Eschweiler: Rheinische Nacht mitten im fernen Orient

Eschweiler: Rheinische Nacht mitten im fernen Orient

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe und versetzte eine ganze Region in einen wahren Freudentaumel. Das sagt zumindest René Hoppenreis. „Als wir ankündigten, in Avsallar ein Konzert zu geben, brachen alle Dämme.”

Die Neuigkeit, die zwischen den türkischen Touristenorten Side und Alanya so wohlwollend aufgenommen wurde, lässt sich am besten so zusammenfassen: Die Eschweiler Karnevalstruppe „De Fröngde” wird in der Türkei an drei Abenden im August live auftreten und - wie es Band-Mitglied Hoppenreis ausdrückt - „den Frohsinn des Eschweiler Karnevals hinaus in die Welt tragen.” So weit, so gut.

Dass genau das bereits verschiedene Vereine versucht haben, ist an sich nichts Außergewöhnliches, „aber im Mundartbereich gibt es so etwas eben noch nicht”, sagt Hoppenreis. Die „1. Rheinische Nacht” soll als echte Weltpremiere diesen „Missstand” (Band-Mitglied Bernd Bernholz) beheben und ganz nebenbei auch die dortigen musikalischen Verhältnisse auf den Kopf stellen. „Dort begreift überhaupt niemand, was Karneval eigentlich ist”, sagt Hans Peter Boßer, der gemeinsam mit seiner Frau Andrea mehrere Monate im Jahr in Avsallar lebt und somit als einer von rund 8000 Deutschen in der Region zählt.

Auf Initiative der Boßers wurden Kontakte zur Avsallarer Stadtverwaltung geknüpft und ein geeigneter Platz für das Konzert gefunden. „In Avsallar weiß niemand, was Zapfanlagen oder Toilettenwagen sind”, sagt Boßer. Die müssen nun aus dem weit entfernten Istanbul geordert werden.

Über 100 Indestädter sind dabei

Mit fünf Band-Mitgliedern, vielen Verwandten und Freunden werden sich die „Fröngde” Anfang August in einem bislang rund 100 Mann starken Trupp auf den Weg machen, bevor sie am 10., 12. und 14. August jeweils mit einem zweistündigen Programm den Touristen, vor allem aber den Einheimischen richtig einheizen wollen. „Es geht um einen intensiven kulturellen Austausch, wir wissen immer noch zu wenig voneinander”, sagt Hans Peter Boßer und verspricht: „Die Leute sind richtig gespannt auf die Musik.”

Das freut auch Rudi Bertram. Der Eschweiler Bürgermeister ist stolz auf so viel kulturelles Engagement, auch und gerade über Grenzen hinweg: „Wenn so viele Leute aus Eschweiler in einem anderen Land mit anderen Menschen zusammen feiern, ist das natürlich toll für unsere Stadt.”

Die Flugtickets jedenfalls sind reserviert, und jetzt gibt es eigentlich nur noch ein Problem. Ein organisatorisches und - vorsichtig ausgedrückt - ziemlich schweres: „Wir müssen 800 Kilogramm Material und Instrumente ins Land bringen”, sagt Hoppenreis.

Diese Sorgen konnten die Fröngde durch Genehmigungen und Zolltricks bereits umschiffen. Aber: „Bei noch 40 Grad abends können wir schlecht in unseren normalen Uniformen auftreten.” Das Klima werden die „Fröngde” nicht ändern können. Die Musik hingegen vielleicht schon.

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