Besonderer Physikunterricht: Schüler der Liebfrauenschule besuchen das THW

Besonderer Physikunterricht : Schüler der Liebfrauenschule besuchen das THW

Die Physik ist eine Naturwissenschaft, die grundlegende Phänomene der Natur untersucht. Zu den Phänomenen des Schulfachs Physik zählt jedoch, dass sich die Faszination des Fachgebiets nicht jedem Schüler grundsätzlich erschließt.

Nicht zuletzt pädagogischer Einfallsreichtum ist also gefragt, um den wissbegierigen Pennälern die Vorzüge näherzubringen, sich auf die Spuren physikalischer Gesetzmäßigkeiten zu begeben.

Die Stichworte lauten unter anderem Praxis statt Theorie sowie die Nutzung außerschulischer Lernorte.

 Eine Gelegenheit, physikalische Abläufe alltagstauglich und praxisbezogen kennenzulernen, bot sich am Donnerstagnachmittag den Schülern der achten Jahrgangsstufe der Bischöflichen Liebfrauenschule, die die Unterkunft des Ortsverbands Eschweiler des Technischen Hilfswerks (THW) besuchten. Dort erhielten sie von erfahrenen Einsatzkräften unter der Überschrift „Einfache Maschinen in der Physik“ Einblicke in die Arbeit der Zivil- und Katastrophenschutzorganisation und konnten selbst Hand anlegen, um physikalische Versuche im wahrsten Sinne des Wortes zu erfühlen und zu erleben.

„Dieser Nachmittag stellt eine fantastische Ergänzung zum Lehrplan dar, der für die Schüler der achten Jahrgangsstufe die Mechanik vorsieht. Versuche in der Schule sind gut und schön. Doch die Maßstäbe, mit denen beim THW gearbeitet wird, bekommen wir nicht annähernd hin. Natürlich verfügen wir in der Schule auch über einen Flaschenzug. Doch dieser zieht ein Gewicht von 100 Gramm. Hier bewegen wir uns in ganz anderen Dimensionen“, zeigt sich Lehrer André Fischoeder-Bierbaum, der an der Liebfrauenschule neben Physik die Fächer Mathematik und Chemie unterrichtet, von der Initiative der Verantwortlichen des indestädtischen THW’s begeistert.

Letztgenannte hatten im zurückliegenden Jahr alle weiterführenden Schulen Eschweilers angeschrieben und unterschiedlichste Kooperationen angeboten. „Nach Besuchen der Schulfeste der Gesamtschule Waldschule sowie des Städtischen Gymnasiums, wo wir zum Beispiel unsere Ausrüstung präsentierten, stellt die Visite der Liebfrauenschüler zur Unterrichtsergänzung nun eine Premiere dar“, erklärte THW’ler Erwin Emmerich, der innerhalb des Ortsverbands für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich zeichnet, die jungen Gäste am frühen Donnerstagnachmittag in der THW-Unterkunft am Florianweg in Empfang nahm und ihnen eine kurze theoretische Einführung in die Grundregeln der Mechanik gab.

Nach Erläuterungen zu Zug- und Druckkraft-Hebezeugen, Brechstangen, festen und losen Rollen, Flaschenzügen, schiefen Ebenen, Keilen, Greif- und Kettenzügen sowie Hebekissen und hydraulisch betriebenen Spreizern ging es „in medias res“, also in die Praxis. Das Anheben und der Transport von Lasten stand auf dem Programm. Und dies unter dem Motto „Einer für alle, alle für einen“, wie Erwin Emmerich unterstrich. „Ich bin seit 40 Jahren mit von der Partie und immer noch von der Kameradschaft beim THW fasziniert. Es ist klasse, wenn wir während einer Übung oder im Einsatz zusammenarbeiten, einer vom anderen profitiert und ich mich zu einhundert Prozent auf meinen Nebenmann verlassen kann.“

In die gleiche Kerbe schlug Zugtruppführer Marcus Schulz, der gemeinsam mit einigen THW-Mitstreitern den Schülerinnen und Schülern den Nutzen „einfacher Maschinen“ veranschaulichte: „Die Unerfahrenen lernen von den Erfahrenen. Wir ergänzen uns!“ Und: „Es gibt keine dummen Fragen. Wir haben alle mal so angefangen wie ihr“, ermutigte er die Jugendlichen, die sich mächtig ins Zeug legten. „Die Schülerinnen und Schüler sind auf freiwilliger Basis hier vor Ort“, machte André Fischoeder-Bierbaum deutlich.

Der Lehrer hofft, dass der eine oder andere Schützling von ihm seine Erlebnisse und Erfahrungen vom Donnerstagnachmittag im Schulfreundeskreis weitergibt und so weitere Schülerinnen und Schüler neugierig auf das THW und Physik macht. „Schließlich wurde hier deutlich, dass Themen, die wir im Unterricht behandeln, aus dem Leben gegriffen sind und man Unterrichtsinhalte auch im Alltag nach der Schule benötigt“, so der Pädagoge.

Erwin Emmerich steht einer weiteren Kooperation mit der Bischöflichen Liebfrauenschule und den anderen weiterführenden Schulen aufgeschlossen gegenüber. Denn natürlich stünde dem Ortsverband Eschweiler der eine oder andere Neuzugang gut zu Gesicht. „Nach der Aussetzung der Wehrpflicht ist es für uns schwieriger geworden. Wir müssen mehr Überzeugungsarbeit leisten als früher, um neue Mitglieder zu gewinnen“, betont Erwin Emmerich.

Überzeugungsarbeit in Richtung der Verantwortlichen der Liebfrauenschule, die Zusammenarbeit fortzusetzen, ist allerdings nicht mehr notwendig. „Bei Schulleiter Carsten Gier hat das Technische Hilfswerk offene Türen eingerannt“, weiß André Fischoeder-Bierbaum. Und der Physik-Lehrer hat schon Unterrichtsthemen der Jahrgangsstufen sechs und EF (momentan zehnte und nach Wiedereinführung von G9 elfte Jahrgangsstufe) im Blick, die sich bestens für weitere Besuche beim THW Eschweiler eignen.

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