Überraschung für Engelbert Esser: Spielmannszug Eschweiler-Bergrath 1951 musiziert nochmal

Überraschung für Engelbert Esser : Spielmannszug Eschweiler-Bergrath 1951 musiziert nochmal

Ein Jahr Lügen, damit die Überraschung gelingt oder auch: Legenden sterben nie. Der Spielmannszug Eschweiler-Bergrath 1951, der im Grunde seit Jahren ruht, hat wieder gemeinsam musiziert. Zum 60. Geburtstag von Kamerad Engelbert Esser formierten sich die „Ehemaligen“ und überraschten einen sprachlosen Jubilar.

Ziemlich genau vor einem Jahr nahm Tamara Esser nach einer fixen Idee die Organisation in die Hand. Gutes will früh vorbereitet sein. Ihr Vater Engelbert, der jahrelang mit dem Spielmannszug Eschweiler-Bergrath im In- und Ausland für Aufsehen sorgte, wurde am 8. Oktober 60 Jahre jung. Eine besondere Überraschung sollte zur großen Geburtstagsfeier her und so wurden jene aktiviert, die damals Teil der Erfolgsgeschichte waren, allen voran Corpsführer Martin Schuster.

Der übernahm 1975 das Zepter des Spielmannszuges in die Hand, nachdem Peter Vroels zwei Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg die Musikeinheit aufgebaut und zu erster Größe geführt hatte. Aus der Karnevalsgesellschaft der KG Prinzengilde Bergrath entstanden, wurde der Spielmannszug formell im Jahr 1951 gegründet, doch bereits vier Jahre zuvor hatte er seinen ersten Auftritt im Karneval. Recht schnell konnte eine starke Mannschaft mit musikalischen Ausbildern aufgebaut werden. Nicht nur Musik-Wettstreite nahm die Gruppe wahr, auch Freizeit-Aktivitäten wurden organisiert und im Jahr 1954 das erste eigene Fest veranstaltet.

Als die Prinzengilde in der Session 1961 ruhte, beschlossen die Musiker den Schritt in die Eigenständigkeit und nennen sich seither Spielmannszug Eschweiler-Bergrath 1951. Bereits bis 1966 hatten sie bei 27 Wettstreiten 45 Preise ergattert, ehe die ganz große Erfolgsgeschichte geschrieben wurde. Immer wieder bauten sie Freundschaften zu anderen Musikvereinen im In- und Ausland auf, so entstand der Draht ins niederländische Kerkrade, wo sie am berühmten WMC, dem Wereld Muziek Concours, teilnahmen. Bronze, Silber und Gold erzielten sie bis zum Ende der 1980er Jahre dort mehrfach vor bis zu 30.000 Zuschauern, aber ebenso bei anderen Wettstreiten.

Engelbert Esser (Mitte), zwischen Tochter Tamara, als er ein besonderes Geschenk zu seinem 60. bekam. Foto: Manuel Hauck

Aufmerksamkeit erregten sie auch in Eschweiler. 1976 veranstalte der Spielmannszug zu seinem Jubiläum das Erste Internationale Musikfestival, vier Tage lang wurde die Musik gefeiert. Am Festzug beteiligten sich 51 Vereine, rund 25.000 Zuschauer verfolgten das Treiben in Bergrath und weitere Auflagen wurden in den Folgejahren auf die Beine gestellt. Höhen und Tiefen prägen wohl jede Vereinshistorie und so verließen einige der heute „Ehemaligen“ in der Mitte der 1990er Jahre den Spielmannszug.

20 Jahre später und über 20 der alten Musiker fanden sich für die besondere Überraschung wieder zusammen. Engelbert Esser, der damals an der Lyra begeisterte, ahnte davon nichts, auch wenn manch einer beinah das Geheimnis ausplauderte. Die ersten Proben für die Wiedergeburt nahm man im Frühjahr im damaligen Proberaum in der alten Bergrather Schule auf. Engelberts Frau Britta organisierte Instrumente und stellte ihre eigene Lyra zur Verfügung. Gemeinsam mit ihren Töchtern überzeugte sie Martin Schuster, der schließlich alle Musiker unter einen Hut brachte.

Ein riesiger Stein fiel der Familie Esser vom Herzen, als am vergangenen Samstag die Überraschung im Hastenrather Pfarrheim gelang. Tochter Svenja hielt die Rede, die die alten Musikerfreunde durch die Blume ankündigte. Ihre Schwester Tamara schaute draußen, ob die Luft rein war und gab sodann das Kommando. Wie in alten Zeiten zogen die Musiker in den Saal und spielten „Süße Heimat“, „Oberbayern“ und „Hoch Heidecksburg“, auch zusammen mit ihren Kameraden Engelbert, der eine „Baby-Lyra“ überreicht bekam.

Sprachlos war er, Tränen rollten. Die Freude war beim Geburtstagskind riesig. Engelbert fehlten die Worte, er war einfach nur dankbar für dieses Geschenk.

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