Eschweiler: Viel Arbeit für Jürgen Schoenen: Von Aufschwung nichts zu spüren

Eschweiler: Viel Arbeit für Jürgen Schoenen: Von Aufschwung nichts zu spüren

Deutschland im Aufschwung, die Wirtschaft meldet ein Wachstumshoch, aber an Eschweiler scheint diese Entwicklung vorbeizulaufen. Zumindest lässt sich das deutschlandweite Hoch nicht an Zahlen festmachen: Nach wie vor sind dem Jobcenter Eschweiler 3100 Bedarfsgemeinschaften gemeldet.

Das bedeutet, dass mindestens jeder zehnte Indestädter Einkünfte aus Hartz IV bezieht, denn die Arge rechnet mit 6200 Personen. Entsprechend hoch sind auch die Ausgaben: Alleine in diesem Jahr zahlte das Jobcenter 5,19 Millionen Euro für die Unterkunft und 5,4 Millionen Euro an Leistungen für den Lebensunterhalt. Also von Januar bis einschließlich Mai fast elf Millionen Euro.

Es wartet also viel Arbeit auf die 60 Mitarbeiter und ihren neuen Eschweiler Leiter. Jürgen Schoenen hat das Amt Anfang des Jahres zunächst kommissarisch übernommen und hat seit wenigen Tagen auch offiziell die Leitung inne. „Ich kann sicher nicht in den Jubel einstimmen, der die momentane Wirtschaftsentwicklung begleitet”, ist er sich seiner schweren Aufgabe bewusst. Aber der 48-Jährige, der fast alle Bereiche des Jobcenters und der Arbeitsagentur durchlaufen hat, sieht durchaus Chancen. Allerdings müssen die Rahmenbedingungen dafür stimmen. „Oft herrscht das Horrorszenario, dass der Sprung von einer Arbeitslosigkeit auf eine Stelle zu hoch ist.” Er rät Unternehmen deswegen dazu, eigene Mitarbeiter intern zu fortzubilden, statt extern nach qualifizierten Fachkräften zu suchen. Es fehle derzeit an Jobangeboten für Menschen, deren Qualifikation eben nicht so hoch sei.

Der Kampf an der Arbeitsmarktfront wird für die Arge-Mitarbeiter auch durch ständig wechselnde und wachsende Vorschriften erschwert. „Das Gesetzes-Dickicht können selbst ausgewiesene Experten kaum noch durchblicken”, sagt Stefan Graaf, Chef des Jobcenters der Städteregion Aachen. 54 Gesetze gelte es zu beachten, manche werden rückwirkend angepasst. Aktuell komme das Bildungs- und Teilhabepaket hinzu. „Das wird von unseren Mitarbeitern noch so nebenher erledigt”, lobt er das Engagement.

Die Menschen, die ins Jobcenter kommen, sind oft verzweifelt und frustriert. „Ein Dankeschön hören wir selten. Wir sind die letzte Instanz für die Menschen”, berichtet Jürgen Schoenen. Schwierig ist der Gang vor allem für die Indestädter, die zwar einer geregelten Arbeit nachkommen, aber nicht genug verdienen, um ihre Familie damit zu ernähren. Etwa ein Viertel der 3100 Bedarfsgemeinschaften ist sogenannter Aufstocker. Ob ein gesetzlicher Mindestlohn das alleinige Mittel dagegen ist, wird auch in der Arge diskutiert. Für Stefan Graaf ist klar: „Es muss einfach mehr Netto vom Brutto geben. Untere Einkommen müssen entlastet werden.” Denkbar sei für ihn ein Modell, dies über Steuern zu finanzieren.

Leiharbeit hingegen wird nicht grundlegend verteufelt, im Gegenteil: „Sie kann oft der Sprung ins Berufsleben sein”, ist sich Jürgen Schoenen sicher. Neben seiner Tätigkeit als Leiter des Eschweiler Jobcenters bleibt er in der Städteregion nach wie vor auch für die Integration der über 50-Jährigen auf den Arbeitsmarkt zuständig. Zwei Teams kümmern sich in Aachen vorrangig um diese Gruppe. Sie ist mehr als alle anderen auf finanzielle Hilfen angewiesen.

Doch der Arge steht wesentlich weniger Geld für die Eingliederungshilfen zur Verfügung. „Da ist es wichtig, nicht mit der Rasenmähermethode vorzugehen”, so Schoenen. Drastische Kürzungen waren jedoch nicht zu vermeiden. Auch die Zukunft sieht nicht rosiger aus, denn in den Jobcentern rechnet man damit, dass im nächsten Jahr weiter gekürzt wird. Sollte der Wirtschaftsaufschwung endlich in Eschweiler ankommen, könnte man im Jobcenter sicher damit leben.

Das ist der neue Chef des Jobcenters Eschweiler

Jürgen Schoenen wurde in Kinzweiler geboren und machte im Jahr 1981 sein Abitur am Städtischen Gymnasium. Als Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit absolvierte er schließlich ein Studium in Mannheim.

Seine Beruf verschlug ihn nach einer Station in Düsseldorf zur Agenturzentrale in Nürnberg. Über Mönchengladbach und Essen kam er schließlich zurück in seine Heimat und beteiligte sich ab 2004 am Aufbau der Arge in der Stadt Aachen. Dort war er bis zur Gründung der Städteregion in der Geschäftsführung tätig.

Der 48-Jährige, der in der Freizeit gerne die Langlaufschuhe schnürt, wechselt nun von der Jobcenter-Zentrale in der Steinstraße, wo er die Zentralen Dienste für die interne Verwaltung leitete, ins Eschweiler Rathaus.