Stadt Eschweiler will Absolventen der FH Aachen Ladenlokale anbieten

Leerstand beheben : Bis Ende 2021 Aachener „Kreative“ nach Eschweiler locken

Die Stadt will „neu denken“, „quer denken“ und dem Credo folgen: „Einzelhandel bedeutet gemeinsam handeln“. Auf diese Wege will sie jetzigen Leerstand beheben und weiteren vermeiden. Warum dafür nicht das Aachener Studentenpotenzial nutzen?

Mit einer Ausstellung im Rathaus ist es nicht getan, die Probleme des Einzelhandels und den Leerstand in der Innenstadt anzugehen, deswegen will die Stadt mehrere Wege parallel bestreiten. Ein klares Ziel formuliert Hermann Gödde so: „Mit Eröffnung des Rathaus-Quartiers, also wahrscheinlich Ende 2021, hätten wir gerne ein paar Kreative in der Stadt.“

Die „Kreativen“ sind in dem Fall Absolventen der Fachhochschule Aachen, die sich nach ihrem Abschluss selbstständig machen wollen – und dafür ein günstiges, kleines Büro suchen. Leerstehende Ladenlokale bieten eine perfekte Alternative, finden der Technische Beigeordnete Gödde und Ralf Walraff vom Stadtmarketing. Diese jungen, kleinen Unternehmen nennen sich heutzutage „Start-ups“. Ladenlokale könnten jedoch auch für sogenannten „Pop-up-Stores“ genutzt werden. Darunter versteht man provisorische Einzelhandelsgeschäfte, die für kurze Zeit ein Lokal anmieten, um zum Beispiel Produktneuheiten zu präsentieren. „Warum könnte man nicht Hauseigentümer dazu bewegen, anstatt des Leerstands für die jungen Leuten die Miete zu senken oder nur die Nebenkosten zahlen lassen?“, wirft Gödde in den Raum – eine Frage, die wohl auch bei der Sonderveranstaltung am 10. Oktober gestellt wird.

Die zwei „Knochenenden“

„Quer denken“ nennt Gödde diesen Ansatz, der mit den Credos „Einzelhandel bedeutet jetzt gemeinsam handeln“ und „Einzelhandel neu denken“ dreigleisig an die Zukunft der Innenstadt denkt.

Nur: Wie werden die Aachener „Kreativen“ auf Eschweiler als potenziellen Standort aufmerksam? Die Distanz zwischen beiden Städten ist gering, die Fahrzeit nach Eschweiler mitunter kürzer als von einem Ende Aachens ans andere. „Das Citymanagement kann die Stadt an der Fachhochschule präsentieren, die Wirtschaftsförderung der Stadt kann Kontakte knüpfen“, betont Gödde. Der Stadt will es gelingen, dass mit dem Rathaus-Quartier und dem Modegeschäft P&C in der Innenstadt „zwei Knochenenden“ liegen, zu denen die Fußgängerströme fließen. So ergebe sich ein Rundlauf, in deren Mitte ein attraktives, belebtes Zentrum liegen muss.

Weitere Idee, um den Passanten und potenziellen Kunden mehr zu bieten, nennt Ralf Walraff. „Einzelhändler können leerstehende Lokale als reines Schaufenster nutzen und die Leute locken.“ Oder: Ein Laden könnte zu einem Amazon-Paketshop werden, so dass die Abholer durch die Einkaufsstraßen gelotst werden. Derselbe Effekt würde eintreten, wenn helle Ladenlokale für regelmäßige Kunstausstellungen genutzt würden, findet Walraff. Oder: Mehrere kleine Lokale nebeneinander könnten bei Zusammenarbeit der Eigentümer einen größeren bilden. Geschäftszeilen in Wohnungen umzuwandeln – auch wenn sie nachgefragt würden –, wäre die ungewollte „letzte Alternative“.

Die Vorschläge, Gedanken und die beiden Veranstaltungen Anfang Oktober, um „alle Beteiligten ins Boot zu holen, spiegeln den Willen der Stadt wider, „eine Marke zu verkaufen“, wie Gödde es ausdrückt. Immerhin sei Eschweiler immer noch Einkaufsstadt. „Wenn die erste Resonanz nicht so groß ist, werden wir uns nicht entmutigen lassen“, sagt Gödde. „Es lohnt sich, die dicken Bretter zu bohren.“

Walraff und Gödde erinnern sich daher auch gerne an die Umgestaltung der Peter-Paul-Straße, die damals erst äußerst skeptisch und dann positiv aufgenommen worden sei. Und: Nachdem öffentliche Gelder in die Modernisierung der südlichen Innenstadt geflossen seien, wären auch die Privateigentümer schneller bereit gewesen.

Vom sterbenden Einzelhandel und Leerständen könnten Städte wie Stolberg und Würselen ein Lied singen, dass weiß Gödde auch, weil er schon für die Stadt Stolberg gearbeitet hat. Deswegen rückt er Eschweilers Potenzial in den Vordergrund: „Wir haben eine gute Mischung aus Inhaber-geführten Läden und Ketten.“ Deswegen lasse sich der jetzige Ansatz „Einzelhandel bedeutet gemeinsam handeln“ schneller umsetzen. Im vergangenen Jahr hat die Stadt mit der Industrie- und Handelskammer und der RWTH Aachen den lokalen Einzelhandel auf seine Online-Wettbewerbsfähigkeit analysiert.

Rund 200 Einzelhändler haben damals teilgenommen. Eine Idee, die daraus entstand, war eine ansprechende einheitliche Internetpräsenz für alle unter anderem mit aktuellen Öffnungszeiten (daran habe es teilweise gemangelt) – und am besten: „harmonischen Öffnungszeiten“. Dabei seien das Citymanagement und die Händler gefragt, betont Gödde. Generell gelte: „Auch die Händler müssen heutzutage mutig sein.“

Dazu zählt eine mögliche Standortgemeinschaft, über die der Experte Till Schüler am 9. Oktober referiert. Gödde: „Er soll vor allem die Gründe aufzeigen, warum es an manchen Standorten nicht erfolgreich gewesen ist. Daraus lernt man am meisten.“