Seniorenzentrum fast bezugsfertig

Neues Gesicht für den alten Ort : Weisweilers Zentrum füllt sich mit Leben

Schon fast 20 Jahre ist es her, dass Weisweilers Bürger, von Stadtplanungsstudenten nach ihren Wünschen und Bedürfnissen befragt, Wohnungen für Senioren ganz oben auf die Liste setzten. Gerade mal fünf Jahre sind ins Land gegangen, seit die Stadt mit der Bremer Residenz-Gruppe in Kontakt kam.

Und die baute nun mitten im Ort, wo einst die Feuerwehr residierte und am Fastelovendsdienstag der Äezebär verbrannt wurde, das Neue Zentrum Weisweiler, dessen Kern ein von der Itertalklinik um Geschäftsführer Dr. Christoph Kösters betriebenes Seniorenzentrum ist.

Was die Residenz-Gruppe da seit dem Ersten Spatenstich am 7. Oktober 2016 für rund 20 Millionen Euro aus dem Boden stampfte, das nahmen am Freitag zahlreiche Bürger interessiert in Augenschein: Dr. Kösters hatte zum Tag der Offenen Tür in den Gebäudekomplex eingeladen, der am 18. März bezogen werden soll.

Ein Komplex, der es in sich hat: Neben 80 Pflegeplätzen bietet das Zentrum eine Tagespflegeeinrichtung mit 15 Plätzen, Kurzzeitpflege und 54 Appartments für betreutes Wohnen unter anderem eine Physiotherapiepraxis, einen Festsaal samt Schießstand für die auch zuvor auf diesem Areal ansässigen St.-Sebastianus-Schützen und ein Bäckerei-Café. Wobei für Letzteres noch nach einem Betreiber gesucht wird.

Helle, freundliche Räume mit weitem Blick ins Grüne: Dr. Christoph Köster in einem der Pflegezimmer. Foto: Rudolf Müller

Auf der Suche sind Christoph Kösters und sein Team auch noch nach Mitarbeitern. Dass die, wie es allgemein heißt, schwer zu finden seien, lässt Kösters nicht gelten: Zu einem ersten Infoabend seien 100 (!) Interessenten erschienen, darunter allein 25 Pflegekräfte aus der Region. Und auf die beschränkt Kösters seine Suche nicht: So seien bereits fünf bosnische Pflegekräfte an Bord, die man selbst in Bosnien ausgesucht habe. „Die Leute kommen gern zu uns. Wir besorgen ihnen Wohnungen, kümmern uns um Fahrmöglichkeiten. So haben wir derzeit rund 120 Autos laufen.

Wir verschaffen unseren Leuten AVV-Tickets oder stellen ihnen E-Bikes zur Verfügung. Davon haben wir bereits 50 Stück in Betrieb.“  Es mag Zufall sein, aber es passt ins Bild, dass alle bisher sieben Senioreneinrichtungen der Itertalklinik GmbH entlang der EVS-Bahnlinie liegen: in Roetgen, Walheim, Kornelimünster, Breinig, Stolberg-Rathauskarrée, Stolberg-Mitte und nun Weisweiler.

Doch nicht nur das große Interesse potenzieller Mitarbeiter, von denen in Weisweiler insgesamt gut 80 beschäftigt sein werden, freut Kösters. „Auch der Zuspruch aus der Bevölkerung, gerade aus dem Stadtteil selbst, ist exorbitant“, konstatiert er. Was einhergeht mit der Akzeptanz des Heims: „Der ganze Ort war hier einer Meinung. Und es war hier das erste Mal, dass aus der Nachbarschaft nicht ein einziger Einspruch gegen ein solches Bauvorhaben gekommen ist“, freut sich Kösters.

Freundliche Farben, klare Linien: der Empfangsbereich des Seniorenzentrums Weisweiler. Foto: Rudolf Müller

Schon bei der Grundsteinlegung hatte Residenz-Geschäftsführer Dr. Rolf Specht betont: „Wir schaffen hier eine tolle Heimat für Senioren. Ein zukunftsweisendes Haus, einen lebendigen Ort zum Leben und Wohlfühlen.“ Senioren, die in Weisweiler leben, könnten dank des hier entstehenden Angebots auch im höheren Alter in ihrer gewohnten Lebenswelt bleiben.

„Wir wollten hier kein abgeschlossenes Altenheim bauen, sondern ein offenes Zentrum mit allen Wohnformen für alle Ansprüche“, so Christoph Kösters. 80 Pflegezimmer mit je 50 Quadratmetern und 54 Wohnungen mit jeweils 60 Quadratmetern gruppieren sich um großzügige Gemeinschafts- und Sozialräume, bieten Balkone und Dachterrassen mit weitem Blick über den Stadtteil und dessen Grünzüge.

Problemlos möglich, so betont Kösters, wurde dieses Vorhaben  nicht zuletzt durch die reibungslose Zusammenarbeit der Projektverantwortlichen mit Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram und dessen Technischem Beigeordneten Hermann Gödde, lobt Kösters die Verwaltungsspitze.

Breite Balkone prägen das Gebäude, das sich zur Nachbarbebauung hin gestaffelt präsentiert. Foto: Rudolf Müller

Weniger gut zu sprechen ist der Geschäftsführer dagegen auf die Verantwortlichen des RWE: Die hätten sich außerstande erklärt, das insgesamt 10.000 Quadratmeter umfassende Gebäude in nicht einmal eineinhalb Kilometer Entfenung vom Kraftwerk an die Fernwärmeversorgung anzuschließen – „zu kompliziert“. Jetzt ist das Neue Zentrum mittels Kraft-Wärme-Kopplung energetisch autark.

Am 18. März soll das Neue Zentrum bezogen werden. Dann dürften auch die Schützen sich in ihrem neuen, außergewöhnlichen Domizil eingelebbt haben. Noch wird auf dem Schießstand in Eigenregie kräftig gewerkelt. Im April schließlich soll das Zentrum feierlich eröffnet werden.

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