Eschweiler: „Sicher fühlen“: Fünf Minuten im Monat können Leben retten

Eschweiler: „Sicher fühlen“: Fünf Minuten im Monat können Leben retten

Jana Teutsch-Sander plagt das schlechte Gewissen. Mit dem schwierigen Thema Brustkrebs hat sich die 45-Jährige — wie Millionen andere Frauen auch — bisher kaum auseinandergesetzt. Die Anleitung zur Selbstuntersuchung der Brust hängt im Badezimmer. Aber sie hängt da eben auch nur.

Das Wissen, dass die Brust einmal monatlich abgetastet werden soll, ist vorhanden. Jana Teutsch-Sander vergisst es trotzdem oft. „Immer wenn ich höre, dass jemand in meinem Bekanntenkreis Brustkrebs hat, habe ich mir selbst gegenüber ein schlechtes Gewissen“, sagt sie. Das will sie nun ändern und ist deshalb zum Seminar „Sicher fühlen“ ins St.-Antonius-Hospital gekommen.

Jede neunte Frau ist betroffen

In Kooperation mit der Krebsgesellschaft NRW organisiert das Euregio-Brust-Zentrum einmal jährlich das Seminar zur Selbstuntersuchung der Brust. 18 Frauen — die Altersspanne reicht dabei von der Mittzwanzigerin bis zur Seniorin — treffen an diesem Spätnachmittag im Konferenzraum im 3. Stock des Krankenhauses aufeinander. Sie wollen sich mit einem Thema beschäftigen, dass dank prominenter Betroffener wie Sylvie van der Vaart oder Kylie Minogue zwar immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rückt, aber trotzdem von vielen Frauen unbeachtet bleibt: Brustkrebs und das rechtzeitige Erkennen der Erkrankung, das Leben retten kann.

Bevor es in die Praxis geht, ist erst einmal Theorie angesagt. „Brustkrebs ist die am häufigsten auftretende Krebsursache bei Frauen“, sagt Dr. Anastasia Fleuster, Oberärztin im Euregio-Brust-Zentrum am St.-Antonius-Hospital. „Jede neunte Frau ist in ihrem Leben von Brustkrebs betroffen.“ 55 000 Frauen erkranken jährlich in Deutschland. Zu den Risikofaktoren zählen unter anderem ein hohes Lebensalter, familiäre Vorbelastung und Zivilisationsfaktoren wie Bewegungsmangel, Übergewicht und Alkoholkonsum. Auch Kinderlosigkeit erhöht das Risiko. Fleuster will mit den Zahlen und Statistiken keine Panik schüren oder Angst verbreiten, sie will einfach nur aufklären.

Röntgenbilder mit weißen Flecken werden an die Wand projiziert. So sehen Tumore in der Brust aus. Fotografien zeigen, wie sich die Brust auch rein äußerlich verändert, wenn ein Tumor in ihr wächst.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Brustkrebs zu erkennen, sagt Fleuster, „Röntgen, Kernspintomographie, Brust-Ultraschall.“ Aber: „80 Prozent aller bösartigen Erkrankungen werden von den Frauen selbst entdeckt“, nennt Fleuster Zahlen, die belegen, wie wichtig die Selbstuntersuchung der Brust ist. „Im Frühstadium gilt Brustkrebs als heilbar.“

Doch wie kann man einen Tumor ertasten? „Vor dem Spiegel sollte man betrachten, ob es auffällige Veränderungen der Brust gibt“, sagt Fleuster. Anschließend soll die Brust im Uhrzeigersinn ertastet werden. „Ich weiß selbst, dass man es oft mal vergessen kann. Aber die fünf Minuten Zeit pro Monat sollte sich jeder nehmen,“ appelliert die Oberärztin.

Soweit die Theorie. Aber wie fühlt sich ein Tumor in der Brust an? In zwei Silikon-Modellen sind Knoten unterschiedlicher Größe versteckt. Judith Faßbender macht den Anfang und tastet das hautfarbene Brustmodell aus Silikon ab. „Es ist gar nicht so leicht, etwas zu finden“, sagt Faßbender währenddessen. In ihrer Familie trete Brustkrebs gehäuft auf, erzählt sie. Die Großmutter sei an Brustkrebs erkrankt, genauso wie die Mutter, die erst vor wenigen Wochen im St.-Antonius-Hospital operiert wurde. Die 28-Jährige ist also genetisch vorbelastet und auch deshalb mit ihrer Schwester zu dem Selbstuntersuchungsseminar gekommen. Sie hat viel Neues erfahren: „Ich wusste zum Beispiel nicht, dass es Verkalkungen in der Brust gibt, die Vorstufen von Krebs sein können.“

„Die Frauen sollen ein Gefühl dafür bekommen, wie sich ein Knoten in der Brust anfühlt“, beschreibt Birgit Meiser das Ziel der Seminars. Meiser ist Pflegeexpertin für Brusterkrankungen und kennt die Sorgen und Nöte von Frauen, die die Diagnose Brustkrebs erhalten haben.

Seit ihrer Weiterbildung zur „Breast Care Nurse“ kümmert sich die gelernte Krankenschwester ausschließlich um Patientinnen mit Brustkrebs. Zu ihren Aufgaben zählt die enge Zusammenarbeit mit Ärzten und Pflegern, das Koordinieren von Terminen genauso wie die Beratung und die Begleitung zu Untersuchungen. „Oft sitze ich aber auch nur am Bett einer Patientin und höre ihr zu“, sagt sie.

Auch Mónika Walter ist mit ihrer Schwägerin Kornelia Frauenrath zum „Sicher fühlen“-Seminar gekommen. „Die Übungen an den Modellen waren für mich das Wichtigste“, sagt Kornelia Frauenrath. Mónika Walter, die wie viele der Teilnehmerinnen genetisch vorbelastet ist, wünscht sich, dass die Aufklärung zum Thema Brustkrebs in Deutschland stärker gefördert wird: „Man sollte mit solchen Modellen schon in die Schulen gehen. Je früher, umso besser.“