Eschweiler: Schmuddel-Tunnel und Parkchaos: Schlechte Noten für den Bahnhof

Eschweiler: Schmuddel-Tunnel und Parkchaos: Schlechte Noten für den Bahnhof

Es ist das ewig leidige Problem, das ihn schon seit vier Jahren begleitet: „Am Hauptbahnhof Eschweiler einen Parkplatz zu finden, ist fast unmöglich.” Edin D. (24) studiert Jura an der Universität Köln - und er ist einer von rund 2000 Pendlern, die täglich in Eschweiler ein- und aussteigen.

Der Student fährt jeden Morgen von Eschweiler Hauptbahnhof bis nach Köln - und abends wieder zurück. Wenn er morgens seine Wohnung in Alsdorf verlässt, weiß er, dass er mehr Zeit einrechnen muss. „Ich fahre inzwischen schon um kurz vor Sieben los, dann habe ich eine halbwegs realistische Chance, einen Parkplatz zu finden”, sagt er.

Es sind zwar nur 20 Minuten, die er zusätzlich einplant, doch er befürchtet auch, dass es in Zukunft immer mehr werden. Die Chance, einen Parkplatz zu finden, ist laut Edin seit einigen Monaten noch geringer, als sie ohnehin schon war. Die Stadt Eschweiler hat Fahrradboxen aufgestellt - 20 an der Zahl - sie bieten Platz für 40 Räder. Und „alle Boxen am Hauptbahnhof sind vermietet”, sagt Stadtsprecher Stefan Kaever. Sie wurden dort aufgestellt, wo einst Parkmöglichkeiten bestanden. „Es war noch nie leicht, einen Parkplatz zu finden, doch seitdem nun auch noch eine Baustelle auf dem Schotterplatz ist, grenzt es an ein Wunder”, schimpft Edin.

Ein Teil des Platzes ist nun komplett gesperrt. „Im Auftrag der Deutschen Bahn (DB) AG werden fünf Weichen auf der Strecke Aachen/ Köln im Bereich des Hauptbahnhofes und am Bahnübergang Jägerspfad ausgetauscht. Die Weichen werden in Einzelteilen geliefert und auf dem Schotterplatz zusammen geschweißt. Anschließend mittels Spezialkran, der auf den Schienen fährt, in ihre endgültige Position gebracht. Die Maßnahmen dauern noch bis zum 12. November an”, berichtet Kaever.

Doch „irgendwo müssen wir Pendler das Auto abstellen”, meint Edin. Und das tun sie auch. Viele Autofahrer weichen neben dem Schotterplatz nun auch auf die Seitenstraßen aus - sehr zum Leid der Anwohner. Edin musste sich schon Sätze wie „nur weil du hier parkst, hat meine Frau später keinen Platz” anhören. Bei anderen Beschimpfungen hört er schon gar nicht mehr hin. Einige Autofahrer parken zudem auf den Grünflächen oder stellen ihre Fahrzeuge im „Matsch” ab, wie Edin liebevoll einen Teil des Schotterplatzes beschreibt, der vor allem im Winter unbefahrbar wirkt. Daran verdient auch die Stadt: „Das Parken auf den Grünflächen ist natürlich verboten”, so Kaever.

Edin hat einen Lösungsvorschlag, der so banal wie sinnig klingt. „Wenn Markierungen auf dem Schotterplatz wären, gäbe es sicherlich auch mehr Platz, denn viele Autofahrer lassen einfach zu große Lücken beim Einparken.” Kaever aber sagt, dass ihm diese Situation bislang nicht als Problem bekannt war. Aus diesem Grund sei das Thema „Markierungen auf dem Schotterplatz” auch noch nie aufgekommen.

