Eschweiler: Tolle Tage an der See trotz Ebbe in der Kasse

Eschweiler: Tolle Tage an der See trotz Ebbe in der Kasse

Das Thema beschäftigt ihn. An diesem Vormittag blättert Winand Schönchens durch den „Armutsatlas” des Paritätischen Gesamtverbandes. Vor wenigen Wochen liefen die erschreckenden Zahlen auf allen Fernsehkanälen rauf und runter. Winand Schönchens hat lieber etwas Greifbares in der Hand.

„So kann ich vor- und zurückblättern”, sagt er lapidar. Was er auf den Seiten des Armutsatlases findet, bestätigt seine persönlich gemachten Erfahrungen: Gerade kinderreiche Familien sind die Verlierer unserer Gesellschaft.

Der Kelch geht auch an Eschweiler und der Region nicht vorbei. Als Vorsitzender des Ferienwerks Weisweiler merkt Winand Schönchens dies in der tagtäglichen ehrenamtlichen Arbeit. Daher hat sich der Vorstand des gemeinnützigen Vereins Ende letzten Jahres dazu entschieden, neben den kommunalen Zuschüssen und denen durch den Stadtjugendring eine eigene familienfreundliche Bezuschussung zu organisieren. Dass Nachfrage nach wie vor besteht, war für Winand Schönchens und sein Team keine Überraschung, wie viele aber letztlich den „Geschwisterrabatt” für die diesjährige Feriensaison in Anspruch nahmen, verblüffte alle.

Eine ganze Menge sei da zusammengekommen, sagt Schönchens und nennt Zahlen: „Wir stecken in unser Zuschuss-Angebot 5000 bis 6000 Euro rein.” Gerechnet hatte man mit maximal 3000 bis 4000 Euro.

Wie genau funktioniert der Familientarif des Ferienwerks? „Ab dem zweiten unterhaltsberechtigten Kind geben wir einer Familie für jedes weitere 25 Euro Zuschuss auf die Reisekosten.” Das heißt, wenn ein Kind mitfährt, dass noch drei weitere Geschwister hat, erhält die Familie unterstützend 75 Euro.

„Wir gehen damit bewusst ein Risiko ein”, weiß Schönchens, der seit über 25 Jahren den Vorsitz des Ferienwerks innehat. „Dabei setzen wir natürlich auf die Ehrlichkeit der Leute.” Auf dem Anmeldevordruck tragen die Eltern ein, wie viele Kinder in der Familie leben. Überprüfen kann und darf das Ferienwerk Weisweiler die Angaben nicht. Daraus ergibt sich dann automatisch der mögliche Zuschuss. „Und es sind viele, die auf unser Angebot zurückgreifen”, blickt Schönchens auf die Anmeldelisten.

Seit Jahrzehnten reisen im Sommer von Weisweiler aus große Kinder- und Jugendgruppen auf die schöne westfriesische Insel Ameland. Mütter und Väter, die vor 20 oder 30 Jahren selbst mitfuhren, schicken heute ihre Sprösslinge zu spannenden und ereignisreichen Tagen auf die Insel in der Nordsee. Und das soll auch so bleiben, trotz knapper Familienkassen. Wirtschaftskrise, Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit - wenn das Geld nicht mehr fließt, sind kinderreiche Familien besonders betroffen. Hier setzt Winand Schönchens an: „Wir wollen den Leuten entgegenkommen und uns als Ferienwerk sozial engagieren.” So stehe es schließlich auch in der Satzung. Sozial schwachen Teilnehmern soll möglichst ein Zuschuss zu den Ferienmaßnahmen aus Vereinsmitteln gewährt werden.

„Die Tendenz zeigt: Das Geld wird knapper, besonders bei Familien mit mehreren Kindern. Daher haben wir uns auch dazu entschlossen, Familien in den Vordergrund zu setzen, und nicht den einzelnen Teilnehmer”, erklärt Schönchens den Familienzuschuss, der die finanziellen Hilfen der Kommunen ergänzt. „Und zwar nicht nur für Eschweiler Kinder, sondern für alle aus der Region, die an unseren Ferienfahrten teilnehmen.”

Das Angebot soll weiterlaufen. Denn es gebe nichts Schöneres, als Kindern ein paar unbeschwerte Tage zu ermöglichen. Auf Ameland, wo viele Eltern Kindheitserinnerungen sammelten. (sh)

„Jeder kann mitfahren, nicht nur Mitglieder!”

Insgesamt 140 Kinder und Jugendliche fahren in den Sommerferien mit dem Ferienwerk Weisweiler nach Ameland. Erstmals sind beide Gruppen (eine fährt 14, die andere 18 Tage) zeitgleich auf dem Eiland. Auch Winand Schönchens reist vom 23. Juli bis zum 8. August wieder mit.

Etwa 50 Mann (und Frau) umfasst das engagierte Betreuerteam während der Ameland-Fahrt, inklusive Küchenpersonal. „Wie jedes Jahr sind wir wieder ausgebucht”, hat der Ferienwerk-Vorsitzende sogar noch einige Kinder auf der Warteliste.



Das Ferienwerk finanziert sich vornehmlich aus Spenden und den Beiträgen der circa 500 Mitgliederfamilien (Jahresbeitrag pro Familie: zwölf Euro). „Bei uns kann aber natürlich jeder mitfahren, nicht nur Ferienwerk-Mitglieder”, sagt Schönchens. Allerdings erst im nächsten Jahr wieder.

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