Eschweiler: Viele kreative Ideen für die „City Nord”

Eschweiler: Viele kreative Ideen für die „City Nord”

Rote Punkte weisen den Weg: Am Donnerstagabend hatten Eschweiler Bürger die Möglichkeit, im Ratsaal bei einer offenen Perspektivenwerkstatt die weitere Entwicklung der nördlichen Innenstadt mitzubestimmen.

Dass von den über 40 anwesenden Interessierten der überwiegende Teil aus Parteien- und Verbandsvertretern sowie ansässigen Eigentümern und Geschäftsleuten bestand, kann man dem Technischen Beigeordneten Hermann Gödde wahrlich nicht vorwerfen. Den Bürger einzubinden, hat sich Gödde seit seinem Amtsantritt auf die Fahne geschrieben und setzt dies konsequent um.

Und was war nun mit den roten Punkten? Die bekam jeder Teilnehmer ausgehändigt, um damit seine Präferenzen bei der Neugestaltung der „City Nord” festzulegen. Dass hier durchaus geteilte Meinungen aufeinandertrafen, zeigte die Verteilung der kleinen, selbstklebenden Kreise schon nach kurzer Zeit: Wünschen sich einige, die Hertie-Immobilie zu erhalten und neue Nutzungspotenziale (etwa als große Markt- oder Veranstaltungshalle) auszuschöpfen, plädieren andere konsequent für Abriss, um anschließend Mehrgenerationenhäuser in ansprechender Grünanlage zu errichten.

Unkonventionelle Visionen

Gödde und sein Team vom Planungs- und Bauamt ordneten die unzähligen Bürgerideen, die in den vergangenen Monaten im Rathaus eingegangen sind, nach vier thematischen Schwerpunkten: „Freiraum und Umwelt”, „Handel und Gastronomie”, „Verkehr” und „Wohnen”. Auf vier großen Schautafeln präsentierten sie im Ratsaal die teils sehr kreativen Ideen. An Phantasie mangelt es jedenfalls nicht.

Partymeilen à la „Dorf Münsterland” einerseits, Wohn- und Kinderstadt andererseits. Alte Ideen wie der Indetunnel kamen ebenso aus der Schublade wie völlig neue, eher unkonventionelle Visionen, das Rathaus in ein wettergeschütztes Einkaufszentrum zu verwandeln. Voraussetzung dafür: Eschweiler und Stolberg müssten zu einer Verwaltungseinheit zusammengelegt werden. Was wird also aus dem derzeitigen Sorgenkind „nördliche Innenstadt”, in dem rund 1850 Menschen leben. Wohnstadt? Kinderstadt? Kulturoase? Geschäftszentrum? Dienstleistungsmeile?

Hermann Gödde weiß, dass beileibe nicht jeder Vorschlag realisierbar ist. Trotzdem lautet sein Credo stets: „Die Gedanken sind frei!” Es gehe nun darum, erste vage Vorstellungen zu konkretisieren. Genau dafür seien die Perspektivenwerkstätten gedacht. „Wir erhoffen uns durch diese Vorgehensweise eine Schärfung”, setzt er weiter auf Einbeziehung der Bürger. Dabei vergisst der Stadtplaner aber keineswegs den Zeitplan: Bis zum Sommer 2011 sollen genaue Szenarien entwickelt, Projekte konzipiert und das bisher bestehende Innenstadtkonzept in Diskussionsrunden überarbeitet werden.

Dann folgt die Festlegung in einem Rahmenplan. „Dieser ist ein integrativer Plan”, so Gödde. Will heißen: Er beinhaltet viele Aspekte und einzelne Bausteine rund um die nördliche Innenstadt und ist als mittel- und langfristiges Handlungskonzept für die folgenden fünf bis 15 Jahre gedacht. „Der Rahmenplan ist wie ein roter Faden zu sehen, an dem wir uns in den kommenden Jahren abarbeiten wollen”, beschreibt Gödde die zukünftige verbindliche Richtschnur für das Verwaltungshandeln.

Für diese Arbeit, betonte Gödde, brauchen er und sein Team Futter, und zwar in Form von Bürgerbeteiligung. „Wir ziehen uns nicht ins stille Planer-Kämmerlein zurück.” Im Sommer 2011, vereinbarte man mit der Bezirksregierung und dem Land, soll der Förderantrag erarbeitet und vorgelegt werden, so dass möglichst ab 2012 mit der Umsetzung erster Projekte begonnen werden kann.

Auf eines weist Gödde aber auch immer wieder hin: „In der nördlichen Innenstadt können wir verhältnismäßig wenig im öffentlichen Raum machen.” Eigentümer und Investoren sind also gefragt. Rote Punkte auf Schautafeln verteilen, war daher nur der Anfang...