Siedlung aus der Metallzeit? Archäologen untersuchen Überreste in Röhe

Pipeline-Ausgrabungen bei Eschweiler : Hinweise auf Jahrtausende alte Siedlung gefunden

Hinweise auf frühere Siedlungen bei Eschweiler

Die Arbeiten der Fernglasleitung Zeelink sind ein Glücksgriff für Archäologen. Gerade ist ein Team bei Röhe beschäftigt, weil es dort Hinweise auf eine Siedlung aus der sogenannten Metallzeit vor rund 3000 Jahren gibt.

Felix Kunze kniet in einem glatt ausgehobenen, rechteckigen Erdloch und zieht mit der Spitze einer kleinen Kelle Kreise in der Erde am Rand des Loches. Er will damit zeigen, dass innerhalb dieser Fläche die Farbe des Bodens anders ist als außerhalb. „Diese Bodenverfärbung deutet darauf hin, dass hier vielleicht jemand ein Loch gegraben hat, um Lehm für eine Hauswand zu gewinnen“, erklärt der Archäologe.

Und wo ein Haus stand, waren wohl auch viele andere nicht weit, die zusammen eine Siedlung gebildet haben. Kunze und sein siebenköpfiges Team sind gerade in den Feldern rund um Röhe unterwegs, um genau das herauszufinden, sie gehen davon aus, viele Erkenntnisse über die Metallzeit bis etwa 1000 Jahre vor Christus zu gewinnen.

Felix Kunze lässt aber nicht einfach so bei Röhe große Flächen von Baggern abziehen und Löcher ausheben. Auf dem Areal, das der Archäologe hinter dem Röher Ortsausgang nördlich der Aachener Straße untersucht, wird die Ferngasleitung Zeelink verlegt. Von dem Unternehmen wird er beauftragt. „Wir dokumentieren, was für die Nachwelt verloren geht“, sagt Kunze. „Aber wir sehen eben nur einen kleinen Ausschnitt. Was links und rechts der Trasse gewesen ist, werden wir nicht wissen.“ Der Ausschnitt in dieser Woche ist gut 140 Meter lang, etwa zehn Meter breit. So wie die Baustelle wandert, wechselt auch Kunze von Erdloch zu Erdloch.

Erst buddelt der Bagger, dann die Menschen: Ein siebenköpfiges Team untersucht eine Fläche der Zeelink-Trasse bei Röhe. Foto: ZVA/Carsten Rose

Felix Kunze arbeitet mit Heike Baumewerd-Schmidt zusammen, sie ist ebenfalls Archäologin, die 60-jährige hat viel Erfahrung. Sie weiß, dass Baustellen wie die bei Röhe keine „fernsehtauglichen Sensationsfunde“ liefern, aber darum gehe es auch gar nicht, betont sie. „Mit jedem kleinen Fund verdichten wir das Siedlungsbild, wir sammeln für die Geschichte wichtige Erkenntnisse“, sagt sie. Anders ausgedrückt: Tagesgeschäft der Archäologen, die quasi nie mit Pinseln wie römischen Gräbern arbeiten, sondern mit Spaten, Schaufeln, Kellen. „Die Zeit der großen Forschungsgrabungen sind einfach vorbei.“

Wenn Ausgrabungen unspektakulär anmuten, müssen sich die Archäologen auch nicht vor Vandalen und Dieben fürchten. Zu derartigen Vorfällen ist es bei den vergangenen Arbeiten in der Region nicht gekommen, betont Baumewerd-Schmidt. Aber immerhin profitieren die Archäologen davon, dass mit Zeelink und der Stromtrasse Alegro gleich zwei Großprojekte parallel gebaut werden, das vergrößert die Flächen und somit die Chance auf zufällige, aber wichtige Funde.

Die Arbeiten für die mehr als 200 Kilometer lange Zeelink-Trasse sind in fünf sogenannte Baulose unterteilt, von denen Baulos 1 in der Aachener Region liegt. Bis Frühjahr 2020 werden die Archäologen hier noch beschäftigt sein, auch weil die Bedingungen hier ganz andere seien als im Münsterland. „Hier finden wir eine ganz andere Dichte vor, weil der Boden viel fruchtbarer ist“, erklärt Baumewert-Schmidt. Da die Bedingungen bei Aachen, Eschweiler und rund um Düren seit der Steinzeit „ideal“ waren, haben die Römer diese Gebiete ja auch erobert, ergänzt Felix Kunze.

Generell waren die linksrheinischen Landschaften Siedlungsgebiete. Ein Standortvorteil der damaligen Zeit war der Aachener Lousberg mit seinem Vorrat an Feuersteinen – auf einen solchen ist Kunze auch in einem der Röher Erdlöcher gestoßen. Diese kleinen Funde werden in Tüten gepackt, dokumentiert und später analysiert.

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