Awo-Kindergärten: Verspätet? Das kostet. Nichts essen ebenso.

Awo-Kindergärten : Verspätet? Das kostet. Nichts essen ebenso.

„Diskussionswürdig“ finden Jugendamt und Jugendamtselternbeirat die Essensgeldpauschale in Kitas. Potenzial für Gespräche gab es jedenfalls genug, als die neuen Verträge in den fünf Eschweiler Awo-Kitas auf Wunsch des Elternbeirats auf der Tagesordnung des Jugendausschusses standen.

Es geht vor allem um zwei Punkte: „Strafgebühren“ für immer wieder zu spät kommende Eltern und eben eine neue Pauschale fürs Mittagessen.

Demnach sollen die Beiträge fürs Mittagessen pauschal immer abgerechnet werden, auch wenn die Kinder nicht da sind, etwa weil sie krank oder im Urlaub sind. Als Grund gibt der Träger Awo-Kita einen zu hohen Verwaltungsaufwand für die jeweiligen Einrichtungen an – Zeit, die dann bei den Kindern fehle.

Bei den „Strafgebühren“ geht es laut Träger um das regelmäßige Zuspätkommen von Eltern; für die kostet das in Zukunft 15 Euro pro Viertelstunde plus zehn Euro für die Rechnungslegung. Es gehe explizit um wiederholtes Verspäten, das zu Lasten der Betreuer gehe, die länger bleiben müssten, sagt Guido Dohmen, Prokurist bei dem Träger der Awo-Kindertagesstätten. „Das können wir unseren Mitarbeitern nicht zumuten.“

„Das wirkt wie ein Rückschritt“, sagt Andrea Rahmen vom Jugendamtselternbeirat im Ausschuss – gerade in Zeiten, in denen flexible Betreuungszeiten wichtiger würden. Im Vorfeld und auch im Gremium wurde wiederholt die Forderung nach Alternativen laut, nach anderen Lösungsmöglichkeiten, sowohl vonseiten des Jugendamts als auch von dem Jugendamtselternbeirat.

Ein Vorschlag von Jugendamtsleiter Jürgen Termath war, die Abrechnungen in die Zentralverwaltung des Trägers zu verlegen. Aber: Während der Sitzung wies er noch einmal darauf hin, dass die Stadt keine Handhabe bei den neuen Regelungen hat, die Verträge werden zwischen Eltern und Kita-Träger geschlossen.

Nicht mit Eltern gesprochen

Der Elternbeirat beruft sich auf die Regelungen bei anderen Trägern. So gebe es eine App, mit Hilfe derer Eltern ihre Kinder selbständig ausbuchen und Essensgeld als Guthaben aufladen können. „Der Kita entsteht kaum noch Verwaltungsaufwand“, schreibt der Jugendamtselternbeirat in einer Stellungnahme. Allerdings: Das setzt voraus, dass jeder überhaupt ein Smartphone hat. „Und dass die App auch benutzt wird“, sagt Dohmen.

Weiter heißt es in der Stellungnahme: Dass Eltern am Ende des Kita-Jahres selbst einen Antrag auf Rückerstattung stellen, in dem sie die Fehltage der Kinder eintragen, sei eine weitere Möglichkeit.  „Fast alle“ Varianten der unterschiedlichen Träger ermöglichten es den Eltern, bis zu einer gewissen Uhrzeit am Morgen das Essen abzubestellen, schreibt der Beirat weiter. Und: „Grundsätzlich ist zu kritisieren, dass Veränderungen beschlossen wurden, ohne vorher mit den Eltern zu sprechen.“

An dieser Stelle will man bei der Awo nachbessern, zunächst bei den kommenden Elternabenden in den fünf Eschweiler Einrichtungen. In der Kita „Zauberhut“, die ab Neujahr auf die neuen Verträge umgestellt werden soll, noch in dieser Woche, sagt Pia Rohn, ebenfalls Prokuristin bei dem Träger der Awo-Kindertagesstätten. Beide wollen in die Veranstaltungen mit hineingehen, sich den aufkommenden Fragen der Eltern stellen. Dann wolle man weitersehen. „Grundsätzlich ist unser Weg, dass wir dabei bleiben, was wir vorhaben“, sagt Rohn.

„Redebedarf“ und „Diskussionsbedarf“ sind also die ultimativen Wörter des Abends, wenn es um das Thema geht. Auch andere Träger melden sich zu Wort, der Tenor: Essensbeiträge sind eine ganz grundsätzliche Problematik. Dohmen sagt: „Wir haben eine Diskussion zum Thema angestoßen.“

Die Vertragsneuerungen bei den Awo-Kitas werden aber so oder so erst einmal sukzessive kommen. Die Eltern setzten die neuen Verträge unter Druck, sagt Andrea Rahmen. Denn: „Die Option, nach einem anderen Kita-Platz zu gucken, stellt sich im Prinzip nicht, auch wenn wir in Eschweiler vergleichsweise gut aufgestellt sind.“ Auf die Frage, was die Folge ist, wenn die neuen Verträge nicht unterschrieben werden, sagt Dohmen: „Ein Vertrag ist eine zweiseitige Willenserklärung.“ Der eben beide Seite zustimmen müssen, damit er zustande kommt.

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