Eschweiler: Verkehrsknoten Pumpe: Minister nimmt sich Zeit für Bürgerinitiative

Eschweiler: Verkehrsknoten Pumpe: Minister nimmt sich Zeit für Bürgerinitiative

Der NRW-Verkehrsminister Michael Groschek war offensichtlich vorgewarnt. Schon bei der offiziellen Eröffnung der Landesstraße über den Hohen Stein ging er auf die Argumente der Bürgerinitiative einiger Pumper Bürger ein.

Anschließend nahm sich der Sozialdemokrat allerdings besonders viel Zeit, die Lage an der Phönixstraße vor Ort zu begutachten und mit den Anwohnern ins Gespräch zu kommen. Der Tenor war klar: Alle wollen die Ortsumgehung, nur wohin mit der Straße?

Das Positive vorneweg: Der NRW-Minister machte deutlich, dass das Straßenprojekt nicht gestorben ist. Aber er gab auch keine Versprechen ab. Er wolle alle an einen Tisch bringen, wenn das „Wahlkampffieber etwas abgeklungen“ sei. Auch die Bürgerinitiative wolle er dazu einladen. Zuvor hatte Groschek nochmals die Philosophie der NRW-Landesregierung beschrieben: „Erhalt geht bei den Straßen vor Neubau!“ Der Etat ist also klein, mit dem das Land Straßen bauen kann. Ohnehin will man in den nächsten Jahren nur noch Trassen errichten, deren Umsetzung begonnen sei. Und genau an diesem Punkt macht Groschek den Indestädtern Hoffnung: „Da das Linienbestimmungsverfahren schon einmal stattgefunden hat, kann man im Zweifel von einer begonnenen Maßnahme sprechen.“

Was der Minister allerdings auch weiß: Eine einfache Lösung besteht in Pumpe nicht. Die derzeitige Landesstraße führt direkt auf die Phönixstraße. Von dort aus geht es unmittelbar vor einem Möbelhaus links weiter Richtung Pumpe und Stolberg. Schon jetzt rollen täglich Tausende Fahrzeuge, viele davon Lastwagen, mitten durch den Ort. Tendenz steigend. Die Bürgerinitiative spricht von bis zu 19.000 Fahrzeugen. Auch der Minister versteht zum Teil sein eigenes Wort nicht, als er den Verkehrsknoten Pumpe begutachtet. Begleitet wird er von einem Tross Kommunalpolitikern und Vertretern des Landesbetriebs „Straßen.NRW“.

Als Ausweichmöglichkeit für den Verkehr, will man keine Häuser abreißen, bliebe nur der Schwenk nach rechts Richtung Inde. Dort warten weitere Probleme: die Trasse der Euregiobahn, die Indeauen und Gewerbebetriebe. Irgendwo dazwischen müsste sich der 3. Bauabschnitt, insofern er denn umgesetzt werden soll, durchschlängeln. Das Linienbestimmungsverfahren verglich vor fast zehn Jahren drei verschiedene Varianten und kam zur Empfehlung, dass die längste Strecke der drei zur Auswahl stehenden parallel zur Bahnstrecke die günstigste sei. Ein Umweltgutachten folgte unmittelbar darauf mit dem Ergebnis, dass mehrere geschützte Tierarten betroffen seien. Seitdem ist es ruhig geworden um den 3. Bauabschnitt.

Montag war es der Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling, der das Treffen der Initiative mit Groschek in die Wege leitete. Im Landesministerium dürfte das Projekt zumindest wieder aus der Schublade geholt werden. Groschek betonte ausdrücklich, dass „der Mensch mindestens so wichtig ist wie jede Fledermaus“. Deswegen wolle er mit einem runden Tisch klären, welche Lösungen es für die Straße geben könnte. „Anschließend unterhalten wir uns über eine mögliche Finanzierung“, sagte er, um im Nachsatz hinterher zu schieben: „Aber ich kann ihnen natürlich nichts versprechen.“

Dass Wahlkampf herrscht, spürte man am Montag an vielen Stellen: Obwohl alle Parteien den Wunsch der Bürgerinitiative unterstützen, zeigten sie ihre Haltung auf unterschiedliche Weise. Die CDU stellte sich größtenteils abseits und hielt Protestplakate hoch mit der Aufschrift „Ohne den dritten Bauabschnitt wird die Entlastungsstraße zur Belastungsstraße“.

Die Eschweiler Grünen nahmen erst gar nicht an der Eröffnung des 2. Bauabschnittes teil. Der Fraktionsvorsitzende Franz-Dieter Pieta teilte mit: „Wir wissen nicht, was es da zu feiern gibt. Speziell dieser zweite Bauabschnitt ist eines der unsinnigsten Straßenbauprojekte, die jemals in Eschweiler realisiert worden sind.“ Mehr als fünf Millionen Euro auszugeben, damit die Autofahrer vielleicht eine knappe Minute sparen, ist der reinste Schildbürgerstreich“, heißt es in einer Erklärung der Partei. Das Geld hätte man besser in den 3. Bauabschnitt stecken sollen, meinen die Bündnisgrünen.

Fast eine Dreiviertelstunde lang schaute sich Groschek mit seinen Mitarbeitern auf der Phönixstraße um. Ob die Ortsumgehung Pumpe damit wahrscheinlicher geworden ist, kann niemand sagen. Ein Anwohner stieß kurz zur Gruppe und meinte lauthals: „Ach, jedes Mal vor Wahlen lassen sich irgendwelche Politiker blicken und ablichten. Aber am Ende bleibt alles doch so, wie es jetzt ist.“ Dies klingt etwas frustriert. Doch die Bürgerinitiative in Pumpe bleibt kämpferisch. „Wir lassen nicht locker“, sagt Karl-Josef Diegeler und ergänzt: „Aber ganz ehrlich: Ich werde den Bau der neuen Straße wohl nicht mehr erleben...“