Eschweiler: Schließung des Bahnübergangs: Grüne laufen Sturm

Eschweiler : Schließung des Bahnübergangs: Grüne laufen Sturm

Seit Jahren schwebt sie wie ein Damoklesschwert über Eschweilers Autofahrern, die Schließung des Bahnübergangs am Jägerspfad. Mitte kommenden Jahres soll es nach Aussagen der Bahn und der Stadt nun so weit sein.

Dann werden täglich einige Tausend Autofahrer gezwungen sein, vom Jägerspfad durch das Wohngebiet Floriansweg zum Sticher Berg auszuweichen, um sich von dort durch die immer noch nicht aufgeweitete Unterführung Richtung Innenstadt zu quälen.

Ein Vorhaben, gegen das Eschweilers Grüne jetzt Sturm laufen. Sie bezeichnen die Pläne von Stadt und Bahn AG als „absolut inakzeptabel“, wie Fraktionssprecher Dietmar Widell betont: „Wir werden die Schließung des Bahnübergangs Jägerspfad in der geplanten Form ablehnen, weil aktuell nicht hinreichend untersucht ist, wie sich die Verkehrsströme anschließend entwickeln bzw. verlagern werden und ob das Eschweiler Straßennetz diese Schließung überhaupt verkraftet.“

Für die Grünen ist das Vorgehen ebenso fahrlässig wie widersinnig: Während der Bahnübergang bereits Mitte 2018 geschlossen werden soll, ist mit der Fertigstellung einer an der Burgstraße geplanten neuen Unterführung für Fußgänger und Radfahrer nach jetzigem Planungsstand erst ein halbes Jahr später zu rechnen. „Das muss zeitlich natürlich genau umgekehrt laufen: Erst wenn die neue Querung fertig ist, darf der Bahnübergang Jägerspfad geschlossen werden“, fordern die Grünen.

Sie haben mit Blick darauf, dass der Autoverkehr künftig komplett durch den engen Tunnel am Sticher Berg gelenkt werden soll, aber noch weitaus gravierendere Bedenken und üben in diesem Zusammenhang heftige Kritik am städtischen Beigeordneten Hermann Gödde. Dieser hatte wörtlich erklärt, dass man sich „die Ströme nach der Schließung genau anschauen und die Verkehrslenkung entsprechend anpassen“ werde.

Auch dies sei die falsche Reihenfolge, so Widell: „Man kann doch mit der Schließung nicht einfach vollendete Tatsachen schaffen und dann ins Blaue hinein sagen: Schau’n mer mal, was danach auf unseren Straßen passiert. Verantwortungsvoll und vorausschauend zu planen, heißt: sich im Vorhinein und nicht erst nachher intensiv mit den möglichen Folgen einer Maßnahme auseinandersetzen. Das vernachlässigt die Stadt in diesem Fall auf fahrlässige Weise.“

Der Sticher Tunnel und die Einmündung Talstraße/Röthgener Straße mit dem problematischen Euregiobahn-Übergang seien bereits neuralgische Punkte und würden nach Schließung des Bahnübergangs Jägerspfad, den täglich etwa 4500 Autos passieren, deutlich stärker belastet. Im Grunde hätte die Stadt nach Auffassung der Grünen viel stärker darauf drängen müssen, dass die geplante Tunnelerweiterung am Sticher Berg als erste Maßnahme und nicht bloß vage als letztes Projekt irgendwann um das Jahr 2024 herum in Angriff genommen wird.

„Zunächst muss durch eine wissenschaftlich fundierte Verkehrsprognose gutachterlich ermittelt werden, inwieweit die Ausweichstrecken Tausende zusätzliche Autos verkraften und welche konkreten Möglichkeiten es überhaupt gibt, die Verkehrsflüsse verträglich zu steuern. Sonst stehen wir am Ende womöglich vor einem Chaos und wissen nicht, wie wir es in den Griff bekommen können“, erklärt Widell.

Dies gelte umso mehr, da auch die Feuerwehr und der Rettungsdienst betroffen seien: „Hier geht es im Ernstfall um Menschenleben. Wenn Herr Gödde nun sagt, die Stadt solle der Schließung jetzt zustimmen und man könne sich über die beste zukünftige Verkehrsführung später ja immer noch Gedanken machen, wird einem angst und bange.“