Eschweiler: Verkehrschaos vor den Schulen: Liebfrauenschule geht auf Eltern zu

Eschweiler : Verkehrschaos vor den Schulen: Liebfrauenschule geht auf Eltern zu

Die Autos drängeln sich über die Kreuzung, dazwischen Kinder zu Fuß oder auf Fahrrädern. Vor manchen Eschweiler Schulen wird es morgens und mittags ganz schön gefährlich für die Schulkinder. Als Konsequenz wollen einige Eltern ihren Nachwuchs selbst mit dem Auto bringen — und machen die Verkehrslage nur schlimmer.

An der Liebfrauenschule ist es durch die Kreuzung der Liebfrauen- und Reuleauxstraße besonders gefährlich. Während die Autofahrer aus allen Richtungen zur Schule wollen, kommen die Kinder zu Fuß und mit dem Fahrrad hauptsächlich aus der Innenstadt und kreuzen den Verkehr. Die Elternpflegschaft hat eingegriffen und ging an mehreren Terminen mit dem Ordnungsamt, der Polizei und Schülersprechern auf die Eltern zu.

Vielfältiges Fehlverhalten

Um 7.30 Uhr stehen die Elternvertreter und die Polizei also an der Kreuzung der Reuleauxstraße und Liebfrauenstraße, zusammen mit den Schülersprechern Max Wrabetz und Julia Feller. Bereits im Vorfeld berichten die beiden von gefährlichen Situationen vor Schulbeginn: „Die Autos halten an allen vier Ecken“ (der Kreuzung), erzählt Julia und Max ergänzt: „Die Sicherheit ist überhaupt nicht mehr gewährleistet.“

So dauert es auch nur wenige Minuten bis zum ersten Eingreifen des Ordnungsamts. Eine Autofahrerin biegt scheinbar rechts ab, schaut die Personen in den Warnwesten an, dreht dann um 180 Grad in der Kurve, um schließlich auf dem Bordstein zu halten. Der eigene Nachwuchs auf der Rückbank: nicht angeschnallt.

Heiner Bongers, Polizist und Fachmann für den Verkehrsbereich, unterhält sich mit der Mutter, erklärt ihr, warum sie dort nicht halten darf, ein Strafzettel wird geschrieben. Es ist das Zusammentreffen von allen Verkehrsteilnehmern, das die Lage so gefährlich macht, denn auch viele Kinder sind gerade in der Dämmerung in dunkler Kleidung unterwegs und fallen kaum auf — besonders dann, wenn Autofahrer gerade in Hektik sind und die Aufmerksamkeitsspanne kurz nach dem Aufstehen nicht besonders hoch ist.

Es folgen einige Gespräche mit den Eltern, aber auch mit Schülern. Mal wird in einer Einfahrt gehalten, mal muss auf fehlende Fahrradbeleuchtung aufmerksam gemacht werden. Die Reaktionen sind dabei durchaus unterschiedlich, erzählt Bongers: „Das geht von ‚Da haben Sie Recht‘ bis hin zu bösen Reaktionen.“ Da wird dann auch mal geschimpft und geflucht, da man ja nur die Kinder zur Schule bringen wolle, so der Polizist.

Bei der Aktion „geht es um die Sicherheit. Wir wollen sensibilisieren“, sagt Dagmar Schmitz von der Elternpflegschaft und meinte damit besonders die Eltern der Fünft- und Sechstklässler. Unfälle gab es zwar bisher nicht, dies sei jedoch kein Grund, auf Präventivarbeit zu verzichten. Häufig werde die Elternpflegschaft darauf angesprochen, ob eine Besserung der Verkehrslage absehbar sei — die Einsicht, dass Eltern auch selbst zum Problem beitragen, sei häufig gering.

Die Ausreden seien dabei unterschiedlich. Oft werde der starke Verkehr vor der Schule genannt, die Kinder seien zu unerfahren im Straßenverkehr, es sei kalt oder zu dunkel. Das ist eigentlich kaum verständlich für die „Aktionsgruppe“. Nur wenige Meter entfernt könne problemlos angehalten werden, beispielsweise auf der Hehlrather Straße oder am Rand der Jülicher Straße. Der Weg wird dadurch für die Schulkinder kaum länger.

Gemeinsamer Schulweg

Ein ähnliches Szenario wie am Morgen, an dem teilweise bis zu zehn Autos gleichzeitig auf der Reuleauxstraße in Höhe der Schule anhalten, ist dann auch mittags zu beobachten: Chaos vor der Schule.

Bongers kennt das auch aus anderen Gemeinden in der Städteregion. In Baesweiler hat er maßgeblich das „Verkehrszähmer“-Projekt mitgestaltet. Dabei wurden Grundschülern kleine Belohnungen — beispielsweise ein Tag ohne Hausaufgaben — versprochen, wenn die Klasse ohne Hilfe der Eltern zur Schule kommt.

