Eschweiler: Sprache lernen heißt auch Kultur bewahren

Eschweiler: Sprache lernen heißt auch Kultur bewahren

1452 Schüler mit Zuwanderungsgeschichte besuchten laut amtlicher Schulstatistik im Schuljahr 2010/2011 städtische Schulen in Eschweiler. Herkunftssprachlicher Unterricht wird für diese Schüler allerdings nur an einem Nachmittag in der Woche an der evangelischen Grundschule Stadtmitte (arabisch) sowie in der Hauptschule Stadtmitte (arabisch und türkisch) angeboten.

„In keiner Stadt innerhalb der Städteregion findet so wenig herkunftssprachlicher Unterricht statt wie in Eschweiler”, bemängelt Ilker Zaman, Vorsitzender des Integrationsrates. In einer gemeinsamen Sitzung des Integrationsrates und des Schulausschusses wurde am Mittwoch lebhaft über dieses Thema diskutiert.

„Es geht in keinster Weise darum, zu bezweifeln, dass der Deutschunterricht in Deutschland wesentlich wichtiger ist, als das Erlernen der Muttersprache”, betonte Ilker Zaman zu Beginn seiner Ausführungen. Doch die Sprache des Herkunftslandes zu beherrschen, bedeute auch, dessen Kultur zu bewahren. Die Begründung, es gebe in Eschweiler zu wenige Schüler, die Anträge auf herkunftssprachlichen Unterricht stellen, lässt der Integrationsratsvorsitzende nicht gelten.

„Es gibt in Eschweiler mehrere Schulen mit weit über 100 Schülern mit Migrationshintergrund. Es ist für mich unmöglich zu glauben, dass sich davon kaum jemand meldet.” In der Städteregion gebe es eine ausreichende Zahl von Lehrern, die in der Lage seien, diesen Unterricht zu erteilen. Und auch die zeitlichen Ressourcen seien vorhanden. So könne man muslimische Kinder in ihrer Muttersprache unterrichten, während christliche Schüler katholischen oder evangelischen Religionsunterricht erhielten.

Dagmar Göbbels (FDP), Mitglied des Schulausschusses, wies auf ein mögliches Problem hin: „Ich denke, die Fachlehrer befürchten, dass die betreffenden Schüler aus anderen Fächern herausgeholt werden, um in ihrer Muttersprache unterrichtet zu werden.” Dies sei vor Jahren passiert und völlig falsch gewesen, erwiederte Ilker Zaman. „Inzwischen suchen die Schulen jedoch nach anderen Möglichkeiten”, so der Vorsitzende des Integrationsrates.

Engin Sakal sieht im Beherrschen der Muttersprache nicht zuletzt auch eine gute Grundlage für die deutsche Sprache. „Sind Kinder in der Lage, die Sprache ihres Herkunftslandes zu erlernen, dann lernen sie in der Regel auch die deutsche Sprache”, so das Mitglied des Integrationsrates. Mariethres Kaleß, als Vertreterin des Kinderschutzbundes Sachkundige Einwohnerin des Schulausschusses, gab zu bedenken, dass der herrkunftssprachliche Unterricht bereits vor dem Grundschulalter und damit verstärkt auch in den Familien erfolgen müsse, „Mein Augenmerk liegt darauf, dass durch die gute Förderung in den offenen Ganztagsschulen viel für die Integration und das Vorwärtskommen der Kinder getan wird.” Dabei stünden vor allem der kulturelle Austausch und die Wertschätzung des anderen sowie das spielerische Erlernen der deutschen Sprache im Vordergrund.

Dietmar Schultheis (SPD), stellvertretender Vorsitzender des Schulausschusses, hält die nun angestoßene Diskussion für sehr hilfreich. „Ohne Zweifel ist die Sprache das zentrale Thema für die Integration in die Gesellschaft. Dabei sind sich auch die Sprachwissenschaftler einig, dass es ein großer Nachteil ist, wenn Kinder die Sprache ihres Herkunftslandes nicht beherrschen.”

Allerdings mangele es auch aus praktischen Gründen an der Umsetzung des herkunftssprachlichen Unterrichts. „Meines Wissens nach werden in Eschweiler mehr als hundert Sprachen gesprochen. Es ist natürlich unmöglich, für alle Unterricht anzubieten.” Stephan Löhmann (SPD) hofft, dass das Thema weiterhin im Fokus bleibt. „Ich unterstütze Ilker Zaman. Wenn das Land Geld zur Verfügung stellt und die Städteregion über Kapazitäten verfügt, sollten wir, falls Bedarf vorhanden ist, diesen auch anmelden.”

In die gleiche Kerbe schlug abschließend der Integrationsbeauftragte Jürgen Rombach: „Die Städteregion gibt Quoten vor, die vor allem die Stadt Aachen abschöpft. Ein gewisser politischer Druck aus Eschweiler in Richtung Städteregion könnte hilfreich sein.”

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