Eschweiler: Stand-Up-Comedy: Johannes Flöck im Kulturzentrum Talbahnhof

Eschweiler : Stand-Up-Comedy: Johannes Flöck im Kulturzentrum Talbahnhof

Stand-Up-Comedy ist eine schwierige Kunst. Da steht man zwei Stunden auf der Bühne und hat nur sich selbst und seine Stimme, hoffentlich eine satte Portion Charakterausdruck, gute Körpersprache und etwas Unterhaltsames zu sagen. So wie etwa Johannes Flöck, der im Kulturzentrum Talbahnhof zu Gast war.

Nach ein paar gut gesetzten One-Linern stand der Kontakt zum Publikum, und das Programm zum 15-jährigen Bühnengeburtstag startete. So wie Stefan Raab ist auch Flöck Sohn einer Metzgersfamilie, besitzt aber mit einem kaum noch vernehmbaren Sprachfehler und weitaus größerem erzählerischen Charme mehr Esprit als der Erstere.

Flöck bediente sich aus der Themenkiste mit Dingen, mit denen wir alle irgendwie bereits schmerzlich Bekanntschaft gemacht haben dürften. Das ewig krasse Missverhältnis Mann-Frau, Gesundheit im Alter, Sex und Generationenkonflikt liefern alleine schon so viele Vorurteile, dass man dem aus Koblenz stammenden Wahl-Kölner gerne bei der Demontage dieser Klischees zuhört. Kostprobe gefällig? „Wir sind alle im Kategorisierungs-Wahn. So haben Forscher herausgefunden, dass Melonen das ideale Obst für Männer sind. Der Mann kann gleichzeitig damit essen, trinken und sich waschen.“

Tatsächlich widerfahren

In einem herrlich erzählten, fließenden Bewusstseins-Strom fast schon à la James Joyce versicherte Johannes Flöck immer wieder, dass ihm die erzählten Skizzen aus dem wahren Leben tatsächlich widerfahren sind. Daher seine Vorliebe für die Ausdrücke „Kein Witz“ oder das eher aus der modernen Jugendartikulation stammende „Ich schwör“.

Mit der Jugend sei es eh so eine Sache. Die Darstellungen aus gemeinsamen Erlebnissen mit seinem Patensohn trafen offensichtlich den Nerv des Publikums, das für Flöcks eingestreute Musiknummer, eine Art rhythmisch sehr gewagtem, germanisierten Rap, starken Applaus spendete. Der Comedian beherrschte die Kunst, mit scharfer Beobachtungsgabe und entlarvenden Überlegungen, den alltäglichen Wahnsinn modernen Menschseins komisch in Szene zu setzen.

Richtig in Fahrt geriet der Situations-Sammler Flöck, als er einen gemeinsamen Mountainbike-Trip in den nächtlichen Wald plus Freund nach einem versehentlichen, psychoaktiven Pilzgenuss auf die Bühne brachte. Mit wandelbarem Rollenspiel und jeder Menge Körpereinsatz immerhin, aber mit so hoher Geschwindigkeit, das dabei einer der besten Witze des Abends leider vollkommen unbemerkt und unbeklatscht verloren ging.

Für diese leicht erhöhte Viskosität war Johannes Flöck dem Eschweiler Publikum aber nicht böse, wie er uns in der Halbzeitpause vor dem Talbahnhof verriet. Außerdem parlierte er ein wenig über sein kommendes neues Programm und seine eigenen Vorbilder wie etwa den Briten Lee Evans oder den deutschen Kabarettisten Christoph Sieber.

Nach der Pause drehte es sich in Flöcks aktuellem Programm „Wenn Happy und Birthday getrennte Wege gehen“ unter anderem um das dankbare Thema Sex: „Männern muss man Phänomene wie verfrühte Ejakulation einfach mit Metaphern aus dem Fußball näherbringen, damit sie sie wirklich verstehen.

„Was es bedeutet, wenn man einen Elfmeter erfolgreich versenkt, obwohl der Schiedsrichter den Ball noch gar nicht freigegeben hat, dürfte einfach und klar sein — oder?“ Dabei nimmt der Mann aus Koblenz sich auch gerne selbst auf den Arm und kokettiert mit seiner eigenen Altersmarke: „Sex im Alter? Auch der Herbst hat schließlich ein paar warme Tage.“

Grönemeyer-Parodie

Als Höhepunkte der Show im zweiten Teil gab es eine kurze, aber in wenigen Sätzen und Klängen hochgradig treffende Grönemeyer-Parodie, den leicht abgewandelten Rio-Reiser-Klassiker „König von Deutschland“ und schließlich noch mal eine Hiphop-Einlage aus der Feder von „Grandmaster Flöck“.

Des Comedians Rat, als Mann doch besser den Gang zur Kosmetikerin zu vermeiden, gipfelte in einer prima Zugabennummer für das Talbahnhof-Publikum.

(psi)
Mehr von Aachener Nachrichten