„Too Good To Go“: Bei Moss und Real in Eschweiler Lebensmittel retten

Moss und Real nehmen bei „Too Good To Go“ teil : Mit einem Wisch Lebensmittel vor der Tonne retten

Es ist exakt 18.15 Uhr, als John Loske die Bäckerei Moss an der Grabenstraße betritt. Die Auslage ist zwar schon leer, auf der Theke liegen aber zahlreiche bereits gepackte Tüten. In der Hand hält Loske sein Handy, auf dem die App „Too Good To Go“ geöffnet ist.

Ein kurzer Wisch auf dem Display von der Mitarbeiterin hinter der Theke, schon hält Loske prall gefüllte Tüten mit Backwaren in der Hand. Bezahlt hat er dafür nur einen kleinen Betrag, denn er hat gerade Lebensmittel vor der Mülltonne gerettet.

Wie das funktioniert? Seit einer Woche beteiligt sich die Moss-Filiale an der Grabenstraße bei der Aktion „Too Good To Go“ (deutsch: „Zu gut, um zu gehen“). Damit werden Lebensmittel, die sonst weggeworfen werden müssten, zu einem vergünstigten Preis angeboten. Das passiert über eine App. Die nutzt auch John Loske seit einem halben Jahr.

„Ich hole mir regelmäßig über die App etwas zu Essen, zweimal in der Woche kaufe ich zum Beispiel Obst und Gemüse beim Real“, erzählt er. Damit kommt er für die Woche aus. Der Realmarkt in Eschweiler ist seit Januar dabei, Moss ist nun nachgezogen. Zurzeit sind diese beiden Filialen die einzigen in Eschweiler. Deshalb hat Loske sich auch schon in Aachen Lebensmittel gekauft. „Ich war immer sehr zufrieden und musste auch noch nie etwas wegwerfen, weil es nicht mehr gut war.“

Das bekommt man zum Beispiel für 3,50 Euro: Ein großes Brot sowie Brötchen und etwas Süßes. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Nachhaltigkeit ist für den 24-Jährigen ein wichtiges Thema. Bekannte hatten ihm von der App erzählt, Loske hat sie ausprobiert – und war sofort begeistert. „Es ist super, dass die Waren nicht weggeworfen werden, und das Preis-Leistungs-Vehältnis ist auch top“, sagt er. Für einen hohen Warenwert zahle man nur einen kleinen Preis. An den Tüten von Moss schätzt er vor allem die Abwechslung.

Denn die Kunden wissen nie, was in ihrer Tüte landet – schließlich kommt nur das rein, was vorher nicht verkauft wurde. Und das ist eben jeden Tag etwas anderes. „Wir versuchen aber schon immer, einen guten Mix hinzukriegen“, erzählt Mitarbeiterin Celina Ortmans. Brot und Brötchen, etwas Süßes und mal Kuchen oder ein Snack landen so in einer Tüte. Der Warenwert beträgt zwischen neun und zehn Euro, bezahlt werden über die App 3,50 Euro. Zurzeit packen die Mitarbeiter in der Grabenstraße fünf Pakete pro Tag.

„Wir befinden uns gerade noch in der Testphase, aber die Pakete sind von Beginn an immer am Vortag schon ausgebucht gewesen“, berichtet Ortmans. Deshalb hat sie sich schon an Fee Damm gewandt. Damm leitet die Verwaltung bei Moss und ist für den administrativen Teil von „Too Good To Go“ verantwortlich. Wenn die Nachfrage so hoch ist, gibt es laut Damm die Möglichkeit, die Anzahl der Pakete aufzustocken.

Solange noch Ware da sei, werde das wohl künftig in der Eschweiler Filiale passieren. Aber „Wir werden nicht an den Punkt kommen, an dem wir Filialen extra für Too Good To Go beliefern. Das wäre ja kontraproduktiv“, sagt Damm. Wenn am Ende des Tages alles verkauft sei, hätten die Mitarbeiter ja alles richtig gemacht.

Weitere Filialen wie die am Langwahn und in Hastenrath zu beteiligen, kann sich Damm hingegen schon vorstellen: „Wir sind überzeugt davon, dass das eine absolut sinnvolle Sache ist. Auf lange Sicht spricht nichts dagegen, alle Filialen einzubeziehen.“ Es sei aber ein zusätzlicher Aufwand für die Mitarbeiter, weshalb die Ausweitung nach und nach erfolge. Momentan nehmen 21 Filialen rund um Aachen an der Aktion teil.

Darüber freut sich auch Marco Ohligschläger, der kurz nach John Loske sein Paket abholt. Fünf kleine Tüten hat er bekommen. „Es ist schon ein bisschen Nervenkitzel“, sagt er lachend. Der Eschweiler, der die App bisher nur in Aachen genutzt hat, freut sich, dass er nun auch in seiner Heimatstadt etwas gegen Lebensmittelverschwendung tun kann. Denn immer in die große Nachbarstadt zu fahren, sei ja auch nicht gut für die Umwelt. „Ich könnte mir auch vorstellen, dass Obst- und Gemüsehändler oder Metzgereien sich an der Aktion beteiligen“, sagt er.

Marco Ohligschläger mit seiner „Beute“: Das alles hat er vor dem Müll bewahrt. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Bisher war er mit seiner Auswahl immer rundum zufrieden, auch wenn er selbst laktoseintolerant ist. Die Mitarbeiter können natürlich nicht darauf achten, welche Lebensmittel die Kunden nicht vertragen. Das versteht Ohligschläger aber. „Ein Nachteil ist manchmal aber das recht kleine Zeitfenster, in dem man die Ware abholen kann“, findet er.

Bei Moss ist das besagte Zeitfenster relativ kurz: zwischen 18.15 Uhr und 18.30 Uhr müssen die Kunden vorbeikommen. Das liegt daran, dass erst kurz vor Feierabend absehbar ist, was übrig bleibt.

Etwas anders geregelt ist das beim Realmarkt. Dort können Kunden sich Obst und Gemüse holen. Geschäftsleiter Ralf Kischnick erklärt, wie das funktioniert: „Morgens wird die Ware kontrolliert. Was nicht mehr verkaufsfähig, aber noch in Ordnung ist, wandert in die Tüte für ‚Too Good To Go’.“ Ein Beispiel sei ein Netz mit Zitronen, in dem eine nicht mehr so gut aussehe. Das Netz kann man nicht mehr im freien Verkauf anbieten, die restlichen Zitronen können in der Tüte aber noch angeboten werden.

Die Obst- und Gemüseabteilung im real-Markt ist auch Teil von "Too Good To Go" in Eschweiler. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Nachdem die Tüten morgens fertig gepackt wurden, wandern sie ins Kühlhaus, wo sie bis zum Nachmittag gelagert werden. Ab 16 Uhr können die Kunden sie dann am Service-Schalter abholen, das sei am einfachsten und ohne großen Aufwand. „Die meisten kommen auch immer direkt zu Beginn, ich habe noch nie erlebt, dass eine Tüte übrig geblieben ist“, berichtet Kirschnick.

Auch beim Real sind die fünf Tüten jeden Tag ausgebucht. Ähnlich wie bei Moss wird das Kontingent aber nach der Nachfrage im normalen Verkauf gestaltet. „Wir werden nicht mehr einkaufen, um mehr Tüten über ‚Too Good To Go’ anzubieten“, betont Kirschnick.

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