Eschweiler: Vision von einem Eschweiler ohne Plastiktüten

Eschweiler : Vision von einem Eschweiler ohne Plastiktüten

Gurken im Plastikmantel, Äpfel im Foliensarg und Salat im Kunststoffbett — der Irrsinn der Verpackungsindustrie geht weiter. Das Umweltbundesamt teilte vor Kurzem mit: Die Deutschen produzieren unverändert viel Verpackungsmüll und sind damit weiterhin Spitzenreiter in Europa.

Im Jahr 2016 fielen 18,16 Millionen Tonnen an, das sind 220,5 Kilogramm pro Kopf. Knapp die Hälfte des Abfallaufkommens ging dabei auf das Konto von privaten Verbrauchern. Und wie schlagen sich die Eschweiler?

Schaut man sich die Müllentwicklung für die Indestadt an, sind die Zahlen der vergangenen Jahre gleichbleibend — mit einer Ausnahme. Jedes Jahr liefert die Awa GmbH eine Abfallbilanz, in der unter anderem Zahlen zu Leichtverpackungen, Papier und Kartons oder auch Glas festgehalten werden, darunter aber nicht nur Verpackungsabfälle wie in der Statistik des Umweltbundesamtes.

Während sich beim Eschweiler Hausmüll eher eine sinkende Tendenz abzeichnet, steigt der Leichtverpackungsmüll stetig an. Vergleicht man die Jahre 2016 und 2017, sticht vor allem eine Zahl hervor: Pro Kopf wurden im vergangenen Jahr 2,4 Kilogramm Leichtverpackungen mehr weggeworfen als 2016. Was zuerst nicht viel erscheinen mag, ist aufgrund der Beschaffenheit dieser Abfälle jedoch eine ganze Menge.

Zu Leichtverpackungen zählt alles, was über die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack eingesammelt wird. Neben Kunststoffen gehören dazu auch Weißblech, Aluminium und Verbund-Verpackungen wie zum Beispiel Tetra Pak. Bei fast gleichbleibender Einwohnerzahl (Einwohner aus (2016: 55.900; 2017: 56.000) ist ein Zuwachs von 137 Tonnen Leichtverpackungsmüll zu verzeichnen. Insgesamt wurden 2600 Tonnen im Jahr 2017 gesammelt.

Eschweiler im Mittelfeld

Auch ein Blick auf die Abfallbilanz für Papier, Pappe und Kartonage zeigt einen Anstieg. 2017 warfen die Eschweiler 1,6 Kilogramm pro Kopf mehr weg als im Jahr zuvor. Im Vergleich zu den Jahren zuvor sind aber immer wieder Schwankungen um ein bis zwei Kilogramm sowohl nach oben als auch nach unten zu erkennen. Blickt man aber einige Jahre zurück, zum Beispiel auf 2003, sind es pro Kopf gut 8 Kilogramm mehr, die 2017 weggeworfen wurden.

Im Vergleich zu den anderen 25 Kommunen der Städteregion und des Kreises Düren lag Eschweiler im Vorjahr bei den Leichtverpackungen im Mittelfeld: In zwölf Kommunen wurde mehr weggeworfen. Durchschnittlich landeten 2017 pro Kopf rund 40 Kilogramm in der Tonne, in Eschweiler waren es 46,4 Kilogramm, in der Nachbarstadt Stolberg nur 36,9 Kilogramm.

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Und was kann man aus all diesen Zahlen schließen? Wenn unser Müllberg weiter heranwächst, ist das insofern nichts Positives, als dass für die Herstellung dieser weggeworfenen Materialien zuvor wertvolle Ressourcen eingesetzt wurden. Um Pappe herzustellen, werden Bäume gefällt, Plastik wiederum ist ein Produkt aus Rohöl. Ein anderes großes Problem ist das Thema Recycling. Das zeigen auch die Zahlen des Bundesumweltamtes: Während 2016 bei Papier und Pappe 88,7 Prozent wiederverwertet wurden, waren es bei den Kunststoffen gerade mal 49,7 Prozent.