Schon lange versuchen Edin und andere Pendler, andere Wege zu gehen. Der Versuch, einen Parkplatz zu mieten, scheiterte jedoch. „Es gibt solche Plätze”, weiß Edin. „Sie sind mit Ketten versperrt und ich habe die Leute auch schon angesprochen, die dort parken. Mir wurde gesagt, dass ich bei der Stadt anrufen soll und dann würde ich einen Parkplatz kriegen. Die Antwort lautete dann, dass es nicht geht, weil die Plätze nur an Ortsansässige oder Personen, die dort in der Nähe arbeiten, vergeben werden”. Stefan Kaever hingegen sagt: „Es stehen noch Plätze frei, soweit ich weiß, da muss man sich bei der Liegenschaftsabteilung der Stadt melden”. Und sie seien für alle Pendler, egal woher sie stammen.

Insgesamt stehen ohnehin nur 204 Parkplätze zur Verfügung. Nicht alle der 2000 Pendler kommen mit dem Auto, dennoch erscheint die Zahl der gegebenen Plätze klein. Doch fehlende Parkplätze sind nicht das einzige Manko des Bahnhofs am Reigate-Bansteadt-Platz 1.

Die Deutsche Bahn (DB) gibt auf ihrer Webseite an, dass es weder ein WC noch eine Gepäckaufbewahrung gibt. Ein WC gibt es jedoch. Allerdings gehört dieses zum Kiosk. Und wenn das geschlossen ist, ist auch die Toilette gesperrt. Das sind zwar Dinge, die durchaus verkraftbar sind, doch was ist mit Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind? Eine Hilfeleistung gibt es nicht. Ein stufenfreier Zugang sei teilweise gegeben.

Laut DB bedeutet das: „Mindestens ein Bahnsteig ist über Wege, Rampen und Aufzüge stufenfrei erreichbar (Maximalstufe 5 cm)”. Diese Möglichkeit ist allerdings nur für „Gleis 1” gegeben, was wiederum bedeutet, dass Menschen mit einer Gehbehinderung oder anderen Einschränkungen lediglich in den Zug nach Aachen barrierefrei einsteigen können. Wer nach Köln möchte, muss den Weg durch die Unterführung hinüber auf „Gleis 3” auf sich nehmen. Der ist nicht nur steil und ohnehin nur mittels Treppenstufen zu überbrücken, sondern ebenso unansehnlich wie gefährlich, weiß auch Edin. „Ich sehe dort täglich beschmierte Windeln, Erbrochenes und andere unangenehme Dinge, die Menschen ausscheiden”. Im Winter wird er dann oft zum Helfer: „Omas habe ich auch schon geholfen, wenn im Winter nicht ordentlich gestreut wurde”.

Die Autofahrer trifft es nicht besser. Für den Schotterplatz gebe es keinen Winterdienst, sagt Stefan Kaever. All das sind Gründe, um sich zu ärgern, sagt Edin: „Es ist ja nicht erst seit gestern so”. Schon lange sollte der Bahnhof saniert werden. Auf die Frage, wann es nun endgültig soweit ist, schreibt Holger Klein, Pressesprecher Verkehrsbund Rhein-Sieg GmbH: „Der Ausbau des Bahnhofes Eschweiler hängt unmittelbar mit dem Ausbau der Strecke Düren-Aachen zusammen. Im Rahmen dieses Ausbaus war eine Änderung der Gleisanlagen geplant, die einen Umbau der Bahnsteiganlagen nach sich ziehen sollte.”

Da der Ausbau ursprünglich vor vielen Jahren schon erfolgen sollte, wurde der Hbf Eschweiler in den Jahren 2001 und 2008 zwei Mal aus der „Bahnhofsmodernisierungsoffensive” herausgenommen. Es geschah jedoch nichts. Der Hbf wurde weder saniert noch erneut in die „Bahnhofsmodernisierungsoffensive” aufgenommen. Bis zum Jahr 2016 muss eine Lösung her. Denn dann soll der Vorlaufbetrieb des „Rhein-Ruhr-Expresses” starten. Der Nahverkehr Rheinland führt derzeit Gespräche mit dem Land und der DB.

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