Scharwachedamen Eischwiele: „Lasst die Jungs heile den Saal verlassen“

Scharwachedamen feiern Mädchensitzung : „Lasst die Jungs heile den Saal verlassen“

Eine Verjüngungskur streben sie an. Die Frauen der Scharwache verwandeln ihren bisherigen Damenabend in die Mädchensitzung mit dem Ziel, das Sitzungsprogramm in der Delio-Arena noch mehr auf die Wiever zuzuschneiden.

Kurzweilig wurde der Abend. In seinem Verlauf stieg der Stimmungspegel kontinuierlich bis zu den Highlights am Schluss an – die Jubelstürme bewiesen es. Nicht weniger fesselnd war das Programm. Den Anfang machten die Pänz. Die Kindergruppen tanzten sich in die Herzen der Frauen, mit Elan und Esprit stimmten sie auf einen Abend voller Frohsinn ein.

Zu viel Kopfumfang 

Moderatorin Sonja Essers und ihre Ordonanz hatten sich ebenso wie die kunterbunte Menge verkleidet. Die Band „Rockabilly“ in den Farben blau, gelb und schwarz legte mit fetziger Musik los. „Bohei“ animierte die Danen zum Mitmachen mir einer Mischung aus eigenen Songs und gecoverten Hits der Kölner Idole. Ein weiterer jugendlicher und eigener Programmpunkt der Scharwache war anschließend die Showtanzgruppe. Mit bayrischem Flair entführten sie in Lederhosen zum südlich gelegeneren Volksfest.

Zu relativ früher Stunde stand der Besuch des Prinzengespanns an. Paulo I. nahm sich am Anfang Zeit, den Saal mit Rosen zu beglücken, ehe der Konfettiregen kurz vor der Bühne dazu führte, dass er es plötzlich doch eilig hatte. Nachdem die prinzlichen Lieder erklangen, wurden Geschenke und Orden ausgetauscht. Allerdings erwiesen sich dabei die, wie Zeremonienmeister Pedro bemerkte, 61 Zentimeter Manneskraft als zu groß. Paulos Kopfumfang überstieg die Kapazitäten des Damenordens der Scharwache, sodass Essers ihn doch wie eine Halskette öffnen musste, um den Prinzen ordnungsgemäß zu bestücken. Ihre umjubelte Tour durch die Damensitzungen setzten die Bit Boys auch in der Delio Arena fort und präsentierten sich mit Leidenschaft zu portugiesischen Liedern.

Fliegen war anschließend angesagt: Die Höppe Kröetsch kamen als Tanzcorps und boten über zwei Tänze und gut eine Viertelstunde lang gewagte Hebefiguren, Würfe und Gardechoreografien. Was man mit nur einer Gitarre und seiner Stimme schaffen kann, bewies Björn Heuser. Mühelos bringt er die Köln-Arena zum Singen und so auch die Delio-Arena, obgleich es bei ihm im Vergleich zu anderen kölschen Musik-Acts weniger pompös zugeht. Doch das hielt die Damen nicht davon ab, die bekannten Lieder mitzusingen.

Körperlich umfangreich, geistig unterhaltsam: Achnes Kasulke mit der einzigen Büttenrede des Abends. Foto: Manuel Hauck

Einzige Büttenrede

Umfangreich war der Auftritt der einzigen Büttenrede an diesem Abend. Achnes Kasulke unterhielt mit Geschichten aus ihrem Leben, der einzigartigen Putzfrau mangelte es nicht an Glitzer auf ihrem Arbeitsdress und ebenso sie stimmte Lieder an, die bei all den Lachern dann auch zum Mitträllern führten.

Gemeinnützig sollte die Mädchensitzung bei all der karnevalistischen Freude auch sein. Die Saal-Sammlung ging an den Verein Flügelschlag und kam somit direkt in der Indestadt zu gute. Was dann folgte, galt möglicherweise als Überraschung oder aber auch für die ein oder andere als bereits bekannter Geheimtipp. Aus Köln kommend stürmten sie die Bühne und zeigten eine halbe Stunde lang Energie pur. „Pläsier“ präsentierten ausschließlich eigene Lieder und das hat bei den kölschen Gruppen Seltenheitswert, in paritätischer Besetzung. Drei Frauen und drei Männer zählte das Ensemble, das die Stimmung sonderbar zum Kochen brachte. Der ganze Saal konnte nach kurzem Hören die rockigen Lieder mitsingen.

Wenn die gute Laune bis hierhin nicht die Närrinnen erreicht hatte, war das nun zweifelsohne der Fall: Das „Fauth Dance Company Gentleman Ensemble“ schickte neun Herren auf die Bühne, die wohl kein Fitnessstudio mehr brauchen. Konditionell zeigte die Kompanie weder körperlich noch in der Mimik Schwächen – selten haben die Damen eine so begabte Männertanzgruppe gesehen. Als die Mädche dann völlig hingerissen und jubelnd auf die Stühle sprangen, warnte Moderatorin Essers: „Lasst mir die Jungs heile den Saal verlassen.“

Zeit zum Verschnaufen, die nach diesem spektakulären Auftritt vielleicht nötig gewesen wäre, blieb nicht, denn zum Finale erwies die Mutter Scharwache ihre Audienz. Das Corps mit Tanzpaar Lilli Marie Wilhelms und Cedric Greven, dem Regimentsspielmannszug und den Gardetänzern präsentierten zum Abschluss den Fastelovend in seiner traditionellen Form. Was blieb, war zwar eine weitere, aber unvergessliche Mädchensitzung im indestädtischen Karnevalskalender.

(mah)