Eschweiler: Unwetter: Hehlrather bleiben auf Schaden sitzen

Eschweiler : Unwetter: Hehlrather bleiben auf Schaden sitzen

Bei diesem Wort läuten die Alarmglocken bei vielen Eschweilern: Jahrhundertereignis. Schon seit Jahren laufen regelmäßig die Keller voll, weil sich ein Regen vom Himmel ergießt, der diese Bezeichnung erhält. Besonders betroffen sind die Orte Nothberg, St. Jöris und Hehlrath.

Allerdings darf man den Begriff „Jahrhundertereignis” nicht zu wörtlich nehmen. „Das ist eine statistische Größe”, sagt Franz-Josef Hoffmann, verantwortlich für den Unternehmensbereich Gewässer beim Wasserverband Eifel-Rur. Spätestens seit dem 7. August erhält er häufiger Anrufe aus Eschweiler. Und die meisten beginnen nicht erfreulich.

„Ich kann die Menschen verstehen, aber man muss die Dinge nüchtern analysieren”, so Hoffmann. Nüchtern betrachtet, herrschte am 7. August in der Tat eine besondere Situation in Eschweiler vor. Fiel in den umliegenden Kommunen kaum ein Tropfen, so ergoss sich punktuell über die Indestadt ein Gewitterguss. 80 Liter Wasser pro Quadratmeter schlugen während des Starkregens auf. Und wieder liefen die Keller voll. Zum Einen, weil die Kanäle in den Straßen hoffnungslos überfordert waren, zum Anderen, weil auch die Gräben und Flussbette nicht mehr die Massen aufnehmen konnten.

Diesmal erwischte es auch Hehlrath stark. Vor allem Bewohner der August-Bebel-Straße mussten um ihr Hab und Gut fürchten, weil der sonst friedlich plätschernde Kambach über die Ufer trat. Auch in der Spessartstraße waren viele Häuser betroffen, denn mit dem Wasser floss Schlamm in die Keller. Viele von den Betroffenen besitzen keine Elementarversicherung, sie bleiben auf dem Schaden sitzen.

Der Gebietsingenieur des Wasserverbandes für Merz- und Kambach, Thorsten Schulze-Büssing, hat mit vielen Hehlrathern bereits gesprochen. Hoffnung konnte er kaum geben: „Die trapezförmigen Gewässergräben sind nicht für solche Ereignisse ausgelegt.” Und jetzt kommt wieder die statistische Größe, das Jahrhundertereignis, ins Spiel: Übersteigt der Regen diese errechnete Menge, dann verlassen die Flüsse und Bäche ihr Bett. Der Wasserverband ist nämlich nicht verpflichtet und erhält deswegen auch nicht das erforderliche Geld dazu, einen höheren Schutz zu bieten.

Der Merzbach, der in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder St. Jöris und Kinzweiler unter Wasser setzte, ist mit zwei Rückhaltebecken gezähmt worden. Der wesentlich kleinere Kambach hingegen richtete zum ersten Mal einen so großen Schaden an. Er mündet in einem Graben östlich von Hehlrath, der noch aus der Zeit des Tagebaus Zukunft stammt.

Der Rechen an diesem Graben sei noch wenige Tage vor dem Gewitterguss kontrolliert worden, dies geschehe einmal wöchentlich. Durch die Wassermassen verstopfte er am 7. August jedoch schnell: Nicht nur Schlamm, sondern auch Müll wie Reifen und Paletten trieb in das Gitter. Dass der nicht gemähte Grabenrand den Stau verstärkt habe, glaubt Franz-Josef Hoffmann hingegen nicht: „Das Gras legt sich flach, wenn das Wasser darüber fließt.”

Der Graben in Hehlrath wurde nun ausgebaggert, der Schlamm wird in eine Deponie gebracht. Eine weitere Schlammschlacht droht dem Wasserverband am Dienstag in Nothberg. Nach dem millionenschweren Bau des Regenrückhaltebeckens an der Eifelstraße fragen sich auch dort viele, warum der Omerbach wieder über die Ufer trat.