Eschweiler: Ungar Gabor Zsigmondi seit 30 Jahren auf Pilgerreise

Eschweiler: Ungar Gabor Zsigmondi seit 30 Jahren auf Pilgerreise

Seine Erinnerungen steckt er in kleine, glänzende Bücher: Fotos, Zeitungsausschnitte, Stempel und Visitenkarten aus unterschiedlichen Städten wie Pisa, Memmingen, Rom, Lourdes und Eschweiler.

Seit fast 30 Jahren pilgert der Ungar Gabor Zsigmondi durch Europa. Fast 200.000 Kilometer legte er in dieser Zeit zurück, die meisten davon im Fahrradsattel. Inzwischen nutzt er hauptsächlich Bahn und Bus, denn nach einem Unfall wandert er am Pilgerstock durchs Leben.

Das Hüftleiden lässt ihn jedoch nicht sesshaft werden. Der 61-Jährige setzt seine Reise fort - „auf der Suche nach Gott”, wie er selbst sagt. So begann seine Odyssee mit einer Pilgerfahrt nach Rom vor 30 Jahren. Assissi, Lourdes und Santiago de Compostela waren anschließend seine Stationen. Meistens übernachtet er in Klöster oder bei Geistlichen.

In Eschweiler nahmen sich vor zwei Jahren die Pfarre St. Peter und Paul und die Evangelische Kirchengemeinde des Reisenden an. Doch die Suche nach einer Unterkunft gestaltet sich immer schwieriger. „Wo ist die Humanität geblieben? Seitdem ich mit dem Stock unterwegs bin, werde ich meistens abgewiesen - das war früher anders”, berichtet er.

Wenn er erzählt, dann mischen sich die Sprachen. Nach eigenen Angaben versteht er neben seiner Muttersprache Ungarisch auch Deutsch, Französisch und Italienisch.

Sein ganzes Hab und Gutzieht er hinter sich her. In einem 60 Kilogramm schweren Rollkoffer. Doch das Wertvollste trägt er in einer kleinen Tasche an seinem Körper: die in schrillen Farben eingepackten und mit Klarsichtfolie geschützten Erinnerungen. Und natürlich den Pilgerpass.

Der misst inzwischen fast drei Meter und wird in den nächsten Monaten noch weiter wachsen, denn Gabor Zsigmondi ist noch lange nicht am Ende seiner Reise angelangt. Im Gegenteil, denn die Dauerwallfahrt stärke ihn in seinem Glauben, sagt er. „Dies ist nie so endgültig, dass die Pilgertfahrt zu Ende wäre.”