Eschweiler: Stadt begräbt den Bezirksfriedhof

Eschweiler: Stadt begräbt den Bezirksfriedhof

Er war vor Jahren als zukunftsweisendes Projekt geplant, der Bezirksfriedhof St. Jöris. Jetzt wird er „im wahrsten Sinne des Wortes begraben”, wie es UWG-Fraktionschef Erich Spies formuliert.

Auf 2,6 Hektar der gesamten Fläche sollen Sonnenkollektoren installiert werden. Dies entspricht etwa zwei Drittel des Gebietes, das ursprünglich für Gräber zur Verfügung stehen sollte. Die Kommunalpolitiker machten nun einstimmig den Weg frei für eine Photovoltaik-Anlage.

Protest der Bürger

Damit ist das Bezirksfriedhofs-Konzept, das die SPD in den 90er Jahren gegen den Protest vieler Bürger und mit viel Geld auf den Weg gebracht hatte, endgültig gescheitert. Auf dem Areal in St. Jöris sollten ursprünglich Menschen aus dem gesamten Nordwesten bestattet werden. Allerdings blieb die größte Fläche über Jahre hinweg ungenutzt. Im Gegenteil: Die Pflege verschlang jährlich tausende Euro. Menschen aus Röhe, Hehlrath und Kinzweiler zogen es vor, ihre Verwandten auf den Friedhöfen vor Ort beerdigen zu lassen. Jetzt reagierte die Stadtverwaltung.

Allerdings wurden erst die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen, die Sonnenkollektoren dort bauen zu dürfen. Mit einer sogenannten Flächennutzungsplanänderung. Über Details habe man noch nicht gesprochen, teilte der Technische Beigeordnete Hermann Gödde mit. Somit ist noch nicht klar, ob sich auch Bürger an dem neuen Solarpark nördlich von St. Jöris beteiligen können. Der Abschied vom Bezirksfriedhof wird von der Verwaltung mit folgenden Worten positiv umschrieben: „Die Stadt Eschweiler möchte mit diesem geplanten Projekt nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch eine Förderung der regionalen Wirtschaft vollziehen.” Die Verwaltung plant, dort sogenannte Modultische errichten zu lassen. Hierfür müssen natürlich auch Leitungen gezogen werden.

Übrigens hält sich die Begeisterung über diese Anlage ausgerechnet bei Eschweiler Umweltschützern in Grenzen. Jürgen von Wolff als Vertreter der hiesigen „Agenda 21” warnte davor, das Areal in St. Jöris „mit Silizium zu versiegeln”. Eine wesentlich geeignetere Fläche ist in seinen Augen der Wall an der Autobahn. Dieser allerdings gehört nicht der Stadt Eschweiler. Widerspruch erhielt er auch von Dietmar Widell von den Eschweiler Grünen. Eine Umweltprüfung steht noch aus.

Fest steht: Mit St. Jöris wird auch der letzte Standort eines Bezirksfriedhofs aufgegeben. Wie viel Geld die Stadt spart, weil diese Flächen nicht mehr gepflegt werden müssen, steht nicht fest.

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