Schulessen: Was gehört auf den Speiseplan?

Schulessen : Was gehört in der Schule auf den Speiseplan?

Hamburger mit Kartoffelecken, eine Ratatouille-Gemüsepfanne und ein bunter Salatteller – so sah der Speiseplan zum Beispiel am vergangenen Mittwoch in den weiterführenden Schulen Eschweilers aus. Fast jeden Tag können die Schüler eins von drei verschiedenen Menüs wählen.

Außerdem hat jede Schule ein Snackangebot, darunter auch Süßigkeiten. Doch gehört Ungesundes überhaupt in die Schule?

Zum Sinnbild dieser Debatte ist mittlerweile gezuckerter Kakao geworden, der in Deutschland nur noch an Schulen Nordrhein-Westfalens finanziell gefördert wird. Seit Jahrzehnten unterstützt die EU mit ihrem Schulmilchprogramm den Verkauf von Milch an Schulkinder - unter einer Bedingung: gezuckerte Milchgetränke bleiben draußen – nur in NRW gilt eine Ausnahmeregel. Dies kritisiert die Organisation Foodwatch: Es werde damit einem zu hohen Zuckerkonsum und einer Fehlernährung bei den Schülern Vorschub geleistet.

Auch in Eschweiler wird der süße Kakao verkauft, genau wie andere Süßigkeiten. Petra Seeger im Amt für Schulen, Sport und Kultur in Eschweiler hält es auch für den falschen Weg, diese aus dem Angebot zu streichen. „Wenn wir nur Gesundes anbieten, dann holen sich die Schüler Süßigkeiten am nächsten Kiosk. Das ist auch nicht im Sinne der Schule.“ Auch der Caterer, der das gesamte Speiseangebot an den Schulen stellt, wolle schließlich Umsatz machen. Daher versuche man eine gute Mischung anzubieten.

Lecker, aber ungesund: Gezuckerter Kakao wird zum Sinnbild einer Debatte über Schulessen. Foto: Marcel Kusch/dpa/Marcel Kusch

Jeden Tag werden andere Gerichte an Eschweilers Schulen angeboten. Was auf den Speiseplan kommt, bestimmen die Caterer. Die wiederum wählt die Stadt aus, die sich – orientiert an Erfahrungswerten und Angebot – für regionale Anbieter entschieden hat.

Verträge regeln Bedingungen

Diese Regelung gilt bis auf zwei Förderschulen für alle Grundschulen und bis auf das Berufskolleg auch für alle weiterführenden Schulen. In Verträgen sind die Bedingungen, Rechte und Pflichte festgehalten. Darin stehen dann etwa die hygienischen Vorschriften, wie viel Personal eingesetzt werden muss und dass die Mittagsverpflegung„den Anforderungen einer ernährungsphysiologisch wertvollen und schmackhaften Ernährung entspricht“.

Ob auch Grillwurst, Sahneschnitzel und Pizza Margaritha diesen Anforderungen genügen? Jedenfalls wurden diese Speisen auch in der vergangenen Woche an Eschweilers Schulen angeboten. Die Diplom-Ökotrophologin Michaela Schmidtke vom Gesundheitsamt der Städteregion Aachen erklärt, wie der optimale Speiseplan aussehen sollte: „Ich empfehle eine abwechslungsreiche Ernährung mit Betonung auf pflanzlichen Nahrungsmittel“, sagt sie. An Schulen sollten frisches Gemüse, Obst, Vollkorn- und fettarme Milchprodukte angeboten werden. Und: „Mageres Fleisch und Fisch sollten in Schulmensen nicht täglich angeboten werden.“  

Das sieht der Speiseplan an den weiterführenden Schulen in Eschweiler anders vor: Den Schülern steht immer ein Fleischgericht, ein vegetarisches Menü und gelegentlich ein bunter Salatteller zur Auswahl. Sie können aber nicht beeinflussen, was genau auf dem Menüplan landet. Das wäre auch nicht leistbar bei mehreren Tausend Schülern. „Allen kann man es nicht Recht machen“, erklärt Petra Seeger.

Das lernen auch die Jüngsten schon in Eschweiler. An den Grundschulen gibt es nämlich keine Wahlfreiheit bei den Gerichten. Dabei orientiere man sich an dem „Familienprinzip“, sagt Seeger. „Zuhause kommt auch nur ein Gericht auf den Tisch, das soll den Kindern auch so in den Schulen vermittelt werden.“

Dass Schulen großen Einfluss auf die Ernährung von Kindern haben, sagt auch Schmidtke, die ebenfalls ausgebildete Erzieherin ist. „Der Anteil übergewichtiger Kinder und Jugendlicher stagniert seit Jahren auf hohem Niveau. Bewegung und das richtige Essensangebot an Schulen ist daher wichtig“, erklärt die Expertin. Außerdem könnte den Schülern im Unterricht die kritische Reflexion ihres eigenen Essverhaltens beigebracht werden.

Denn wenn die Schule aus ist, trifft eben oft das ein, was man vermeiden will: Viele Schüler versorgen sich mit ungesundem Fastfood. Eben aus diesem Grund hält Petra Seeger es auch für wenig sinnvoll, das vom Speiseplan zu streichen, was den Schülern besonders gut schmeckt, wie etwa die Schokomilch.

Grundsätzlich hält auch Michaela Schmidtke das Schulmilchprogramm für sinnvoll: „Milch- und Milchprodukte stellen einen wichtigen Baustein in der Ernährung von Kindern und Jugendlichen dar“, sagt sie. „Aber gezuckerte Schokomilch kann nicht als guter Durstlöscher dienen.“ Sie empfiehlt stattdessen Trinkwasser kostenfrei zur Verfügung zu stellen und zuckerfreie Getränke anzubieten. Auch nach Ansicht anderer Ernährungswissenschaftler könne enthaltener Zucker Übergewicht und Karies fördern.

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