Eschweiler: Schmunzeln erwünscht: Biggi Müller liest im „Gasthaus zum Markt”

Eschweiler: Schmunzeln erwünscht: Biggi Müller liest im „Gasthaus zum Markt”

So ein Fußball-Länderspiel gegen die „Waggese” (Belgier) kann ganz schön aufregend sein. Zumindest für Opa Hermann, der vor lauter Nervosität im Sessel sitzend mitkickt. Anders sieht dies Oma Jertrud, die zwar den Rosenkranz und Schillers „Glocke” auswendig kennt, aber von Fußball nun überhaupt keine Ahnung hat.

Der Dialog der Beiden während der 90 Minuten zwischen äußerster Erregung und größtmöglichem Unverständnis bildete den Auftakt der Lesung von Biggi Müller, die im „Gasthaus am Markt” unter der Überschrift „Ein Abend zum Schmunzeln” stand.

Und geschmunzelt wurde oft am Dienstagabend, Manchmal sogar lauthals gelacht. Vor allem nickten die Zuhörer aber immer wieder wissend. Denn so manche Anekdote, die Biggi Müller zum Besten gab, war im wahrsten Sinne des Wortes mitten aus dem Leben gegriffen.

Es war ein humoristischer Rundumschlag, den die Radiojournalistin in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Oelrich & Drescher vorbereitet hatte. Angefangen von den Geschichten des Dürener Autors Dieter Hermann Schmitz, der die Erlebnisse von Oma Jertrud in den Mittelpunkt stellt, über Kurt Tucholskys Beobachtungen eines gar nicht so uneitlen Mannes und Axel Hackes „kleinen Beziehungsberater” bis hin zu den Erlebnissen Jupp Hammerschmidts bezüglich der Putzleidenschaft der Eifeler Frau.

Diese hat zwar das Lebensmotto des Eifelers „Nur keine Hektik” durchaus verinnerlicht und bleibt selbst beim „Supergau”, der Heirat des Sohnes mit einer Kalterherbergerin durchaus gelassen (der Sohn wird lediglich enterbt und aus dem Familienstammbuch gestrichen), doch Ausnahmen bestätigen bekanntermaßen die Regel. „Erwacht die Eifelerin nach einer schweren Operation aus der Narkose und entdeckt auf dem Fenster des Krankenhauszimmers Schlieren, gibt es für sie kein Halten mehr”, zitierte Biggi Müller den Eifeler Kabarettisten.

Oma Jertrud tut sich dagegen mit dem runden Leder schwer. Diagnostiziert Opa Hermann nämlich Blindheit beim niederländischen Schiedsrichter des EM-Qualifikationsspiels Deutschland gegen Belgien, zeigt sie sich überrascht. „Wieso speelt der met, wenn er blind is?”, will sie wissen. Zumindest auf ihre Frage „Hammer jetz jewonne?”, erwartet sie nach dem Abpfiff aber eine deutliche Antwort.

Gar nicht so einfach. Das Spiel endete nämlich 1:1, Deutschland hat sich dadurch aber qualifiziert. Und so kann Opa Hermann rheinisch-eindeutig erwiedern: „Ja, nee!” So kommt Oma Jertrud zu folgendem Fazit: „Fußball is verröck. Do renne se der Ball hingerher, en wenn sem han, träne sem wedder vott!”

Tapfer nahmen die Herren der Schöpfung im Publikum dann die „Abrechnung” der Autorin Heilwig von der Mehden mit der Spezies „kranker Mann” hin. Diese sei nämlich viel kränker als eine kranke Frau oder ein krankes Kind. Deshalb nutze auch ein Arztbesuch nichts, da ihm doch nicht zu helfen sei, und es außerdem eine Freveltat sei, freien Männern Alkohol, Nikotin und Eisbein zu verbieten. Von Opti- und Pessimisten berichtet Axel Hacke in seinem Werk „Der kleine Beziehungsberater”, in dem seine Welt aus Paola und ihm besteht.

Seit rund 20 Jahren ist Biggi Müller als „Vorleserin” tätig. „Am liebsten humoristisch”, betont sie, Doch auch für Themenlesungen anderer Art ist sie offen. Mehr als zwei Stunden lang las sie im „Gasthaus am Markt” humorvolle Geschichten nach dem Motto „Quer durch den Garten” der Autorenlandschaft. Und abschließend lautete die Bilanz aller Beteiligten: „Ein Abend zum Schmunzeln.”