Schüler diskutieren mit Autor Stefan Alexander Entel über Europa

Europa ist ganz nah : Autor Stefan Alexander Entel besucht Schüler

Stefan Alexander Entel wohnt in der Nähe Hamburgs und im belgischen Eupen, sein beruflicher Mittelpunkt ist Luxemburg. Für junge Menschen heutzutage keinesfalls eine außergewöhnliche Konstellation. Doch der 1957 in Köln geborene Autor und Rechtsanwalt hat noch andere Zeiten in Erinnerung, in denen Grenzen auch zwischen den Staaten West- und Mitteleuropas noch eine Selbstverständlichkeit darstellten.

Dass es aktuell gar nicht so wenige Europäer gibt, die den Nationalstaat wieder enorm in den Mittelpunkt rücken und die Europäische Union entweder auflösen oder auf eine reine Handels- und Wirtschaftsorganisation beschränken wollen, stößt bei ihm auf starkes Unverständnis.

Auf Einladung der Verantwortlichen des Europavereins "Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft" (GPB) besuchte Stefan Alexander Entel nun am Freitag im Rahmen des auch durch die Kulturstiftung der Sparkasse Aachen unterstützten Projekts "Europa in der Schule" die Bischöfliche Liebfrauenschule (verantwortliche Lehrerinnen Veronika Hummel und Sabine Schleimer), die Realschule Patternhof (Christoph Steyer, Yener Kisin, Michaela Silbernagel) sowie die Gesamtschule Waldschule (Daniel Wilwertz), um mit mehr als 100 Schülerinnen und Schülern über die Ideen, die hinter einem vereinigten Europa stehen, ins Gespräch zu kommen und zu diskutieren.

"Ich bin aus Zufall Deutscher, aus Überzeugung Europäer" leitete der Verfasser des Buchs "9. Mai 1950 - Die Geburtsstunde Europas" seinen Besuch bei den Schülerinnen und Schülern der Sozialwissenschaftskurse der zehnten Jahrgangsstufe der Realschule Patternhof ein. Und machte somit deutlich, dass die Nationalität eines Menschen häufig schlicht und ergreifend von der aktuellen politischen Situation abhänge.

Ein Beispiel sei der ehemalige französische Außenminister Robert Schuman, der 1886 im heute luxemburgischen und damals zum Deutschen Reich gehörenden Ort Clausen als Deutscher das Licht der Welt erblickt habe und nach der Annexion Deutsch-Lothringens durch Frankreich automatisch französischer Staatsbürger geworden sei. Als Politiker habe dieser dann am 9. Mai 1950 mit der sogenannten Schuman-Erklärung, in der er die Schaffung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) vorschlug, in gewisser Weise die "Geburtsstunde Europas" eingeläutet.

Werbung für die europäische Integration: Autor Stefan Alexander Entel besuchte in Kooperation mit dem Europaverein GPB mehrere Schulen. Foto: Andreas Röchter

"Der grundsätzliche Gedanke von Robert Schuman, des deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer, aber vor allem von Jean Monnet war, ein friedliches Europa zu schaffen, in dem man es den ehemaligen Feinden Frankreich und Deutschland nicht zuletz durch wirtschaftliche Verknüpfungen unmöglich machte, gegeneinander Krieg zu führen", erklärte Stefan Alexander Entel. Auf der Grundidee, dass alle Mitglieder Teile ihrer Souveränität im gemeinschaftlichen Interesse abgeben, fuße die Europäische Union mit ihren (noch) 28 Mitgliedsstaaten, 300 Regionen und 500 Millionen Bürgerinnen und Bürgern nach wie vor.

Doch was verbinden die Jugendlichen mit Europa? In dieser Hinsicht gehen die Gedanken durchaus weit auseinander: Auf der einen Seite nennen die Realschülerinnen und -schüler die Begriffe "Frieden" und "Zusammenarbeit". Doch auch der Satz "Ich fühle mich nicht als Europäerin!" ist zu hören. Europa sei "weit weg" und habe mit dem alltäglichen Leben der Schülerinnen und Schüler "wenig zu tun". Doch sind den jungen Indestädtern beispielsweise Menschen mit französischer Staatsbürgerschaft vollkommen fremd?

"Nein, in vielen Bereichen haben wir eine gemeinsame Geschichte", so eine Schülerin. Ebenso ist der Gedanke, irgendwann einmal außerhalb Deutschlands zu leben, bei so manchem Heranwachsenden vorhanden. Wobei die Bandbreite von Schweden bis Griechenland reicht.

"Ihr habt Europa niemals geteilt erlebt. Die lange Friedenszeit, die es zuvor noch nie auf diesem Kontinent gegeben hat, ist für euch Normalität. Ebenso die Möglichkeit, innerhalb der EU grenzenlos zu reisen und in anderen Ländern zu leben", betonte Stefan Alexander Entel, der unterstrich, dass Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ihren Ausgangspunkt in Europa genommen hätten. "Europa ist viel mehr als ein Wirtschaftsraum", so der Autor.

Doch eine Gemeinschaft funktioniere nur auf der Basis von Solidarität. Und Europa sei keinesfalls schwach. "Wenn es zusammenhält", so das abschließende Fazit des Initiators der Initiative "European Citizen Foundation".

(ran)
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