Eschweiler: Rheinkalk macht sich Ende des Monats aus dem Staub

Eschweiler : Rheinkalk macht sich Ende des Monats aus dem Staub

Immer wieder öffnet sich die Tür, Mitarbeiter kommen herein, um sich vom Vorsitzenden des Betriebsrates und von dem Vertreter der Gewerkschaft Ratschläge geben zu lassen, wie sie sich im Einzelgespräch mit der Geschäftsführung verhalten sollen. An den Wänden hängen Aufkleber.

„Kampfbereit” steht darauf geschrieben, unter einigen hängt die Visitenkarte des Gewerkschaftssekretärs, die Stimmung ist gedrückt. Die Zukunft der 21 Mitarbeiter steht auf dem Spiel: Die Hastenrather Kalkwerke legen die Produktion zum Ende des Monats still.

Die Mitarbeiter sollen zukünftig in anderen Werken des Unternehmens beschäftigt werden. Das nächste liegt bei Wülfrath-Flandersbach, rund 115 Kilometer entfernt. Die Mitarbeiter stehen vor der Wahl, umzuziehen oder täglich zu pendeln.

Vier Konzepte

Um den Mitarbeitern den Übergang zu erleichtern, hat der Betriebsrat vier Konzepte entwickelt. „Die wurden aber alle irgendwie abgebügelt, teilweise ohne Begründung”, kritisiert Gewerkschaftssekretär Reinhard Steffen.

In seinem ersten Konzept schlägt der Betriebsrat vor, die Produktion fortzuführen und nur den Ofen stillzulegen. „So hätte man den Übergang in den Ruhestand über Altersteilzeit regeln können”, sagt Marco Maus, Vorsitzender des Betriebsrates.

Im zweiten Fall hatte eine ortsansässige Firma Interesse bekundet, den Steinbruch weiterzuführen. „Nach Gesprächen mit der Geschäftsführung hat sich das aber in Schall und Rauch aufgelöst”, sagt Steffen.

Eine dritte Möglichkeit sieht der Betriebsrat in dem Verkauf an ein anderes großes Unternehmen, beispielsweise an den Konkurrenten Schäfer-Kalk aus Rheinland-Pfalz. „Das hätte aber die Konkurrenz hier ins rheinische Braunkohlenrevier geholt. Das will man sicherlich verhindern. Es könnte auch sein, dass das Werk nur gekauft wurde, um eben diese Konkurrenz fernzuhalten. Das würde dann auf Kosten der hiesigen Mitarbeiter geschehen”, spekuliert Reinhard Steffen von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt.

Eine weitere Möglichkeit, die Stilllegung sozialverträglich zu gestalten, sieht der Betriebsrat in der Gründung einer Beschäftigungsgesellschaft, die mit Rheinkalk auf der Basis von Altersteilzeit ein Rekultivierungsmodell entwickelt. „So könnten die altgedienten Kollegen mit der Wiederherstellung der Natur in Rente gehen”, erklärt Maus.

Geschäftsführung bleibt stumm

An eine Rekultivierung des Geländes scheint aber bisher nicht gedacht zu sein. Laut Gewerkschaft wurden von der Geschäftsführung keine weiteren Zukunftsvorstellungen geäußert, auch nicht gegenüber der zuständigen Bezirksregierung. Offensichtlich steht eine solche Maßnahme zunächst nicht auf dem Plan. „Jahrelang hat man hier den Kalk aus der Erde geholt, dann ist das Werk verkauft worden, und jetzt macht man sich einfach aus dem Staub. Auf der Strecke bleiben 21 Familien mit allem, was daran hängt”, kritisiert Steffen.

Die Pressestelle des Unternehmens hat uns mitgeteilt, die Geschäftsführung sei aufgrund laufender Gespräche und Verhandlungen nicht bereit auf unsere Fragen zu antworten.

Die Fragen lauteten: Warum wurden die vier Konzepte des Betriebsrates abgelehnt? Welche Strategie steckt dahinter, ein Werk zu kaufen und ein halbes Jahr später stillzulegen? Zur Begründung der Schließung werden mangelnde Sicherheitsstandards und die bauliche Substanz des Werks herangezogen. Hätte man das nicht schon im Januar wissen und sich den Kauf sparen können? Warum wird das Werk stillgelegt und nicht zum Kauf angeboten? Will man nur die Konkurrenz aus dem rheinischen Braunkohlerevier raushalten?

Was ist mit einer Rekultivierung des Geländes? Wie sehen die Pläne aus? Hat die Schließung etwas mit dem Kauf des Werkes in Warstein zu tun? Ist man aus kartellrechtlichen Gründen nun gezwungen, Kapazität vom Markt zu nehmen? Oder geht es hier um Emmissionsrechte? Bei einer Stilllegung des Ofens wäre es doch möglich, mit den Emmissionsrechten in anderen Werken mehr zu produzieren. Wie wollen sie mit den Mitarbeitern umgehen? Wie sieht der Sozialplan aus? Glauben Sie, dass den Mitarbeitern ein Umzug oder tägliches Pendeln, zum Beispiel nach Wülfrath-Flandesbach zuzumuten ist?

Warum wurde die Anwesenheit eines Gewerkschaftsvertreters bei den Gesprächen zwischen Geschäftsführung und Mitarbeitern abgelehnt? Warum hat der Vorbesitzer das Werk verkauft? Diese und viele andere Fragen bleiben unbeantwortet.

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