Vernissage in der Galerie Art Engert

Vernissage in der Galerie Art Engert : Ausstellung „Mensch und Natur 1“

„Mensch und Natur“: Allumfassender könnte ein Thema nicht sein. Vollkommener Einklang oder totaler Gegensatz? Der Mensch als Teil der Natur, als Zerstörer dieser oder als hilfloses Opfer ihrer Gewalt?

Unterschiedlichste Facetten, denen sich die Verantwortlichen der Galerie Art Engert in einem rund zweieinhalbjährigen Zeitraum mit voraussichtlich fünf Einzelausstellungen nähern möchten. Zum Auftakt dieses Ausstellungszyklus präsentiert Galeristin Anita Engert unter der Überschrift „Mensch und Natur 1“ ein großes Ölgemälde und Aquarelle von José Maria Guerrero Medina, Zeichnungen von Annemarie Laner sowie Skulpturen von Susanne Auslender.

„Unser Ziel lautet, in Ausstellungen und Vorträgen zu diesem Thema nicht nur die Kunst im engeren Sinne anzusprechen. Vielmehr sollen auch Aspekte wie die Einstellung der Künstler zur durch den Menschen verursachten Veränderung der Natur und zum Kampf für deren Bewahrung zur Sprache kommen“, erklärte Anita Engert während der Vernissage am Sonntagnachmittag den zahlreichen Gästen. Unverkennbar sei, dass sich das Verhältnis des Menschen zur Natur im Verlauf der Jahrhunderte häufig verändert und dies auch die Art der Annäherung des Künstlers mit den ihm zur Verfügung stehenden Ausdrucksformen beeinflusst habe.

Der Auftrag des biblischen Gottes „Machet Euch die Erde untertan“ sei für die Menschen der christlichen Hemisphäre über viele Jahrhunderte der Leitsatz in ihrer Einstellung zur Natur gewesen: „Der Mensch als der beauftragte Beherrscher der Natur“. Die Einstellung des Menschen zur Natur habe sich dabei immer wieder vom Positiven zum Negativen und zurück entwickelt: Hier der Kampf gegen die Naturgewalten Wasser, Sturm und Feuer sowie Dürre, Hunger und Durst. Auf der anderen Seite die Schönheit der Landschaften, die Klarheit der Lüfte, die Leichtigkeit der Wolken, die Fruchtbarkeit der Auen. „Die Wahrheit aber ist: Diese unberührte Natur gibt es längst nicht mehr. Überall dort, wo wir angelangen, gehört die Unberührtheit in dem Sinne, wie wir sie meinen, schon längst der Vergangenheit an“, so die Galeristin.

Dies solle nicht heißen, dass der Mensch unnatürlich sei. Gleichwohl habe er sich über seine Natürlichkeit hinaus zu einem kulturellen Wesen entwickelt, dass sich sein Habitat selbst erbaut und erkämpft habe.

„Das heißt, der Mensch und die Natur sind keine Partner. Der Mensch kämpft mit beziehungsweise gegen die Natur. Die Natur greift den Menschen an und will ihn vernichten. Sie zerstört seine Lebensgrundlagen. Beim Durchwandern der Kultur- und Kunstgeschichte stoßen wir immer wieder auf diese Erkenntnisse“, unterstrich Anita Engert. Mit immer bahnbrechenderen Erfindungen mache sich der Mensch anscheinend immer stärker zum Lenker der Natur. „Er greift in die Natur ein, in seinen eigenen Körper, der ja auch Teil der Natur ist, aber auch in sein natürliches Umfeld, um seine Lebensbedingungen zu verbessern. Und er erzielt Erfolg um Erfolg, Fortschritt um Fortschritt. Doch scheint die Natur sich gegen den Menschen und seine steuernden Maßnahmen zu wehren“, gab die Gastgeberin zu bedenken. Die Kunst und der Künstler, der ja auch ein homo sapiens sei, habe seine Artgenossen über die Jahrhunderte begleitet und die Natur beobachtet, um das Beobachtete mit seinen Mitteln wiederzugeben. Der Frage, was der Künstler wiedergeben wollte und ob ihm dies tatsächlich gelungen ist, sei Gegenstand dieser Werkschau und der folgenden Ausstellungen.

Kurz darauf gab Anita Engert ihren Zuhörern ein Zitat von Pablo Picasso aus dem Jahr 1923 mit auf den Weg: „Man spricht von Naturalismus und denkt dabei an den Gegensatz zur modernen Malerei. Ich möchte gerne wissen, ob ein Mensch je ein natürliches Kunstwerk gesehen hat? Natur und Kunst sind zwei verschiedene Dinge; sie können nicht das Gleiche sein. Durch die Kunst drücken wir unsere Auffassung von dem aus, was die Natur nicht ist."

Ganz in diesem Sinne setze Annemarie Laner mit ihren Zeichnungen einen Kontrapunkt im Vergleich zu den beiden anderen Künstlern der Ausstellung „Mensch und Natur 1“. Schwarz und Weiß sind die Nichtfarben, die die Konturen ihrer Formen bestimmten, mit denen sie, ohne einen Zweifel zuzulassen, ausdrücke, was Natur nicht sei. „Beim Betrachten ihrer Werke bekommt man den Eindruck, Annemarie Laner wolle den Betrachter aus der Natur vertreiben und ihm die freudlose und rauhe Welt zeigen.“

Im Gegensatz dazu böten das Ölgemälde sowie die Aquarelle von José Maria Guerrero Medina die Gelegenheit, sich in den Zauber der Natur quasi hineinziehen zu lassen. Der Katalane präsentiere „Mensch und Natur“ als Gegensatzpaar, das dennoch als Teil der allumfassenden Natur zusammengehöre. Schließlich seien die Skulpturen von Susanne Auslender sogar als Liebeserklärung der Künstlerin an die Natur zu verstehen: „Ihr Werk ist von Empathie geprägt. Alles ist friedvoll. Die Natur zerstört nicht, sie greift den Menschen nicht an, sie liebt ihn sogar“, verdeutlichte Anita Engert die Vieldeutigkeit des Themas „Mensch und Natur“.

(ran)
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