„Das funktioniert“, erzählt Bongers, „und fördert auch die Entwicklung einer sozialen Kompetenz.“ Ein gutes Beispiel: Zwei der beteiligten Kinder aus Baesweiler waren in der selben Klasse und erfuhren erst durch das Projekt, dass sie in der selben Straße wohnen. Da ihre Eltern sie immer direkt zur Schule fuhren, lernten sie sich nie richtig kennen.

Der gemeinsame Weg nach Hause oder zum Bus fördere den Zusammenhalt untereinander, und auch die Sicherheit im Straßenverkehr werde deutlich besser, sagt Bongers. Eine gute Lösung: Einen möglichst langen Teil des Weges zu Fuß mit dem Kind zur Grundschule, die meist deutlich näher am Zuhause liegt, zurücklegen und das Kind dann immer weitere Strecken sich selbst überlassen.

Natürlich ist das nicht immer möglich, das wissen auch die Beteiligten an der Liebfrauenschule. Hier kommen auch Kinder aus den umliegenden Kommunen, die Eltern ungern lange mit dem Bus losschicken möchten oder die aus schlecht angeschlossenen Gemeinden kommen. Trotzdem sind sich alle Beteiligten sicher, dass die Situation vor der Schule erheblich entschärft werden könnte.

Auch Schulleiter Carsten Gier bekräftigt: „Das Thema beschäftigt uns seit einigen Jahren.“ Immer wieder wird bei den neuen Fünftklässlern darauf hingewiesen, aber erst wenn die Kinder von sich aus lieber mit ihren Klassenkameraden gehen, statt gefahren zu werden, ändert sich die Situation. An mehreren Tagen stand die Elternpflegschaft schon vor den Schulen. Mit Schulbeginn endet dann die „Schicht“ vor der Schule, die Eltern fahren wieder weg und rund um das Gebäude kehrt langsam wieder Ruhe ein. Von Dauer ist die jedoch nicht.

Es hat etwas von Sisyphos-Arbeit, denn mit jedem neuen Jahr kommen auch neue Eltern, die wieder davon überzeugt werden müssen, ihren Nachwuchs nicht direkt vor die Schule zu fahren.

Die anderen Schulen in Eschweiler haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Am Städtischen Gymnasium ist Schulleiter Winfried Grunewald besonders froh, dass durch die Neugestaltung der Peter-Paul-Straße vor der Eingangsbereich des Hauptgebäudes auch eine Verkehrsberuhigung geschaffen wurde. Im Gegensatz zur Liebfrauenschule ist die Situation durch die Zweiteilung der Gebäude etwas entschärft. Trotzdem findet Grunewald, dass „eine Verkehrsberuhigung auch vor dem Nebengebäude wünschenswert ist“. Dort werden hauptsächlich die jüngeren Klassen unterrichtet.

Durch den Neubau der Mensa vor wenigen Jahren wurde der Eingangsbereich von der Preyerstraße aus in einen Fußgänger- und einen Autoweg geteilt, was hier deutlich geholfen hat. Problematisch sei weiterhin die Parksituation, schildert der Schulleiter. Das gilt besonders für den Bereich auf der Gartenstraße. Hier gibt es nur einen schlecht einsehbaren Parkplatz, der zudem mit einer Kindertagesstätte geteilt wird. Es mangele außerdem an Parkbuchten, daher können sich „dort Autos, Busse und Fußgänger“ in die Quere kommen. Unfälle gab es, wie bei der Liebfrauenschule, bisher zum Glück nicht.

Am Städtischen Gymnasiumist man daher besorgt und froh, dass noch nichts passiert ist. Wegen möglicher Poller am Parkplatz oder einer Verkehrsberuhigung wurde bereits bei der Stadt angefragt, allerdings vergeblich. Auch hier versucht man bereits auf die Eltern zuzugehen — das Verständnis ist jedoch meist eher gering. Eine Elternhaltestelle wurde von der Stadt stattdessen empfohlen und von der Schule in Betracht gezogen, wobei es hier an fehlender Fläche liegt, um das umzusetzen, erklärt Grunewald.

Auch an anderen Schulen

„Die Verkehrssituation vor Schulen gestaltet sich oft schwierig“, sagt Michael Effenberg vom Ordnungsamt. „Der Kommunale Ordnungsdienst, also der Außendienst des Ordnungsamts der Stadt Eschweiler, führt regelmäßig und insbesondere nach Ferienzeiten Überprüfungen im Bereich der Schulen durch“, heißt es auf Nachfrage unserer Zeitung.

Zudem wurden Elternhaltestellen an der Gesamtschule Waldschule und den Grundschulen Weisweiler und Dürwiß eingerichtet. „Ob diese Angebote tatsächlich dauerhaft angenommen werden, wird noch beobachtet.“

Solange muss auch auf die Vernunft der Eltern gehofft werden — damit der Schulweg für viele Kinder sicherer wird. Seite 21