Eschweiler: Schützenbruderschaft St. Blasius blickt auf 300 Jahre Vereinsgeschichte

Eschweiler : Schützenbruderschaft St. Blasius blickt auf 300 Jahre Vereinsgeschichte

Die ältesten Aufzeichnungen der „Confraternität dess Hl. Blasy“ haben Kriege überdauert. Zwar wurden die alten Originale im Zweiten Weltkrieg beschädigt. Aber sie sind noch vorhanden und belegen, dass die Schützenbruderschaft Sankt Blasius Kinzweiler anno 1718 gegründet oder wieder gegründet wurde. Seit 300 Jahren also — mindestens — besteht diese Bruderschaft. Das wird am Pfingstfest gefeiert.

Ein Fest für den ganzen Ort. Die Straßen sind seit Tagen mit grünen und weißen Fähnchen geschmückt. Viele Kinzweiler Familien, natürlich besonders die Mitglieder der Schützenbruderschaft, haben mit alten Fotos und Erinnerungen zu einer 84 Seiten starken Festschrift beigetragen, die vom 2. Brudermeister Michael Müller zusammengestellt wurde.

Die Planungen für das Jubiläum laufen bereits seit Monaten: Der Festzug durch den Ort, die Musik, die kirchliche Feier. Die Verpflegung der Besucher, die Ehrungen. Weges des Jubiläums richtet St. Blasius in diesem Jahr das Bezirksschützenfest aus, die 1. Brudermeisterin Susanne Bonn wird dazu auch Diözesankönig Stefan Doncks aus Stolberg samt Gefolge begrüßen.

Schirmherr des Jubiläums-Schützenfestes ist Bürgermeister Rudi Bertram. Auch vom Landtagsabgeordneten Stefan Kämmerling findet sich ein Grußwort in der Festschrift. Kämmerling wird den Blasius-Schützen zum Jubiläum die Ehrenplakette des Landes Nordrhein-Westfalen überreichen, als Anerkennung für Bürgersinn, Heimatliebe und Gemeinschaftsgeist, mit denen die Mitglieder der Bruderschaft das Leben in Kinz-weiler reicher und schöner machen, wie er in seinem Beitrag schreibt.

Joannes Wercken war der erste Schützenkönig

Die alten Protokollbücher listen fast alle Schützenkönige seit 1718 auf. Der erste in der langen Reihe hieß Joannes Vercken. Sein Nachfolger in diesem Jahr wurde am Himmelfahrtstag ermittelt. Willi Bonn ist Schützenkönig von St. Blasius Kinzweiler in diesem Jubiläumsjahr. Weil er zum dritten Mal (nach 2000 und 2008) das Königssilber trägt, darf er sich Schützenkaiser nennen. Zusätzlich gibt es in diesem Jahr einen Jubiläumskönig, Timo Becker. Er wurde aus dem Kreis aller bisherigen Schützenkönige ermittelt. Jugendprinz wurde am Vatertag Pascal Krieger.

Dass die Geschichte der Kinzweiler Bruderschaft St. Blasius ebenso wie die Geschichte der Pfarre und der Bruderschaft der „Mutter zum guten Rat“ so gut dokumentiert ist, ist vor allem dem 2005 gestorbenen Lokalhistoriker Josef Granrath zu danken. Nach ihm ist inzwischen auch eine Straße in Kinzweiler benannt. Michael Müller, Autor der aktuellen Festschrift, würdigt Granrath deshalb mit herzlichen Dankesworten.

An der Liste der Schützenkönige seit dem Gründungsjahr lassen sich auch die politischen Geschicke des Rheinlands ablesen. So etwa für die Zeit von 1796 bis 1811. Das war die Franzosenzeit, das Rheinland war französisch, und das hieß auch antiklerikal. Das Vermögen der Bruderschaft wurde beschlagnahmt, die Bindung an die Kirche verboten, es gab weder Schützenkönige noch Schützenfest. Auch in und nach den beiden Weltkriegen im vorigen Jahrhundert lag das Schützenwesen still. Aber nicht nur politische Einflüsse lassen sich ablesen. „Kein Vogelschuss wegen Unstimmigkeit“ steht für die Jahre 1753 und 1754 in den Annalen.

