St,-Antonius-Hospital entlässt Dutzende Mitarbeiter

Mitarbeiter werden entlassen : Im Eschweiler Krankenhaus bleibt die Küche bald kalt

Der Trend ist seit Jahren bundesweit wie auch in der Region feststellbar: Der enorme Konkurrenzdruck im Gesundheitswesen zwingt immer mehr Krankenhäuser dazu, sich zu spezialisieren, sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren. Kulinarik gehört im St.-Antonius-Hospital nicht dazu: Konsequenz: Das Hospital schließt seine Küche. 40 Mitarbeiter verlieren demnächst ihren Arbeitsplatz.

Knackpunkt Landesmittel

Der Entscheidung, die eigene Küche aufzugeben, seien zwei Jahre andauernde Versuche vorangegangen, genau dies zu vermeiden. Um den Küchenbetrieb fortzuführen, sei eine komplette Neueinrichtung nötig, betont Hospital-Geschäftsführer Elmar Wagenbach. Kostenpunkt: rund sechs Millionen Euro. Eine Investitionssumme, die nicht durch Landesmittel bezuschusst werde.

„Angesichts dieser Investition und der erheblichen Betriebskosten hatten wir keine Wahl, als uns für eine Schließung zu entscheiden“, sagt Wagenbach. „Wenn Minister in Bund und Land hingehen und fordern, dass jedes fünfte Krankenhaus schließen soll und Zuschüsse von eben solchen Schließungen abhängig machen, dann ist Sparen angesagt. Und da spart man natürlich erst einmal im nichtmedizinischen Bereich“, unterstreicht Wagenbach. „Wer Wind sät, wird Sturm ernten: Und das hier ist dann das Resultat solcher Entscheidungen.“

Noch vieles offen

Zentrale Notaufnahme wichtiger als neue Küche: Hospital-Geschäftsführer Elmar Wagenbach. Foto: Rudolf Müller

Wann die Schließung der Hospitalküche zum Tragen kommt, ist noch offen. Bislang seien zwar Betriebsrat und Mitarbeiter von dem Vorhaben unterrichtet, Einzelheiten aber seien noch nicht geklärt. In der kommenden Woche stehen Erörterungen mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft an. Dass den Mitarbeitern (darunter zahlreiche, deren befristete Verträge ohnehin auslaufen) am Freitag bereits ihre Kündigungen in den Briefkasten flatterten, wie erzählt wurde, sei deshalb völlig aus der Luft gegriffen. „Es hängt von den Gesprächen mit der Gewerkschaft und von noch zu erstellenden Sozialplänen ab, wann wir die Küche schließen“, betont der Geschäftsführer. Spätester Zeitpunkt für ihn sei allerdings der 31. Dezember. Bis dahin wird auch der Kiosk schließen müssen.

Künftig sollen Patienten und Mitarbeiter des Hauses von einem externen Zulieferer versorgt werden. Die Rede ist dabei von rund 115.000 Essen pro Jahr für die etwa 20.000 stationären Patienten und 1200 Mitarbeiter des Hauses. Mit entsprechenden Anbietern ist das Hospital bereits im Gespräch. „Am Service für unsere Patienten mit der Wahl zwischen drei Menüs wird sich nichts ändern“, betont Wagenbach. „Die Qualität der Speisen wird hervorragend sein, aber die Versorgung stellt sich für uns wirtschaftlich weitaus günstiger dar.“ Schon heute arbeiten etliche Krankenhäuser auch in der Region mit einem solchen System. „Das zeigt, dass dies kein Eschweiler-spezifisches Thema ist, sondern ein gesundheitspolitisches.“

Rund 1200 Quadratmeter groß ist die derzeitige Küche des Hospitals. Eine Fläche, die künftig mit Hilfe der so eingesparten sechs Millionen Euro in eine zentrale Notaufnahme umgebaut werden soll. Eine Maßnahme, für die das Hospital dann auch auf Fördermittel zählen kann.

Geschlossen wird auch das Restaurant Akzente im Hospital. Die Rede ist vom 1. Juli. Eine Schließung, die allerdings nicht von Dauer sein soll. Das Restaurant soll komplett umgestaltet und dann von einem Pächter betrieben werden.

Umstellen müssen sich in absehbarer Zeit nicht nur die Patienten des Hospitals: Die Küche beliefert unter anderem auch neun von elf Eschweiler Grundschulen mit warmem Essen. Das ist ab dem kommenden Schuljahr nicht mehr möglich – die Kündigungen seien unterwegs, bestätigt das Hospital. Und auch die Veranstalter von Geburtstagen, Hochzeiten, Kinderkommunionen, Grillfesten und Seminaren, die sich bislang auf den Außer-Haus-Service der Hospitalküche verließen, müssen sich künftig nach anderen Caterern umsehen.

In Eschweiler hat das Bekanntwerden der Schließungspläne hohe Wellen geschlagen, die auch vor dem Rathaus nicht Halt machten. So hat auch der Bürgermeister am Donnerstagabend eine anonyme E-Mail erhalten, die auch an die Redaktion geschickt wurde. „Ich werde von den Bürgerinnen, Bürgern und auch Mitarbeitern angesprochen“, bestätigt Rudi Bertram, mehr wollte er noch nicht zu dem Thema sagen.

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