Statistik über Immobilienbesitzer in Einkaufsstraßen in Eschweiler

Innenstadt und Immobilien, Teil 1 : 59 Prozent der Immobilien in den Einkaufsstraßen gehören Eschweilern

Wem gehört die Stadt? Oder: Wer sind die Eigentümer der Immobilien, an denen Sie in den Einkaufsstraßen vorbei- und hineingehen? Dieser Artikel liefert die Antwort. Die Statistik spielt der Stadt bei ihrer Vision von einem belebteren Zentrum in die Karten.

Die anonymisierte Statistik, auf der die Grafik und der Text basieren, hat die Stadt auf Anfrage dieser Zeitung angefertigt.

Eine gute Nachricht für die Stadt: Nur 3,8 Prozent der Immobilien in den vier Einkaufsstraßen südlich der Inde sind in der Hand von Firmen. Foto: Carsten Rose, Grafik: zva, Quelle: Stadt Eschweiler, Karte: Google Earth

Bezogen sind die Zahlen auf die vier markierten Einkaufsstraßen südlich der Inde: die Englerthstraße, die Marienstraße, die Neustraße und die Grabenstraße. Insgesamt sind 159 verschiedene Eigentümer registriert, mitunter mehrere für ein Gebäude. Diese Zahl teilt sich auf in 153 Privatpersonen und sechs Firmen. Das heißt: Nur 3,8 Prozent der Objekte mit Ladenlokalen und Wohnungen darüber sind in gewerblicher Hand – alles andere als ein Nachteil, wenn eine Kommune die Stadtentwicklung vorantreiben will.

Drei dieser sechs Firmen sind in Eschweiler gemeldet. Von allen 159 Eigentümern, die Immobilien oder Teile davon in der Stadt besitzen, sind 59 Prozent in Eschweiler gemeldet. „Wir sind froh über diese große Zahl. Wenn ein Eigentümer einen Bezug zur Stadt hat, sieht er die Immobile auch anders“, sagt Ralf Walraff. Er ist für das Stadtmarketing verantwortlich und arbeitet daran, mit Einzelhändlern, Eigentümern, Maklern und Architekten die Innenstadt zu beleben und optisch aufzuwerten. Das geht nicht ohne die Immobilienbesitzer.

Die Stadt kann und wird nur in einzelnen Fällen aktiv, erwirbt Objekte und wertet sie auf, wie zum Beispiel den ehrwürdigen Kirschenhof. Der wird derzeit für eine Menge Geld wieder aufgehübscht und für verschiedene Nutzungen saniert. „Grundsätzlich ist die Stadt kein Ankäufer, aber wenn es sich anbietet und in die Stadtplanung passt, reden wir mit Eigentümern“, erklärt Stadtsprecher René Costantini. Maßgebend sind dabei die Faktoren Lage und Bedeutung der Gebäude. Falls es sich also anböte, historische und für die Stadt prägende Gebäude in zentraler Lage zu erwerben, bevor es ein anderer tut, investiert die Stadt.

Ein weiteres Beispiel ist das Haus Nummer 9 an der Marktstraße, das noch immer das Schild von Jeans Bürsgens ziert und das die Stadt im Dezember 2017 gekauft hat. Ein Nutzungskonzept werde derzeit erstellt, etwa für städtische Nutzung oder auch Wohnraum, erklärt Costantini.

Gerade seit diesem Jahr forciert die Stadt die Bemühungen, in den Dialog mit Hauseigentümern und Grundstückbesitzern zu treten. Dazu dienten bereits ein Fragebogen an Grundstückseigentümer (Stichwort Baulückenaktivierung), eine Ausstellung zum Thema Zukunft des Einzelhandels sowie zwei Diskussionsveranstaltungen im Rathaus. Für einen Abend mit rund 50 Gästen (überwiegend Hausbesitzer, Makler, Architekten) hatte Stadtmarketingexperte Ralf Walraff daher einen Dortmunder Fachmann für Stadtplanung eingeladen, Rolf Junker.

Die „Abwärtsspirale“

Er skizzierte nach intensiven Analysen vieler Innenstädte von kleinen und mittelgroßen Städten insbesondere in NRW eine „Abwärtsspirale“, die den qualitativen Abbau von Einkaufsstraßen beschreibt. Diese folgt einem Schema der Nutzung von Ladenlokalen: Auf ein Fachgeschäft (etwa Bekleidung) folgt ein sogenannter „Billigfilialist“ (ebenfalls Bekleidung), dann ein Ein-Euro-Shop, danach eine Versicherungsagentur, anschließend ein Piercing-Studio oder Ähnliches – und dann der Leerstand. Als eine Ursache nennt Junker die zu groß gewordene Verkaufsfläche.

Derzeit stehen in den besagten Eschweiler Einkaufsstraßen 17 Ladenlokale gänzlich leer. Drei weitere werden beziehungsweise scheinen umgenutzt zu werden. Und in Kürze wird wegen der Insolvenz die Oebel-Filiale an der Grabenstraße schließen – Zukunft des Lokals ungewiss. Welche Arten der Umnutzung könnte für eine Belebung der Innenstädte sorgen? Stadtplaner Junker bringt unter anderem lokales Handwerk und Gewerbe ins Spiel, die in die leeren Lokale einziehen könnten; dieser Vorschlag kam auch schon aus Reihen der Einzelhändler. Ein wichtiger Erfolgsfaktor für gelingende Innenstadtkonzepte sei dabei: die homogene Interessenlage der Eigentümer. Daran arbeitet die Stadt Eschweiler mit.