Anziehungspunkt auch für Kinder

Dass es solche Unstimmigkeiten heute nicht mehr gibt, ist einem immer neuen Engagement der Schützen und — das ist in den vergangenen Jahrzehnten immer wichtiger geworden — der Schützinnen zu verdanken. In den 70er Jahren wurde die Kinzweiler Bruderschaft zu einem Anziehungspunkt für Kinder und junge Leute, die Jugendarbeit des Vereins wurde zur Basis für eine zukunftsfähige Entwicklung, zumal Kinzweiler Umsiedlungsstandort für abgebaggerte Orte war. „Viele junge Eltern kamen mit ihren Kindern zu den wöchentlichen Treffen und nahmen rege teil. Man unterhielt sich, lernte sich schätzen und versuchte sich gegenseitig zu akzeptieren“, beschreibt die Festschrift diese Entwicklung. Bis zu 40 Kinder kamen zu den wöchentlichen Treffen in den 80er Jahren, nachdem Fred Erkens Jungschützenmeister geworden war.

Viele Jahre lang gehörte auch eine Fahnenschwenkergruppe zum Vereinsleben in Kinzweiler dazu. Sie wurde vor wenigen Jahren aufgelöst.

Zu jener Zeit wurden die Schützenkönig per Armbrustschießen ermittelt. Zwar gründete sich auch eine Schießgruppe, die mit Luftgewehren schoss, aber dazu musste man Schießstände befreundeter Bruderschaften in Dürwiß und Nothberg benutzen. Das änderte sich erst Anfang der 90er Jahre. Mit viel Eigenleistung wurde neben der Kinzweiler Festhalle das eigene Schützenheim errichtet, mit integriertem Schießstand. Einweihung war 1992.

Acht Jahre später wurde ein eigener Schießstand angebaut. „Die Schützenbruderschaft hat nun einen eigenen Schießstand mit sechs Schießbahnen und ein Schützenheim mit großem Saal für 60 Sitzplätze, Theke, Küche und WC“, heißt es stolz in der Festschrift. Dieses Schützenheim wird auch für Familienfeste und an Vereine vermietet — mit ein Grund für wachsende Mitgliederzahlen. Aber auch eine Konkurrenz für die benachbarte Festhalle. Geführt wird das Schützenheim seit vielen Jahren von Cornelius und Brigitte Dickmeis.

Mit ein Grund für das funktionierende Vereinsleben ist das Engagement der weiblichen Mitglieder. 1996 wurde beschlossen, Frauen in das Offizierskorps zu übernehmen. Mit Uniform und allem, was zum Schützenwesen gehört. Inzwischen wird die Bruderschaft von Frauen geleitet: Die 1. Brudermeisterin (bereits seit 2007) Susanne Bonn und die Geschäftsführerin Manuela Müller bilden die Doppelspitze. Susanne Bonn war auch dreimal Schützenkönigin — damit wurde sie 2016 zur ersten Schützenkaiserin. „Ohne die Frauen und die frühe Erkenntnis, dass diese zum Vereinsleben dazugehören, würde die St.-Blasius-Schützenbruderschaft das vielfältige Schützenbrauchtum für Kirche, Heimat und Mitmenschen seit Anbeginn nicht schaffen“, heißt es in der Festschrift.

Dieses immer neue und immer wieder zeit- und arbeitsaufwändige Engagement der vielen ehrenamtlichen Helfer wird in der Festschrift hervorgehoben. „Jeder, der das Vereinsleben kennt“, schreibt Michael Müller, „weiß, wie viel Mühe, wie viel Eifer, Einsatzbereitschaft und Idealismus von einzelnen Mitgliedern aufgebracht werden müssen, um das Bruderschaftsleben lebendig und vor allem zeitgemäß zu gestalten.“