Tres Hombres spielen im "Gürz"

Rhythm & Blues : „Blues und Rock mit Augenzwinkern“

Wenn der Marktplatz das „Wohnzimmer der Stadt“ ist, dann mag der „Kleine Gürzenich“ mit hoher Wahrscheinlichkeit das passende Sofa dazu sein. Die Traditionsgaststätte in der Schnellengasse besitzt seit Generationen das Flair der urgemütlichen Eckkneipe schlechthin.

Gürz-Chef Thorsten Zappey ist bekannt dafür, ganz bewusst ein musikalisches Rahmenprogramm mit Bands zu pflegen, die ansonsten nur schwer eine Chance zum Auftritt erhielten. Das gilt für alle Stilrichtungen, für Nachwuchs-Formationen wie auch für die verdienten Heroen der regionalen Szene. Am Samstagabend war es wieder einmal Zeit für eine Rhythm-&-Blues-Combo, die als Tres Hombres bekannt ist.

Heinz Robertz (Gitarre & Gesang), Hans Fischer (Schlagzeug) und Bassist Christoph Ortner sind sprichwörtlich Haudegen der ersten Stunde, die schon Musik machten, als die Bezeichnung „Beat“ noch bekannt und gültig war. „Blues und Rock mit Augenzwinkern“, nennt Heinz Robertz das Repertoire des Trios. Und was die Herren am Samstagabend in die Gehörgänge des leider nur dünn besetzten Publikums schickten, das war schon mehr als ein Augenzwinkern. Zunächst mal sollten die Tres Hombres einen Sonderpreis für ihr abwechslungsreiches Programm erhalten.

Welche anderen Musiker, mit Ausnahme vielleicht von Peter Sonntag, trauen sich überhaupt, Stücke wie den Säbeltanz von Aram Chatschaturian live zu bringen? Der kaukasische Hochgeschwindigkeits-Volksmusik-Klassiker hörte sich von den Tres Hombres intoniert jedenfalls sehr lebendig an. Genauso wie die Erkennungsmelodie des TV-Klassikers Tatort, dem die Herren ein frisches akustisches Blues-Gewand verliehen.

Wer das „Heideröslein“ aus der Feder von Goethe und Schubert mit „Whole lotta Rosie“ von AC/DC verschmelzt, der beweist, das Humor und Musik wirklich eine schlagende Verbindung eingehen können. Ob Klassiker von Hendrix, den Rolling Stones oder Peter Green: die „Drei Männer“ wissen nicht nur, was sie tun, sie machen das auch noch mit großer Leidenschaft.

Und vor allem auch für ein noch so winziges Publikum. Im räumlich sowieso nicht gerade üppigen Gürzenich entwickelte sich nach wenigen Stücken bereits eine Atmosphäre, als ob man bei den Tres Hombres daheim im Wohnzimmer zu einem Privatkonzert geladen war. Das ist noch eine Spur intimer als bei den „Blues meets Rock“-Konzerten im Rio nebenan. Ehrlich: Diese Form von musikalischer Authentizität entwickelt sich selten in einer Halle vor mehreren tausend Fans.

Ein Phänomen für sich stellt dabei Drummer Hans Fischer dar. Der Mann, der demnächst seinen 75. Geburtstag feiern wird, benutzt sein Schlagzeug-Set wie eine Verjüngungs-Maschine. Hinter den Trommeln entwickelt Fischer eine Dynamik, die ihn gleich 20 Jahre jünger wirken lässt. Sein Solo innerhalb eines alten Santana-Hits wäre allein schon das Eintrittsgeld wert gewesen, wenn welches verlangt worden wäre.

Hans Fischer hat unter anderem auch schon im Hamburger Starclub gespielt und bei der WDR-Bigband von Kurt Edelhagen. Unterm Strich sind Orthner, Fischer und Robertz ein Trio mit hohem Unterhaltungswert. Da geht es nicht um die perfekte Notierung, verkrampfte Fehlervermeidung oder Stilreinheit wie bei anderen Bands. Hans Robertz spricht auch gerne vom „Evangeliums-Blues“ gewisser Musik-Dogmatiker.

Nein, sowas machen die Tres Hombres nicht. Vielmehr sind die Hombres einfach ein absolut erdiges Trio mit ansteckender, unglaublicher Spielfreude, die man ruhig mal gesehen und erlebt haben sollte. Noch immer geistert in der Musikszene die unsägliche Mär von der „handgemachten Musik“ umher. Tres Hombres machen keine handgemachte Musik, sondern Herzgemachte.

(psi)
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