Eschweiler: „Schmuddel-Tunnel“ in Eschweiler ist bald Geschichte

Eschweiler : „Schmuddel-Tunnel“ in Eschweiler ist bald Geschichte

Einmal im Jahr bewertet der NVR (Nahverkehr Rheinland) die Bahnstationen in den Städten. Vor allem der Eschweiler Hauptbahnhof kommt bei der Beurteilung schlecht weg und landet in der Liste der „noch akzeptablen und nicht akzeptablen Station“ mit einem Wert von 86,2 Prozent auf Rang 23.

Bewertet wurden im vergangenen Jahr insgesamt 199 Stationen. Dass der Hauptbahnhof dringend saniert werden muss, ist bekannt. Jetzt steht fest, dass die Arbeiten noch in diesem Jahr beginnen werden. Wie die DB Netz AG mitteilt, sind die Vorarbeiten an der Oberleitung noch im Herbst geplant. Zudem soll eine provisorische Fußgängerbrücke errichtet werden. Der „Schmuddeltunnel“, durch den die Bahnnutzer heute zu den Gleisen 3 und 4 gelangen, wäre damit Geschichte.

Der Hauptbahnhof birgt viele Kritikpunkte: Der nach Fäkalien riechende, dunkle Tunnel und der zu kleine P&R-Platz sind nur zwei Aspekte. Auch die Möglichkeit, Fahrräder unterzustellen, ist alles andere als günstig. Wie‘s geht, zeigt die Lösung am Haltepunkt Weisweiler (Bild oben rechts). Foto: Patrick Nowicki

Die vier Haltepunkte der Euregiobahn liefern dem Stationsbericht zufolge hingegen wenig Anlass zu Kritik. Es fehlt lediglich ein Wegeleitsystem an den Bahnsteigen. Sie sind allerdings auch für Gehbehinderte zu erreichen. Warum ausgerechnet der vielfrequentierte Bahnsteig am Talbahnhof nur von einem Punkt aus die Barrierefreiheit garantiert, erschließt sich jedoch nicht — dort hätte man problemlos auch eine Rampe an der Franzstraße bauen können. Auch die Blindenleitstreifen und sogenannten Aufmerksamkeitsstreifen sind an den anderen drei Haltepunkten besser ausgeprägt. In Nothberg und St. Jöris besteht das Problem, dass die Haltepunkte weit außerhalb der Ortschaft liegen, und aus diesem Grund schwerer zu erreichen sind.

Der Hauptbahnhof birgt viele Kritikpunkte: Der nach Fäkalien riechende, dunkle Tunnel und der zu kleine P&R-Platz sind nur zwei Aspekte. Auch die Möglichkeit, Fahrräder unterzustellen, ist alles andere als günstig. Wie‘s geht, zeigt die Lösung am Haltepunkt Weisweiler (Bild oben rechts). Foto: Patrick Nowicki

Die Anbindung an den Individualverkehr ist nicht überall gelungen. In St. Jöris liegt der Parkplatz am etwa 200 Meter entfernten Sportheim des SV. Eine Fahrradbox findet man nicht. Gleiches gilt für West — allerdings liegt dieser Haltepunkt mitten im Wohngebiet. Vorbildlich ist die Situation in Weisweiler gelöst: Dort können Fahrräder entweder in Boxen, die man eigens mieten muss, oder unter einem Glasdach abgestellt werden. Der Bus hält unmittelbar neben der Haltestelle, Parkplätze für Pendler sind reichlich vorhanden. In Nothberg kann man zwar ebenfalls Boxen mieten, eine Stelle, Fahrräder anzuketten, findet man jedoch nicht. Einige Fahrgäste der Euregiobahn sichern ihr Zweirad, indem sie es an den Zaun der Rampe zum Bahnsteig anbringen.

... Wie‘s geht, zeigt die Lösung am Haltepunkt Weisweiler. Foto: Patrick Nowicki

Ausbau schwierig

Liegt etwas abseits im Indetal: Der Haltepunkt der Euregiobahn in Nothberg. Dort fehlt ebenfalls ein Unterstellplatz für Fahrräder. Foto: Patrick Nowicki

Auch in diesem Punkt sammelt der Hauptbahnhof Minuspunkte. Zwar kann man dort Radboxen anmieten, allerdings reichen diese offensichtlich nicht aus. Fahrradständer befinden sich unter dem Vordach des Hauptgebäudes auf dem Bahnsteig — keine gelungene Lösung. Wer auf einen freien Park- und Ride-Platz hofft, der muss einige Zeit für die Suche am Hauptbahnhof einrechnen. Im Rat regten Kommunalpolitiker deswegen an, über einen Ausbau des Platzes nachzudenken — allerdings gestaltet sich die Suche nach einem geeigneten Grundstück als schwierig.

An Barrierefreiheit ist am Hauptbahnhof nicht zu denken — die Bahngleise Richtung Köln sind nur über die Treppen und den Tunnel zu erreichen. Markierungen im Boden für sehbehinderte Menschen fehlen fast vollständig. Dies soll sich mit dem aufwendigen Umbau des Hauptbahnhofs ändern. In fünf Bauphasen sind die kommenden zwei Jahre unterteilt. In den kommenden Monaten werden zunächst eine provisorische Fußgängerbrücke errichtet und der Bahnsteig 1 am Hauptgebäude erneuert. Er soll ein neues Dach erhalten. Beide Bahnsteige sollen deutlich höher werden — von derzeit 38 Zentimeter ab Schienenoberkante auf 76 Zentimeter. Dies erleichtert den Einstieg. Der Tunnel bleibt zwar grundsätzlich erhalten, wird aber komplett saniert und mit zwei Aufzügen versehen. Für die Dauer der Bauarbeiten bleibt er komplett gesperrt. Mitte 2020 sollen alle Arbeiten am Hauptbahnhof abgeschlossen sein.

Im kommenden Jahr wird in Eschweiler ohnehin viel an der Bahnstrecke zwischen Aachen und Köln gearbeitet. An der Burgstraße soll die neue Bahnüberführung für Fußgänger und Radfahrer entstehen. Als Baustart gibt die DB Netz ebenfalls Anfang 2019 an. Diese neue Verbindung ist Bedingung, um den Bahnübergang Jägerspfad endgültig zu schließen. Erst dann kann das neue Stellwerk in Betrieb gehen. Der Autoverkehr soll über das Ringofengelände fließen, was vor allem im Zusammenhang mit dem Tunnel Stich immer wieder für Diskussionen gesorgt hat.

Die Deutsche Bahn will mit dem Umbau und dem neuen elektronischen Stellwerk ermöglichen, dass die Züge höhere Geschwindigkeiten fahren können. Derzeit seien an manchen Abschnitten nur maximal 110 Stundenkilometer erlaubt. Ziel sei es, langfristig von Düren bis Eschweiler die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf bis zu 200 und von Eschweiler bis Aachen auf bis zu 160 Stundenkilometer zu erhöhen.

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