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Bergrather Geschichte und Geschichten: „Unser Dorf hat Zukunft“ als Startschuss

Bergrather Geschichte und Geschichten : „Unser Dorf hat Zukunft“ als Startschuss

Im nächsten Teil unserer Serie über die Arbeitskreise des Eschweiler Geschichtsvereins geht es um die „Stadtteilforschung Bergrath“.

Die Initialzündung war der Blick nach vorne: „Unser Dorf hat Zukunft" lautet der Name des auch heute noch ausgerichteten Wettbewerbs, bei dem im Jahr 2008 auf Initiative einiger Bürger auch der indestädtische Stadtteil Bergrath den Hut in den Ring warf. Doch ohne Ursprung und Werdegang ist Zukunft nicht denkbar. Und so fanden am 5. November 2009 auf Anregung von Günter Winden und Peter Gartzen 15 Bergrather mit dem Ziel zusammen, Strukturen zu schaffen, um sich der Historie ihres Heimatortes widmen zu können.

Bereits einen Tag später wurde ein Aufnahmeantrag in Richtung des Eschweiler Geschichtsvereins (EGV) gesandt, dem der Vorstand des größten kulturschaffenden Vereins der Indestadt während seiner Sitzung am 17. November 2009 einhellig zustimmte. Am 28. Januar 2010 folgte dann im Rahmen des zweiten Treffens unter dem Namen „Stadtteilforschung Bergrath“ die Gründung des Arbeitskreises 10 des EGV, zu dessen erstem Leiter Günter Winden bestimmt wurde.

„Seitdem existiert erstmals ein Bergrather Verein, der sich umfassend mit der Erforschung und Darstellung der Ortsteilgeschichte befasst und diese somit auch für kommende Generationen bewahrt“, erklärt Werner Weidenhaupt, der seit Dezember des vergangenen Jahres die Leitung des Arbeitskreises innehat. Während der regelmäßigen Treffen der Mitstreiter seien zunächst Bilder, Fotos und alte Zeichnungen ausgetauscht und besprochen sowie bereits vorhandene Geschichtsquellen aus Archiven, Büchern sowie Vereinsdokumentationen durchforstet worden.

Große Momente im März 1928: Vor nunmehr 92 Jahren wurden die Antoniusglocke (Mitte; 1385 Kilogramm), die Heinrichglocke (links; 815 Kilogramm) und die Marienglocke (rechts, 580 Kilogramm) in die Bergrather Pfarrkirche St. Antonius eingebaut. Foto: Eschweiler Geschichtsverein

„Nicht zuletzt die fünf Bände über Eschweiler und Umgebung des Bergrather Pfarrers und Heimatforschers Heinrich-Hubert Koch (1835 bis 1917) bildeten die Grundlage für zahlreiche Gespräche. Ohne diese gedruckten Überlieferungen wären heute viele Einzelheiten der örtlichen Geschichte vergessen und der Inhalt so mancher Urkunde nicht mehr bekannt“, unterstreicht Werner Weidenhaupt und verweist darauf, dass auf Vorschlag der Arbeitskreismitglieder dem verdienten Bergrather Bürger ein kleines Denkmal errichtet wurde, schließlich lautet seit August 2014 der Name des Verbindungswegs zwischen Heibachstraße und Friedhof „Heinrich-Hubert-Koch-Weg“.

Die Forschungsergebnisse des Arbeitskreises erwiesen sich schnell als so ergiebig und interessant, dass die Idee zu einem „Großprojekt“ in Form eines Heimatbuches entstand. Sechs Jahre intensiver Arbeit unter der Federführung von Günter Winden und Peter Gartzen folgten, bis im Jahr 2016 das Projekt als vollendet angesehen und das Buch „Bergrather Geschichte und Geschichten“ herausgegeben werden konnte. „Auf 235 Seiten mit zahlreichen Fotos kann der Leser anschaulich die Bergrather Geschichte nachvollziehen und dabei durchaus auch erstaunliches erfahren. Etwa die große Zahl der Künstler, die der Ortsteil hervorgebracht hat, darunter die Maler Josef Artz, Heinrich Adams, Michael Uth, Wolfgang Drebing, Peter Jordans und Helmut Conrads sowie der Musiker Erwin Görres“, so der aktuelle AK-Leiter, der vor gut vier Monaten die Nachfolge von Peter Gartzen antrat, der seinerseits im Januar 2017 Günter Winden beerbt hatte.

Auf den Spuren des Südostens der Indestadt: Der Arbeitskreis „Stadtteilforschung Bergrath“ des Eschweiler Geschichtsvereins mit den ehemaligen Leitern Günter Winden (mittlere Reihe, 3. v. r.) und Peter Gartzen (mittlere Reihe, 2. v. r.) sowie mit dem aktuellen Leiter Werner Weidenhaupt (hintere Reihe, 2. v. r.), der das Amt seit Dezember 2019 innehat. Foto: Joachim Reisgen

„Erfolgreiche Jahre liegen hinter dem Arbeitskreis ‚Stadtteilforschung Bergrath’. Zu den Aktivitäten zählten auch eine Ortsführung durch alte Bergrather Straßen, die im Juni 2013 zahlreiche Teilnehmer anlockte. Ein Jahr später initiierte der Arbeitskreis eine Besichtigung der Pfarrkirche St. Antonius, während der Günter Winden anhand alter Zeichnungen und Fotos den Bau sowie die Entwicklung des Gotteshauses skizzierte“, nennt Werner Weidenhaupt weitere Eckdaten. Ebenso sei auf Vorschlag des Arbeitskreises eine Straße im Neubaugebiet Weierstraße mit der Bezeichnung „Am Jordanshof“ benannt worden.

Momentan bestehe der Arbeitskreis aus 16 Personen, die etwa alle drei Monate im Vereinsheim der ESG Tennis zusammenkommen, um sich intensiv mit der Historie des einstigen Bauerndorfs, das inzwischen rund 5500 Einwohner zählt und dessen wirtschaftliche Entwicklung um 1840 mit dem Bau der Eisenbahnlinie Aachen – Köln sowie der Erschließung der Steinkohlengrube Reserve in Nothberg begann, zu beschäftigen. „Selbstverständlich ist der Arbeitskreis offen für alle Menschen, die sich unserer Gruppe anschließen möchten. Wir freuen uns über jeden neuen Mitstreiter“, macht Werner Weidenhaupt deutlich. „Unser Buch ‚Bergrather Geschichte und Geschichten’ ist nach wie vor im Buchhandel und bei uns erhältlich“, wirbt er.

Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.eschweilergeschichtsverein.de oder bei Werner Weidenhaupt unter Telefon 02403/801280 sowie unter der E-Mail-Adresse werner-weidenhaupt@t-online.de.