Eschweiler: Unterwegs mit einem Nothberger Urgestein

Eschweiler : Unterwegs mit einem Nothberger Urgestein

„An diesem schön(st)en Ort dieser Welt haben schon die Römer gebadet und sich wohlgefühlt.“ Der gebürtige Indestädter Walter Brandt ist seit seinem achten Lebensjahr Nothberger, seine Eltern erblickten sogar das Licht der Welt im südöstlichen Stadtteil Eschweilers.

Am Samstagnachmittag führte der stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstands der aus den Gemeinden St. Antonius Bergrath, St. Barbara Pumpe-Stich, St. Cäcilia Nothberg, St. Marien Röthgen und St. Wendelinus Hastenrath entstandenen Pfarrgemeinde Heilig Geist auf Bitten der Mitglieder des Initiativkreises St. Marien-aktiv Geschichtsinteressierte im Rahmen eines Historischen Spaziergangs durch seinen geliebten Heimatort, der bis 1932 selbstständig war und seit dem 15. Jahrhundert auf Grund der Verehrung der „Schmerzhaften Mutter“ unzähligen Gläubigen als Wallfahrtsort diente und dient. Dabei referierte er über die mehr als 600-jährige Geschichte Nothbergs, die alte und neue Pfarrkirche sowie die Marienverehrung. Auch auf die wechselvolle Historie der Nothberger Burg ging der Vortragende kurz ein.

„Als die Ruine der alten Kirche St. Cäcilia, deren Bau wohl im 14. Jahrhundert begonnen hatte und die seit Oktober 1904 auf Grund von Bergschäden gesperrt war, im Jahr 1972 abgerissen wurde, fand man Spuren eines romanischen Kirchenbaus, römischer Wasserleitungen und Fußbodenteile sowie eines Baderaums aus römischer Zeit“, wusste Walter Brandt seinen Zuhörern zu berichten.

Doch der Beginn der „Nothberger Zeitrechnung“ werde auf das Ende des 13. Jahrhunderts datiert, als der heutige Nothberger Hof im ältesten Verzeichnis der Kölner Erzdiözese nach seinem Besitzer Herzog Udo von Limburg als „Udelinberg“ bezeichnet worden sei. Im Jahre 1369 finde sich im Urkundenbuch des Klosters Steinfeld dann die Bezeichnung „Noytberge“, ein gutes Jahrzehnt später sei die erste Erwähnung des „Noth-Gottes-Altares“ zu verzeichnen. „Der in „Noitberge“ wohnhafte Reynart van me Kirchove kaufte eine erbliche Messe bei der geistlichen Bruderschaft des Altares zur „Notgoids“.

Die Vermutung liegt nahe, dass der Ortsname durch die Bezeichnung des Altars entstanden ist“, so der Referent, der am Samstag seine Premiere als „Fremdenführer“ in seinem Wohnort feierte. „Ich bin geschichtsinteressiert, aber kein Historiker oder Forscher. Ich erzähle, was ich aus mehr als 40-jähriger Nothberg-Erfahrung und der Lektüre von Literatur zu wissen glaube.“

Am Schreckensberg

Dazu zählte auch die Information, dass Ende des 15. Jahrhunderts Nothberg in einer Urkunde nach Walramus II. von Monschau als Walramsberg bezeichnet worden sei. Die herzogliche Kanzlei habe den hiesigen Ort auf den Namen Noithbergh, beziehungsweise Fresenbergh getauft, wobei das mittelhochdeutsche Wort „frese“ mit Not, Schrecken, Drangsal zu übersetzen sei. „Im Ort gibt es heute noch einen steilen Anstieg zwischen Unter- und Oberdorf mit dem Straßennamen „Am Fresenberg“. Als Flurname ist Fresenberg bereits 1630 belegt“, erläuterte Walter Brandt, der seine Gruppe über die Zwischenziele Udelinberg und Nothberger Hof in Richtung des Standorts der alten Kirche St. Cäcilia mit dem Gnadenbild führte, das am 22. Dezember 1907 „unter großer Anteilnahme der Bevölkerung“ von der alten in die neue Kirche, deren Einsegnung zehn Tage zuvor erfolgt war, überführt wurde.

Auch der Weg der Hobbyhistoriker führte am Samstagnachmittag in die neue Pfarrkirche St. Cäcilia, deren Bau wegen der Bergschäden an der alten Kirche nötig geworden war. Doch auch die neugotische dreischiffige Basilika mit dem 60 Meter hohen Turm im Norden sei beinahe einem ähnlichen Schicksal anheim gefallen: Denn bereits 1923 hätten sich auch an ihr von Bergschäden verursachte Risse gezeigt, die im August 1925 zur vorläufigen und im Februar 1926 zur endgültigen Schließung geführt hätten. „Da der Turm ohne Schäden war, konnte das Gnadenbild dort aufgestellt werden. Die Gottesdienste fanden wieder in einem Teil der alten Pfarrkirche statt, die inzwischen mit einer Bühne ausgestattet worden war und deren Chorraum für Jugend- und Vereinsarbeit genutzt wurde“, berichtete Walter Brandt.

Im Herbst 1928, nach langen Verhandlungen mit dem Eschweiler Bergwerks-Verein, der die Restauration bezahlte, seien die Reparaturarbeiten abgeschlossen gewesen, so dass am 5. Mai 1929 die Wiedereröffnung mit dem ersten Gottesdienst gefeiert werden konnte. Vier Monate später habe dann mit Pfarrer Josef Krings, „ein Bauernsohn von Schrot und Korn“, seine Arbeit aufgenommen, der bis zu seinem Tod im Jahr 1966 wirkte und im Wallfahrtsort Nothberg tiefe Spuren hinterlassen habe.

(ran)
Mehr von Aachener Nachrichten