Eschweiler/Düren: Sarah Simon ist die beste medizinische Fachangestellte im ganzen Land

Eschweiler/Düren : Sarah Simon ist die beste medizinische Fachangestellte im ganzen Land

Wäre Omas Geburtstagsfeier nicht gewesen, würde Sarah Simon aus Eschweiler-Dürwiß nicht die beste Auszubildende Nordrhein-Westfalens sein. Die 21-Jährige ist vom Verband der Freien Berufe NRW ausgezeichnet worden, da sie ihre Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten vor der Ärztekammer Nordrhein als Jahrgangsbeste in der Winterprüfung 2016/2017 abgeschlossen hat — mit 1,0. Gelernt hat Simon bei Sabine Müller, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Düren.

Dass sie dort aber als Lehrling anfängt, war zunächst nicht direkt vorgesehen. Bei einer Familienfeier kamen Simon und Müller ins Gespräch über die Zeit nach der Schule, denn Sabine Müller ist die Tante von Sarah Simons Freund. Sie hat ihr dann angeboten, für die Findungsphase nach dem Abitur in der Praxis auszuhelfen. „Die Arbeit hat mir so gut gefallen, dass ich gerne dort auch die Ausbildung machen wollte. Man wird die ganze Zeit gefordert und hat viel Eigenverantwortung. Es geht mir darum, die Ärztin zu entlasten.“ Das ist auch der entscheidende Punkt für ihre Ausbilderin Müller: „In der Medizin muss ich mich auf den anderen verlassen können. Das Vertrauen und die konstruktive Zusammenarbeit sind mir sehr, sehr wichtig.“ Gerade in stressigen und angespannten Situationen habe Sarah immer die Contenance wahren können und war immer zuverlässig, fleißig und genau. „Alles, was man sich bei einem guten Lehrling nur wünschen kann“, schwärmt sie.

Dabei war es für Simon gerade am Anfang der Ausbildung nicht leicht. Vor allem das Telefonieren mit fremden Menschen und Instanzen wie Versicherungen und Krankenhäusern kostet sie zunächst etwas Überwindung. „Ich selber habe mir auch zur Aufgabe gemacht, mehr aus mir herauszukommen. Ich habe in der Zeit sehr viel für mich selbst dazugelernt und mich weiterentwickelt.“ Die Hürden hat sie erfolgreich gemeistert. Auch das sehr gute Zeugnis ist das Ergebnis stundenlanger, disziplinierter Arbeit. Um den Körper kennenzulernen, hat sie hierfür beispielsweise die Bilder aus dem Lehrbuch eigenhändig bis ins Detail abgemalt und verinnerlicht. „Ich bin jetzt nicht jemand, dem alles von vornherein zufliegt, sondern ich erarbeite mir das.“

Mit Auszeichnung nicht gerechnet

In Nordrhein-Westfalen gibt es derzeit rund 29.200 Auszubildende der Freien Berufe, die beispielsweise in Praxen, Kanzleien, Büros oder Apotheken arbeiten. Seit 2007 werden die erfolgreichsten Auszubildenden der unterschiedlichen Branchen vom Verband mit dem Titel „Beste/r Auszubildende/r“ gewürdigt. Dieses Jahr sind es mit Sarah Simon insgesamt 32 Menschen, die ihre Ausbildung überdurchschnittlich absolviert haben. Bereits im Januar hat sie ihre Lehrzeit nach 2,5 Jahren, nach verkürzter Ausbildungszeit, abgeschlossen. Dass jetzt noch eine Auszeichnung kommt, damit hat sie gar nicht mehr gerechnet.

„Es ist natürlich ein super Gefühl, eine Bestätigung für die viele Arbeit“, freut sich Simon. Auch Familie und Freunde sowie das Praxis-Team sind stolz auf sie. Aber wer sie lobe, müsse gleichzeitig auch ihre Ausbildungsstelle loben, betont die 21-Jährige. „Ich wurde immer gepusht, hatte viel Zeit zum Lernen und jeder Bereich war offen für mich. Das ist in einem Unternehmen nicht immer selbstverständlich.“

Logopädie-Studium begonnen

Dabei besteht die Praxis von Sabine Müller noch gar nicht allzu lange. Simon ist die erste Auszubildende dort gewesen und hat die Messlatte natürlich sehr hoch gelegt. „Wir haben sie immer veräppelt, wenn sie mal eine Eins minus geschrieben hat. ‚Das geht ja gar nicht‘“, erinnert sich Müller und lacht. Neue Auszubildende seien aber immer willkommen und müssen auch nicht als beste von Nordrhein-Westfalen abschneiden. Simon hat nach ihrer Zeit in der Praxis ein Studium der Logopädie in den Niederlanden angefangen und möchte später ebenfalls ihre eigene Praxis haben.

Medizin zu studieren, sei sehr zeitintensiv und mit viel Verantwortung verbunden, vor allem für das Leben des Patienten. Mit Logopädie hat sie einen guten Kompromiss gefunden: „Der Kontakt mit den Menschen und das Medizinische sind noch dabei. Auch der Mix aus Psychologie, Pädagogik, Sprache war es, der mich schließlich zur Logopädie geführt hat.“ Und wer weiß, wenn sie irgendwann dann ihre eigene Praxis hat, wird sie vielleicht selber zur Ausbilderin des besten Lehrlings Nordrhein-Westfalens.

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