ist. Im Jahr 2018 wurden 56 Klienten beraten und betreut. „In meiner Zeit, also ab Oktober bis jetzt, hatte ich 14 Neuklienten bei mir in der Beratungsstelle“, berichtet Ostländer. Darüber hinaus habe er sechs „Bestandsklienten“ von seinem Vorgänger übernommen und weiter bei ihren aktuellen Problemen betreut.

In seinen ersten Monaten konnte er schon einen Überblick erhalten, mit welchen Problemen die Menschen zu kämpfen haben. „Die Bandbreite ist enorm groß“, gesteht er. Die Palette reiche von Behördenkontakten wie zum Sozialamt und zum Jobcenter über eine beginnende Schuldenregulierung bis hin zur Finanzsicherung des Klienten.

Bei Letzterem bietet er dem Klienten eine Geldverwaltung an. Ostländer überweist also alle Einkünfte des Ratsuchenden auf ein Geldverwaltungskonto und kommt damit den monatlichen Verpflichtungen für Miete, Strom, Ratenzahlungen und mehr nach. „Der Restbetrag wird für den Lebensunterhalt in einem individuell vereinbarten Auszahlungsrhythmus ausgezahlt“, sagt er. Hinter diesem Procedere steckt das Ziel, dass der Betroffenen einmal selbst seine Finanzen regelt.

Seit einiger Zeit investiert die Stadt Eschweiler verstärkt in den Sozialen Wohnungsbau. Dass dies bitter nötig ist, bestätigt Ostländer: „Gute und bezahlbare Wohnungen zu finden, ist für unsere Klienten oft sehr schwer.“ In manchen Fällen bestand zwar eine Wohnung, aber der Rauswurf drohte. Dann kann die Wabe-Beratungsstelle helfen, zwischen Klienten und Vermieter zu vermitteln. „Ich kann natürlich nicht für jedes Problem immer eine passende Lösung finden“, berichtet der gebürtige Stolberger. Mit einer halben Stelle ist er auch in seiner alten Heimat tätig – im Sozialkaufhaus. Auch dorthin zieht es Menschen, die  eine besondere Unterstützung nötig haben.

Oliver Ostländer kam erst als Spätberufener zur Sozialarbeit. Ursprünglich arbeitete er als Handelsfachwirt. Auch dort war er beratend, aber im anderen Sinne tätig. „Es ist mein eigener Antrieb, Menschen eine Hilfe anzubieten, die wirklich gebraucht wird.“ Und dies unmittelbar mit den Betroffenen selbst.  Diese haben oft auch mit psychischen Problemen zu kämpfen, fühlen sich ausgegrenzt, leiden unter Antriebsschwäche und resignieren. „Krisensituationen führen zu Handlungsabläufen, die nur eine kurzfristige Lösung darstellen, langfristig aber alte Probleme verstärken und neue Probleme hervorrufen“, meint Ostländer. In der Regel seien die Menschen, die ihn aufsuchen, bereits mehrmals diesen „Teufelskreis“ durchlaufen.

Dem Büro an der Franzstraße hat Ostländer schon seinen Stempel aufgesetzt. Im Flur macht nicht nur ein „Welcome“ deutlich, dass die Tür der Beratungsstelle für jeden Hilfesuchenden offen ist. In etwa 50 Prozent der Fälle könne man schnell und unbürokratisch Lösungen anbieten. Sollte er nicht mehr weiter wissen, dann wird an eine entsprechende Stelle vermittelt. Der 46-Jährige sieht sich zwar in seinem Büro gewisserweise auch als Einzelkämpfer, setzt aber auch auf Netzwerkarbeit. Dies kenne er schließlich auch von seiner Arbeit in der Suchtberatungsstelle.

Sorgen bereiten vielen Menschen die steigenden Energiekosten. So meldete sich eine ältere Dame in seiner Sprechstunde, die trotz Altersrente Sozialhilfe beziehe. Ihr war vor Monaten der Strom abgestellt worden, nachdem sich Schulden beim Energieversorger auf etwa 6500 Euro angestaut hatten. Dann sucht man das Gespräch mit dem Versorger, holt die Verbraucherzentrale mit ins Boot und vermittelt an die Schuldnerberatung. „Wahrscheinlich bleibt am Schluss nur die private Insolvenz“, befürchtet Ostländer.

Solche Geschichten begegnen den Sozialarbeitern häufiger. In der Beratung will man oft Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Allerdings begleiten manche Klienten einen über Monate, sogar Jahre. Nicht immer kommt man zu einem gewünschten Ergebnis. „Wichtig ist, dass man sich als Ansprechpartner selbst keine Vorwürfe macht, wenn man einmal nicht erfolgreich war“, sagt Ostländer. Motivation schöpfe er dann aus den Fällen, in denen er eine dauerhafte Lösung erreichen konnte. Und es sollen in den nächsten Monaten noch einige hinzukommen.

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