Eschweiler: Trotz fehlender Zuschüsse: Schließung der Kirchen kein Thema

Eschweiler: Trotz fehlender Zuschüsse: Schließung der Kirchen kein Thema

Das ganz große Echo ist (noch) ausgeblieben. Die Pfarre St. Peter und Paul hat die Gemeindemitglieder in der vorigen Woche erst in einer Versammlung und dann über den Pfarrbrief informiert, wie das Kirchliche Immobilienmanagement (KIM) künftig aussieht.

Das Ergebnis: Nicht mehr aus Bistumsmittel gefördert werden künftig das Pfarr- und Jugendheim St. Antonius Röhe sowie die Kirchen St. Michael und Herz-Jesu. Auch in der Gemeinschaft der Gemeinden Eschweiler-Nord sind die Entscheidungen gefallen: Die Kirchen in Neu-Lohn, Kinzweiler und Hücheln müssen ohne finanzielle Unterstützung des Bistums auskommen.

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Beide Prozesse waren zäh und nahmen viele Monate in Anspruch. Die Pfarre Heilig-Geist im Süden steht noch am Anfang dieses Weges. Die mit 12.500 Katholiken größte Gemeinde Eschweilers, die aus den fünf Pfarreien St. Cäcilia Nothberg, St. Antonius Bergrath, St. Barbara Pumpe-Stich, St. Marien Röthgen und St. Wendelinus Hastenrath entstanden ist, muss noch einen KIM-Ausschuss bilden. „Wir wissen, dass dieses Schwert über uns schwebt“, sagt der Pastor Hannokarl Weishaupt, der vor einigen Monaten sein Amt dort antrat. Er wisse jetzt noch nicht, wohin die Reise gehe.

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Fest steht, dass das Bistum Aachen alle Gemeinschaften von Gemeinden (GdG) verpflichtet hat, ein KIM-Konzept zu erstellen, bei dem jede GdG mit 33 Prozent weniger Zuschüssen des Bistums auskommen soll. Kitas zählen nicht dazu. Wie schwierig diese Entscheidung ist, zeigt das Beispiel der Gemeinschaft in Nord. Dort standen drei Modelle zur Diskussion mit dem Ziel, jährlich 58.000 Euro einzusparen. Letztlich fand sich eine Mehrheit dafür, die Kirchen in Kinzweiler, Neu-Lohn und Hücheln auf die sogenannte „rote Liste“ zu setzen. „Dies fällt mir schwer, denn ich bin schließlich Pastor in Neu-Lohn und in Hücheln“, sagt der Sprecher der GdG Nord, Josef Wienand. Dort sollen Fonds gebildet werden, um die Gotteshäuser zu erhalten. An die Schließung einer Kirche im Norden denkt aktuell niemand. Im Gegenteil: „In allen Kirchen werden nach wie vor weiterhin Messen zelebriert.“

In St. Peter und Paul plant man einen anderen Weg. Für die drei betroffenen Gebäude werden Kooperationspartner gesucht, die die Gebäude künftig nutzen wollen. Natürlich werde genau beobachtet, was dort geschehen soll. Eine eigene Trägerschaft schließe man aus, so Bernd Telschow vom Kirchenvorstand. Es gibt in Deutschland bereits etliche Beispiele für Kirchenumnutzungen. So gibt es welche, in denen Bibliotheken entstanden sind oder auch welche, die jetzt als Kita genutzt werden. „Ökumene, Behindertenarbeit, der Mehrgenerationengedanke“, nennt Dr. Andreas Frick als Beispiele. Eine Grabeskirche sei ebenso denkbar wie eine Konzerthalle (die Akustik in der Kirche Herz-Jesu wird oft als hervorragend beschrieben) und Versammlungsräume.

Beim Jugendheim Röhe sind Kirchenvorstand und GdG-Rat zuversichtlich, eine Lösung zu finden. Es sei natürlich eine große Herausforderung. Im Unterhalt ist das Jugendheim in Röhe deutlich günstiger als die Kirchen, etwa, weil nicht so viele Hausmeisterdienste anfallen. „In einem Dorf ist es oft einfacher, als in der Stadt“, fügt Pfarrer Christoph Graaff hinzu. Das Zusammengehörigkeitsgefühl sei oft größer.

Generalvikar Manfred van Holtum hat kürzlich gesagt: „Wir wollen in Menschen investieren, nicht in Steine.“ Das sehen auch die Vertreter der Eschweiler Kirche so. Dazu passt auch die Begleitung der Gruppen, die, wenn es Herz-Jesu und St. Michael als Kirchen nicht mehr gibt, natürlich nach Möglichkeit mit der Pfarre verbunden bleiben sollen. So findet alle zwei Monate die Kinderkirche in St. Michael statt. Dafür werden nun Alternativen gesucht. Ähnlich für die Seniorennachmittage in St. Michael und in Herz-Jesu. Die Lösungen sollen dabei mit den Gemeindemitgliedern erarbeitet werden.

Um älteren und gehbehinderten Menschen einen Kirchenbesuch zu ermöglichen, müsse man auch über andere Gottesdienstzeiten und die Organisation eines Fahrservices nachdenken, so Christoph Graaff. Auch die Gemeindemitglieder seien verstärkt in der Pflicht. Kann ich jemanden im Auto mit zur Messe nehmen? Ist in der Nachbarschaft jemand krank? Solche Fragen könne sich jedes Gemeindemitglied stellen. Denn wo der Gläubige nicht zur Kirche kommen könne, könne die Kirche ja zum Gläubigen kommen. Es sei ein bisschen so wie im Sport, sagte Dr. Andreas Frick. Dort könne man als Verein auch nicht auf die Kinder warten, sondern man müsse auf sie zugehen. Die Verantwortlichen glauben, das sie den „richtigen Dreh“ in vielen Fragen gefunden haben. „Uns ist klar geworden, dass wir in St. Peter und Paul zentral arbeiten können, um dezentral bis in die hintersten Straßen unserer Gemeinde ausstrahlen zu können“, meint Dr. Frick.

Im Norden stellt sich die Lage anders dar. Immerhin dürfte die Pfarre St. Georg in St. Jöris aufatmen, dass ihre Kirche nicht auf die „rote Liste“ gesetzt wurde, denn in diesem Jahr wird das Dach saniert. Kosten: 166.000 Euro. Etwa 100.000 Euro steuert das Bistum zu der Sanierung dazu. Das restliche Geld muss die Gemeinde selbst aus ihrem Gebäudefonds, der vom Bistum vorgeschrieben ist, und aus Eigenmitteln finanzieren.