Comedy im Talbahnhof: Sybille Bullatschek trägt die Freude der „Pfläge“ in die Welt

Comedy im Talbahnhof : Sybille Bullatschek trägt die Freude der „Pfläge“ in die Welt

Sybille Bullatschek aus Pfleidelsheim hat ein Anliegen, nämlich die Freude der „Pfläge“ in die Welt zu tragen. Einer Stewardess gleich, die Flugreisende in den Urlaub begleiten, startete sie im Talbahnhof ihre Kampagne für die „Superhelden mit dem Hagebuttentee“ im Seniorenwohnheim „Sonnenuntergang“.

Das Image soll verbessert werden, denn nach achtmal Auszeichnung „Goldene Bettpfanne“ war ihnen der Preis im letzten Jahr verwehrt worden. Und da kommt der Rap „Komm in die Pfläge!“ gerade recht.

Auch sonst hat die Kabarettistin viel Neues im Gepäck. Asbest war im Nord-Corega-Trakt aufgetreten, so dass die Bewohner in den Süd-Corega Teil des Hauses umziehen mussten, was eine Zweier- und Viererbelegung zur Folge hatte und Krieg zwischen den Bewohnerinnen auslöste. Otterle, der Chef, hatte natürlich keine Ahnung davon, weil er auf Fortbildung war.

Die Powerpflegerin Bullatschek aus dem Schwabenland überzeugte in jeder Hinsicht. Schon beim Betreten der Bühne hatte sie viel Präsenz, war in jedem Moment konzentriert und nahm gleich eine intensive Verbindung mit dem Publikum auf. Dass die besten Ideen aus dem Alltag kommen, erklärte sie an einem Beispiel aus der Waldorfschule, wo die Kinder nach Namen tanzen. Sie hatte dies auch im Haus „Sonnenuntergang“ eingeführt, allerdings mit den Telefonnummern statt Namen.

Weitere sportliche Übungen probierte sie gemeinsam mit den Besuchern aus. Nach dem Einnehmen der Enkelposition warf sie einen roten Ball in die Runde. Derjenige, der ihn fing, musste seinen Namen nennen und den Satz sprechen „Ich freue mich wie Sau“ und dann zurückwerfen. Das ging einige Male hin und her und verursachte auf beiden Seiten viel Spaß.

Sportliche Übungen in der Show

Im Sommer hatten sie im Haus mit den Senioren viel Arbeit wegen der Hitze. Das Runterkühlen sollte mit Crushed Ice gehen, doch die Besorgung gestaltete sich schwierig. Tanja Biberer, die bei Harry und Sally das Friseurhandwerk gelernt hatte, befasste sich mit den „datschigen“ Haaren im Haus, während ihr Freund für die Tattoos zuständig war. Damit alle „Pflägekräfte“ gut aussehen und fit sind, gab es vom Chef ein Gratisabo für das Fitnesstudio. Ein erster Check-up führte auf die Waage, dann ging’s zum „Activity Field“ für Bauch, Beine, Po. Nach den „Crunches“ für die Bikini-Figur war es das „Zumba“.

 „Pflägerin“ Sybille war überzeugt, dass der Sport nur in Verbindung mit dem Beruf zu machen sei und führte die „Pflägegrätsche“ mit Wippen“ vor, zeigte wie der Rollator-Mover geht, bewerkstelligte den Nachtdienst auf Gleitern und suchte zur Kräftigung der Bauchmuskeln auf dem Boden nach dem Gebiss. Beim Frühlingsfest war es Yuri aus Kasachstan, der die Bewohnerinnen in einem Präventionstraining vor Dieben aufklären sollte.

Besonders der „Taschendiebsong“ hatte seinen Reiz. Ideenreich gestaltete Bullatschek die weitere Imagekampagne mit dem „Head of Pfläge“, dem Senior Assistant Manager und der Raumoptimiererin.

Aber auch traurige Momente hatten ihren Platz, und da war Pater Pius gefordert, der den Mitbewohner (einen Hamster) von Frau Häfele zu verabschieden hatte. Sybilles Herz für alte Menschen war riesengroß und deshalb erfüllte sie ihnen einen letzten Wunsch, zu dem der Gang zu McDonalds oder auch das Speeddating gehörte.

Nach zwei Stunden hatte es Deutschlands bekannteste „Pflägekraft“ mit schwäbisch gefärbter Sprache mal wieder geschafft, mit den Erlebnissen aus dem Alten-Pflegeheim die Menschen zum Schmunzeln und Lachen zu bringen und das auf ihre ganz eigene Art und Weise.

(mlo)
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