Eschweiler: Von der Yuppie-Stadt in die Südsee und zurück

Eschweiler: Von der Yuppie-Stadt in die Südsee und zurück

Nein, da konnte man sicher sein, dieses Programm handelt nicht von Obst. Auch, wenn es den Titel „Das Honolulu-Prinzip” trägt. Vielmehr beschäftigte sich Sängerin Christiane Weber am Samstagabend im gut besuchten Talbahnhof mit Zuständen, vorzugsweise ihren eigenen.

Unterstützt von Burkhard Niggemeier am Piano vermittelte die gebürtige Essenerin ihren Zuhörern ein „Grundgefühl Richtung Südsee” und fuhr ganz nebenbei auch noch ICE.

„Ich bin mir für nichts zu schade”, machte Christiane Weber gleich zu Beginn ihres Programms deutlich und trat mit der „Hummer-Nummer”, die hin und wieder auch zu „Hummer-Kummer” führen kann, sofort den Beweis an.

Dass das Leben immer wieder Überraschungen bereit hält, war ihr schon bei der Ankunft in der Indestadt einmal mehr bewusst geworden. „Ich war schon so oft hier und habe erst heute herausgefunden, dass der Bahnhofsvorplatz in Eschweiler Reigate & Banstead-Platz heißt. Ich bin in einer Yuppie-Stadt”, stellte sie erstaunt fest.

Doch das „Grundgefühl Richtung Südsee” kann man hier trotzdem vermitteln. Etwa, wenn man mit der Hilfe Tom Sellecks alias Magnum an Palmen, Meer und Strand erinnert. „Der einzige Mann, der es geschafft hat, mit Hawaii-Hemd und Schnurrbart gut auszusehen.”

Theaterwissenschaftlerin

Die studierte Theaterwissenschaftlerin überzeugte aber nicht nur mit Witz und Charme, sondern auch mit Stimme und Gefühl. So offenbarte sie „Wär mein Herz aus... Löschpapier, würde es zerreißen. Jedesmal, bei jedem Kummer.” Und auch Gesellschaftskritik kam nicht zu kurz.

„Heute möchte jeder A-Klasse fahren, mindestens einen B-Promi kennen oder Inhaber einer C-Lizenz sein. Was fehlt, ist D(e)-Mut.” Etwa, wenn man Lieder von Wolfgang Petry hört. „Wahnsinn, dafür komme ich in die Hölle”, ist die Kleinkunstpreisträgerin des Jahres 2007 sicher. „Dass ich nicht paranoid bin, heißt schließlich nicht, dass ich nicht verfolgt werde!”

Froh ist Christiane Weber allerdings, nicht Inken zu sein. Diese ist Mitte 30, isst Tofu-Teewurst, tanzt ihren Namen und wird von Gunther umgarnt. Doch Gunther kommt nicht in Frage, da die Quersumme seines Geburtstages nicht mit dem Aszendenten seines Sternkreises harmoniert. Was Gunther wiederum ermuntert, mit Inken kurzen Prozess zu machen.

Doch all dies kann niemanden schocken, der „Das Honolulu-Prinzip” verstanden und vor allem verinnerlicht hat. „Wenn man Honolulu von innen verspürt, sind Tornados von außen nur noch reine Verhandlungssache”, gab sie ihren Zuhörern mit auf den Nachhauseweg.

Nicht ohne von den Gästen mit lautstarkem Applaus geforderte Zugaben gegeben zu haben. Bleibt zu hoffen, dass Christiane Weber über Honolulu in absehbarer Zeit wieder den Weg nach Eschweiler findet. Der Reigate & Banstead-Platz erwartet sie. Und nicht nur er.

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