Turnen als Trendsportart: Vom Eltern-Kind-Turnen zum Leistungssport

Turnen als Trendsportart : Vom Eltern-Kind-Turnen zum Leistungssport

Turnen ist eine der „Grundsportarten“ und entwickelt sich (wieder) zu einer Trendsportart: Jeden Montag- und Mittwochnachmittag tummeln sich bis zu 40 Mädchen im Alter von fünf bis 15 Jahren in der Jahnhalle, um sich während der Trainingseinheiten an den Geräten Schwebebalken, Stufenbarren und Reck sowie am Boden zu verbessern.

Christina und Nicole Gallus, Melanie Dohmen und Susanne Momma leiten die „Ausbildung zum leistungsbezogenen Ligaturnen Mädchen“ beim Eschweiler Turnverein, der im vergangenen Jahr sein 150-jähriges Bestehen feierte.

Direkt nebenan auf etwa einem Drittel der Hallenfläche sind gleichzeitig die kleinsten und jüngsten Sportlerinnen und Sportler (ab etwa 18 Monate) des ETV beim Eltern-Kind-Turnen aktiv. Klettern, springen und auch die ersten Purzelbäume stehen auf der Agenda.

Auch Quereinsteiger willkommen

„Der aus unserer Sicht schönste Weg zum leistungsbezogenen Turnen führt über das Eltern-Kind- und anschließende Kleinkinderturnen bis zu uns. Denn in den jungen und jüngsten Jahren können die Grundlagen des Turnens in Sachen Koordination und Körperbeherrschung hervorragend gelegt werden“, erklärt Christina Gallus. Aber natürlich seien auch Quereinsteiger bei den älteren Turnerinnen immer herzlich willkommen.

Koordination, Geschicklichkeit, Kraft und Mut sind notwendig, um eine Übung am Stufenbarren zu bewältigen. Übungsleiterin Melanie Dohmen hilft. Foto: Andreas Röchter

Wobei die Betonung auf Turnerinnen liegt. Ältere Jungen waren innerhalb des Eschweiler Turnvereins bis vor etwa zehn Jahren aktiv. „Doch inzwischen fehlt ein Trainer und darüber hinaus auch schlicht und einfach der Platz“, macht die Übungsleiterin deutlich. Deshalb vermitteln die indestädtischen Turnerinnen ihre männlichen Sportkameraden zum Würselener TV, der über sehr gute Jungenriegen verfüge.

Eine sehr gute Mädchenriege aufzubauen, lautet die Zielsetzung des ETV-Übungsleiterinnenquartetts. „Derzeit bewegen wir uns noch auf dem Niveau der ‚Allgemeinen Klasse‘ innerhalb des Turngaus Aachen. Doch in nicht allzu ferner Zukunft möchten wir mit einigen Turnerinnen in Richtung der ‚Regionalen Klasse‘ auf Landesebene angreifen“, gibt sich Melanie Dohmen durchaus ehrgeizig.

Erste Erfolge konnten die ETV‘lerinnen bereits feiern: Maria Momma gewann im Mai bei einem Wettkampf in Simmerath die Gesamt-Einzelwertung der Allgemeinen Klasse. Gemeinsam mit ihrer Schwester Johanna Momma fuhr sie bei den Stolberger Stadtmeisterschaften in den jeweiligen Altersklassen Silbermedaillen für den ETV ein.

Perfekte Körperbeherrschung: Der Sprungtisch stellt hohe Anforderungen an die jungen Wettkampfturnerinnen des Eschweiler Turnvereins. Foto: Andreas Röchter

Wettkampf am 7. Oktober

In wenigen Tagen wollen die jungen Athletinnen des Eschweiler Turnvereins nun auch vor eigenem Publikum überzeugen: Am Sonntag, 7. Oktober, richtet der ETV in der Jahnhalle ab 9 Uhr einen Wettkampf der Allgemeinen Klasse des Turngaus Aachen aus, bei dem insgesamt wohl mehr als 100 Turnerinnen ihr Können unter Beweis stellen wollen. Bis dahin gilt es, noch an der einen oder anderen Pflichtübung zu feilen. „Turnen ist eine sehr trainingsintensive Sportart. Wenn man Erfolge erzielen möchte, dann sind zwei zweistündige Trainingseinheiten pro Woche das absolute Minimum“, weiß Melanie Dohmen.

Das sportliche Potenzial einer Turnerin sei dagegen recht schnell zu erkennen. „Talent ist vorhanden, wenn innerhalb des ersten Monats nach Aufnahme des ernsthaften Trainings eine eindeutige Leistungssteigerung zu registrieren ist“, so Christina Gallus. Doch natürlich steht bei weitem nicht alleine der Leistungsgedanke im Fokus. Auch der Spaß kommt während der Trainingseinheiten nicht zu kurz. Turnen fördere zahlreiche Fähigkeiten, die in allen Lebenslagen von Bedeutung seien, sind die Trainerinnen überzeugt.

So ist die Konzentrationsfähigkeit für die Sportlerinnen ein hohes Gut, schließlich sind die Pflichtübungen sehr klar beschrieben und müssen punktgenau absolviert werden, soll die Zahl der Wertungspunkte hoch sein. Des Weiteren können Fehlgriffe am Stufenbarren oder Fehltritte auf dem Schwebebalken durchaus unangenehme Folgen haben. Deshalb sind Melanie Dohmen, Susanne Momma sowie Christina und Nicole Gallus beim Training auch immer hautnah an den Geräten, um die eine oder andere Hilfestellung zu geben und nicht zuletzt auch Fehler schnell korrigieren zu können.

Derweil „schaut“ vom Rand der Halle bereits die (womöglich) nächste Generation ETV‘ler den älteren Geschwistern beim Eltern-Kind-Turnen zu. „Der Eschweiler Turnverein ist ein familienorientierter Verein“, weiß Melanie Dohmen aus eigener Erfahrung.

Die Perspektiven, auch langfristig zu denken, sind also vorhanden. Und so könnte sich der Traum der Trainerriege, in der Zukunft ein Niveau zu erreichen, das es erlaubt, mit den Schützlingen auch Kürübungen einzustudieren, vielleicht sogar erfüllen. Doch zunächst steht der Heimwettkampf am 7. Oktober im Fokus aller Beteiligten.