Damit ist Deutschland zwar im Soll: Die Verpackungsverordnung schreibt vor, dass mindestens 36 Prozent der Verpackungen wiederverwertet werden müssen. Weitere 24 Prozent dürfen als „Ersatzbrennstoff“ statt Öl oder Erdgas genutzt werden. Der Rest landet aber in Müllverbrennungsanlagen und erzeugt somit schädliche Abgase.

Ab 2019 werden die Verwertungsquoten allerdings angehoben. Nach dem neuen Verpackungsgesetz müssen dann 58,5 Prozent der Kunststoffverpackungen, die bei privaten Verbrauchern anfallen, und ab 2022 rund 63 Prozent stofflich verwertet werden. Für Papier und Pappe liegen die Quoten ab 2019 bei 80 und ab 2022 bei 90 Prozent.

Globale und lokale Verantwortung

Auch die Stadt Eschweiler, die kürzlich mit dem Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet wurde, hat sich Ziele gesetzt: Die Gesamtabfallmenge soll im Jahr 2025 um 30 Prozent reduziert sein. Um dies zu erreichen, soll der gesamte Einzelhandel in Eschweiler 2020 den Verzicht auf Plastiktüten vereinbaren, heißt es in der Strategie. „Als Stadt sehen wir uns sowohl in der globalen als auch in der lokalen Verantwortung, Müll zu vermeiden. Es geht darum, die Meere zu schützen, aber wir wollen auch unsere Stadt lebenswert und sauber halten“, erklärt Nachhaltigkeitsmanager Jan Schuster.

Weiterhin steht auf dem Plan, mehr Annahmestellen für wertstoffhaltige Abfälle einzuführen, um hochwertiges Recycling zu erleichtern. Besonders im Bereich der Leichtverpackungen ist die Sortierung aufwendig und stößt an seine Grenzen. Denn zum einen befindet sich im Gelben Sack eben nicht nur Plastik. Zum anderen bestehen Verpackungen, die den Großteil des Plastikmülls ausmachen, meist aus einem Gemisch verschiedener Kunststoffe wie Polyethylen, Polystyrol und Polypropylen. Häufig sind auch Weichmacher beigemischt. Am Ende können daraus nur minderwertige Produkte hergestellt werden wie Plastiktüten oder Plastikeimer. Lebensmittelverpackungen zum Beispiel dürfen nur aus „sauberem“ Kunststoff gefertigt werden.

Welche Kunststoffe verwendet werden, liegt bei den Herstellern. Genrell sind die Verbraucher der Verpackungspolitik des Handels ausgesetzt, wie Regina Brück erklärt, Sachbereichsleiterin der Awa-Abfallberatung. Dennoch: „Jeder sollte sich bei der Abfallvermeidung verantwortlich fühlen.“ Brück rät beim Einkauf dazu, wiederverwendbare Taschen statt Plastiktüten zu benutzen. Zudem empfiehlt sie, Obst und Gemüse unverpackt zu kaufen, am besten auf dem Wochenmarkt oder im Hofladen. „Regional einzukaufen ist deutlich besser für die Ökobilanz, da lange Transportwege wegfallen“, erklärt Brück.

Darüber hinaus können Eschweiler Bürger noch anders zur Müllvermeidung beitragen. Beispielsweise bietet die Awa in Kooperation mit der Awo den Ömesöns-Laden am Langwahn an, bei dem man funktionstüchtige Dinge abgeben kann, die jemand anderes noch gebrauchen könnte. Dort wird auch jeden letzten Samstag im Monat das Repair-Café angeboten, in dem Elektrogeräte repariert werden.

Zudem organisieren viele Vereine in Eschweiler im Frühajhr Wildmüll-Sammelaktionen. Vor allem Kunststoffe werden gefährlich, wenn sie in die Natur geraten. Denn sie können nicht auf natürlichem Weg abgebaut werden, zerfallen in immer kleinere Einzelteile und reichern sich in Gewässern an. Fressen Tiere diese, tragen sie Schaden davon oder sterben sogar. Und es könnte soweit gehen, dass unser Müll über die Nahrungskette wieder auf dem Teller landet.

Um das zu vermeiden, muss jeder Acht geben. Nachhaltigkeitsmanager Schuster bringt es auf den Punkt: „Wenn weniger Müll produziert wird, kann auch weniger in die Umwelt gelangen.“

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