Rathausquartier Eschweiler: Auch FDP kritisiert Pläne

Innenstadtentwicklung : Pläne fürs Rathausquartier: Zahl der Kritiker wächst

Die Pläne der Ten-Brinke-Gruppe für das Areal am Eschweiler Rathaus rufen immer mehr Kritiker auf den Plan. Nach der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen meldet sich nun auch die FDP zu Wort. Die Liberalen schreiben von „einfachster, weißer Kubenarchitektur“.

Man habe sich mehr versprochen, heißt es. Auch die Eschweiler CDU bereitet einen Punktekatalog vor, in dem die Pläne des niederländischen Investors scharf kritisiert werden.

Die FDP Eschweiler kritisieren die „offensichtlich auch von der Stadtverwaltung bereits positiv beurteilten Pläne“ zum Umbau des Rathausquartiers als „gestalterisch anspruchslos, verkehrstechnisch dringend überplanungsbedürftig und insgesamt als nicht zur Architektur der Innenstadt passend“. Begrüßt werde hingegen der generelle Ansatz, die Gegend um Markt und Rathaus wieder zu aktivieren.

Positiv hervorgehoben sei, dass sich die Stadtverwaltung in den letzten Jahren immer wieder aktiv bemüht habe, dieses Gebiet im Sinne der Bürger attraktiv und vielseitig umzugestalten „Doch dieser Entwurf wirft mehr Fragen auf, als dass er als optimale Lösung für die Innenstadt bezeichnet werden kann“, teilt der FDP-Fraktionsvorsitzende Ulrich Göbbels mit. Er kritisiert die Verwendung von Fertigmodulen in Plattenbauweise. Die Architektur ähnele dem Erscheinungsbild von Lebensmitteleinkaufszentren, wie sie bereits am Langwahn oder in Dürwiß zu finden sind. Göbbels meint: „Es kann doch nicht sein, dass wir für die Innenstadt Fassadenprogramme auflegen, Millionen in das neue Stadtmuseum stecken und dann einfachste, weiße Kubenarchitektur als großen Wurf den Bürgern verkaufen wollen“.

Einen weiteren kritischen Punkt spricht der FDP Stadtverbandsvorsitzende Christian Braune an, der die geplante Verkehrserschließung des Gebietes moniert. „Die oberirdischen Parkplätze sind nach den vorliegenden Entwürfen wohl ausschließlich von der Wollenweberstraße zu erreichen. Bei 160 Kurzzeit-Parkplätzen kann man sich vorstellen, welche Verkehrsprobleme dort entstehen. Dafür ist diese Straße gar nicht ausgelegt.“

Fußläufige Anbindung

Vermisst werde eine fußläufige Anbindung an die Dürener- und Indestraße. „Derartige Anbindungen scheinen nicht vorgesehen - zumindest weisen es die aktuellen Pläne nicht eindeutig auf“, teilen die Liberalen mit. Die FDP fordert, die Kommunalpolitiker schon vor Beauftragung eines Verkehrsgutachtens stärker in dessen Untersuchungsaufträge und –vorgaben einzubinden. „Hier handelt es sich nicht mehr nur um laufendes Geschäft der Verwaltung, sondern um die Vertretung von Bürgerinteressen, da die heutige Planung des Einkaufszentrum für deutlich mehr Verkehr in der Innenstadt sorgen wird. Die geplante Anbindung wird sehr wahrscheinlich zu deutlich mehr Verkehr in den anliegenden, teilweise mit großem Finanzaufwand sanierten und beruhigten Straßen führen“, meint Christian Braune.

Er verweist auch auf die Aussagen des Beigeordneten Hermann Gödde, wonach ein Rückbau der Indestraße in 2023 Zielsetzung sei. „Wie das funktionieren soll, muss uns ein Verkehrsplaner erst einmal erläutern“, fordert er. Man wolle wissen, welche Folgen sich für die Anwohner zwischen Talstraße und Dürener Straße wegen der Ausweichrouten ergeben.

Die generelle Ansiedlung eines Einkaufszentrums begrüßt der stellvertretende Stadtverbandsvorsitzende Stefan Schulze mit Blick auf den demografischen Wandel. „Wir haben in den kommenden Jahren mit einem weiteren Zuzug von Senioren in die Innenstadt zu rechnen, was kommunal-, landes- und bundespolitisch so gewollt ist. Dann müssen wir den Menschen auch zentrumsnahe Einkaufsmöglichkeiten auch für den täglichen Bedarf bieten.“ Doch der Entwurf habe nichts mehr damit zu tun, was den Kommunalpolitikern von der Stadtverwaltung als „Wohnen und Handel im historischen Kontext“ vorgestellt worden sei. Gute Aufenthaltsqualität sei in der Planung nicht erkennbar.

„Der uns vorgestellte Mix von Mietern lässt die Sorge aufkommen, dass im Umfeld Filialen schließen werden und weitere Gewerbeflächen veröden“, fügt Dagmar Göbbels von den Liberalen Frauen hinzu. Auch sie befürwortet die Ansiedlung von Handels- und Gewerbeflächen am Rathausquartier, wünscht sich aber einen anderen Mix.

Wie die Grünen fordert die FDP, die Interessen und Wünsche vor der Genehmigung der Baupläne und der weiteren Planung des Verkehrskonzeptes stärker zu berücksichtigen.

(pan)
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