"Südlich Patternhof": Fläche in Eschweiler wird aufbereitet

Fundamente entfernt : Gelände am Patternhof wird von Schadstoffen und Altlasten befreit

Wo vor 100 Jahren noch ein Zinkwalzwerk stand, wird bald mit dem Bau neuer Wohnungen und Häuser begonnen. Dafür müssen die Altlasten der Industrie entfernt werden. Arbeiter entsorgen insgesamt 1500 Kubikmeter Aushub.

Zurzeit sind Bagger und Lastwagen rund um das Gelände des Baugebietes „Südlich Patternhof“ im Einsatz. Der Grund: Vor dem Start der Erschließung voraussichtlich im Herbst 2020 muss die Fläche aufbereitet werden. Denn als Standort eines ehemaligen Zinkwalzwerkes ist der Boden vorbelastet. Deshalb untersucht der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AAV) diesen auf Schadstoffe – und kümmert sich um die mehr als 100 Jahre alten Fundamente, die immer noch im Boden liegen.

Seit drei Wochen arbeitet das Unternehmen an der Fläche. Es sind bereits etwa 5000 Kubikmeter auf eine sogenannte Bereitstellungsfläche umgelagert worden: den ehemaligen Sportplatz. Dort sind Schutthaufen vom abgerissenen Vereinsheim und Erdhügel aufgetürmt. „Das Hauptthema hier ist Bodenmanagement“, erläutert Roland Arnz, Geschäftsführer des AAV. Damit meint er, dass nicht die mögliche Kontamination des Bodens im Vordergrund steht, sondern die unterschiedlichen Materialien separiert, beprobt und eventuell fachgerecht entsorgt werden müssen.

Zum Beispiel gab es einen 40 bis 50 Kubikmeter großen Bereich mit einem „Ölschaden“, wie er ihn nennt. In diesem kleinräumigen Bereich könne man von Kontamination sprechen, ebenso in einem Bereich mit erhöhten Schwermetallgehalten. Insgesamt etwa 1500 Kubikmeter Aushub werden entsorgt. „Aber es gab auch helles, sandiges Material, was unbelastet ist und wieder zur Verfüllung genutzt wird“, berichtet Arnz. Insgesamt werden die Mitarbeiter um Bauleiter Frank Ludwigshausen die Fläche wieder bis etwa einen Meter unter geplanter Straßenhöhe verfüllen.

Am meisten zu schaffen machten den Arbeitern die Fundamente des ehemaligen Zinkwalzwerkes. Diese mussten zuerst freigelegt werden, denn in den Jahren nach der industriellen Nutzung hatten die Nachfolger sie einfach überschüttet. Jetzt werden die Fundamente bis in drei Meter Tiefe abgetragen. So stellen sie sicher, dass keine Hohlräume mehr vorhanden sind, die zu einer Gefahr für die darüber liegenden Häuser werden könnten. „Wenn alles raus ist, wird die gesamte Fläche mit unbelastetem Material aufgeschüttet“, erklärt Arnz.

Das Engagement hält Professor Jens Utermann vom Landesministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz für richtig und wichtig. „Fast ein Viertel von NRW ist Siedlungs- und Verkehrsfläche, also bebaut. Leider ist es so, dass vor allem fruchtbare, biologisch aktive Böden verschwinden“, sagt er. Utermann leitet das Referat Bodenschutz und Altlasten. Mit diesem Hintergrund findet er es besonders gut, dass verstärkt Brachflächen mobilisiert werden. Arnz sieht großes Potenzial im Baugebiet „Südlich Patternhof“. Noch handele es sich um eine Brachfläche, aber bald hätte man hier eine moderne Wohnsiedlung in der Innenstadt.

Dr. Roland Arnz (Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung), Prof. Dr. Jens Utermann (Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz) und Bürgermeister Rudi Bertram kümmern sich um die Brachfläche des ehemaligen Zinkwalzwerkes. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Finanziert wird die vorbereitende Maßnahme zu 100 Prozent vom Land NRW. Im Sonder-Förderprogramm „Brachflächenmobilisierung für dauerhaften Wohnraum“ stellt das Land insgesamt 9,2 Millionen Euro zur Verfügung. Die Maßnahme in Eschweiler kostet rund eine Million Euro. Neben der Indestadt sind zehn weitere Projekte in anderen Kommunen Teil des Förderprogramms.

Bürgermeister Rudi Bertram zeigte sich erfreut über die Entwicklung. „Eschweiler ist zurzeit nicht nur im Strukturwandel, sondern allgemein in einem wesentlichen Umbruch“, sagte er. Mit diesem Projekt geschehe wieder ein Stück Wandel in der Stadt, die eine alte Bergbau- und Stahlstadt ist. Vor allem in der von der Stadt angestrebten Innenstadtverdichtung hilft die Maßnahme. „Wir müssen nicht mehr in die Peripherie, sondern entwickeln unsere Innenstadt weiter“, betonte Bertram.

Bis Weihnachten dauern die Arbeiten auf dem Gelände an der Bergrather Straße noch an. In einem knappen Jahr sollen dann die Bagger für die Erschließungsmaßnahmen anrollen.