Eschweiler: St. Jöris: Am Ende stimmen alle mit ein

Eschweiler: St. Jöris: Am Ende stimmen alle mit ein

Man weiß von übertragbaren Krankheiten. Auch schlechte Laune kann anstecken. Das (positive) Gegenteil gilt ebenso. Gute Laune verbreitet sich von einem zum anderen. Und ein menschlich gesundes Umfeld steigert eigenes Wohlbefinden. Der letzte Satz findet seine Bestätigung im Leben und in der aktiv betriebenen Musik des Ortes St. Jöris.

Die Wissenschaft weiß schon länger Zeit, dass gerade gemeinschaftliches Singen Gesundheit und das Ausschütten von Glückshormonen befördert. Bei seinem traditionellen Herbstkonzert animierte der Männergesangverein und Kirchenchor St. Georgius St. Jöris mit seinem 1. Vorsitzenden Lothar Pohl die Besucher in der ehemaligen Klosterkirche erfolgreich zum Singen und Mitsingen.

Es sollte in Zeiten des Auseinanderdriftens von Hochkultur und kultureller „Provinz” daran erinnert werden, dass dieser Gegensatz nicht in der deutschen Kultur angelegt ist. Sie hat sich im Kunstlied ein sowohl stilvolles wie volkstümliches Genre geschaffen, wie es die Musikgeschichte anderer Nationen vergleichbar nicht kennt. Die Konzertgäste nahmen die Einladung des Abendmottos („Sing mit!”) gerne an: angefangen vom romantisch-naturhafte Stimmung einfangenden „Am Brunnen vor dem Tore” (Franz Schubert) über das befreiend gesungene „Die Gedanken sind frei” bis hin zum empfindsamen Bekenntnis „Du liegst mir am Herzen”.

Als „Stimmungsmacher” im eigentlichen Sinne hatte der Männerchor mit vierstimmigem a-cappella-Gesang zunächst alleine den Anfang gemacht. Wenngleich jüngere Sänger beim Chor wie anderswo derzeit eher rar sind, erstreckt sich das gute Niveau bis hinauf in die hohen Tenor-Passagen. Die Arbeit von Dirigent Achim Prinz trägt hörbare Früchte. Zudem trifft der Leiter auf eine Schar zwar gestandener Männer, die aber über die Tradition hinaus auch eine spürbare Antenne für Experimente und Modernes hat. Erklangen eben noch altbekannte Weisen wie „Wenn alle Brünnlein fließen” und „Kein schöner Land” oder die Ortshymne „St. Jöris und die Leut”, war später „Blauer Mond” - ein Zecherlied ganz feinsinniger Art von Wilhelm Heinrichs - humorvoll vernehmbar.

Der Herzogenrather Liedermacher Heinz Mercks hat familiäre Wurzeln in St. Jöris und singt dort seit einiger Zeit im Chor mit. Zu dessen Herbstkonzert hatte er mit Gabi Göddertz aus Alsdorf und Günter Bardischewski aus Würselen befreundete Liedermacher mitgebracht. Ihre Auftritte gaben dem romantisch-volkstümlichen Konzert dann noch eine andere Note: moderner Evergreens von Sinatra- und Leonhard-Cohen-Adaptionen bis hin zu Reinhard-Mey-Songs („Über den Wolken”) und Bläck-Fööss-Hits” („In uns´rem Veedel”).

Diese Form der Konzerte würde man gerne öfter in unserer Region miterleben! Sie sind ein aktives Zeichen gegen bloßes Konsumieren von Musik: Kommunikation mit vielen Sinnen.

Seit 65 Jahren singt Jakob Böll im St. Jöriser Chor

Bei einer Promi-Gala gäbe es „Standing Ovations”. Doch ein wenig von dieser Stimmung hoher Anerkennung war bei einem bestimmten Moment des Herbstkonzertes in der Klosterkirche zu spüren: Als nämlich Jakob Böll nach vorne gebeten wurde.

Dann tat Moderator Willi Henneböhl kund, dass Böll seit nunmehr 65 Jahren aktiver Sänger ist - und zwar nach wie vor in der Stimmlage „1. Tenor”.

Zwei weitere Jubilare wurden von Präses Pastor Dr. Rainer Hennes geehrt: Dieter Müller (40 Jahre) und Hans-Werner Schmitz (25 Jahre).

Die Heimatbilder von Jakob Prell waren übrigens eigens zu dem Konzert an der Wand angebracht worden.