Eschweiler: Quintett „Mit ohne alles“ begeistert im Talbahnhof

Eschweiler: Quintett „Mit ohne alles“ begeistert im Talbahnhof

Zu welchen Leistungen die menschliche Stimme fähig ist, bewies die A-cappella-Gruppe „Mit ohne alles“. Unter dem Titel „Studentenfutter 2.0“ gab die Aachener Formation dem Eschweiler Publikum eine Kostprobe ihres Könnens im Talbahnhof. Dabei verzichteten die fünf Musiker nicht nur auf Instrumente, sondern vielmehr erzeugten sie die Rhythmen von Schlagzeug, Gitarre und Bass selbst — eben mit dem Mund.

Neben einigen gecoverten Hits wie zum Beispiel „Scar Tissue“ von den Red Hot Chilli Peppers, „Umbrella“ von Rihanna, „Hotel California“ von den Eagles oder „I‘m yours“ von Jason Mraz, standen vor allem die eigenen Lieder von „Mit ohne alles“ im Vordergrund. Und passend zum Programmtitel „Studentenfutter 2.0“ geht es in den selbstgeschriebenen Songs um Themen, die Studenten bewegen. Schließlich sind oder waren alle fünf Sänger bis vor kurzem selbst Studenten.

Um eine unüberwindbare Sprachhürde geht es in „Te quiero“. Ein Student lernt eine attraktive Frau in einer Bar kennen. Doch plötzlich stellt sich heraus, dass die Angebetete nur Spanisch spricht. Dem persönlichen Kennenlernen gegenüber steht das Dilemma, das die Band in „Sozial vernetzt“ beschreibt: Wenn man zwar viele Freunde hat, aber leider nur online und nicht im richtigen Leben. Soziales Miteinander sei wichtig, so lautet der Appell von Joachim Geibel, Axel Sixt, Moses Fendel, Tobias Malms und Yannick Flaskamp, den fünf Mitgliedern von „Mit ohne alles“. Mit ihrem Lied „Allein auf dieser Welt“ unterstrich die Gruppe diese Botschaft. Was wäre die Welt schließlich ohne Zweier-Pärchen wie „Marianne und Michael oder Florian und sein Silbereisen“, scherzte Yannick Flaskamp.

Die selbstgeschriebenen und selbstkomponierten Lieder der fünf Musiker spiegelten aber nicht nur studentische und sozialkritische Themen wider. Den Titel „Weiße Flagge“, ein politisch inspiriertes Lied, widmete die Band den Demonstranten in der Türkei. Die Ereignisse haben die Band sehr berührt, weil sie erst vor zwei Jahren in der Türkei auf Tournee war. „Weiße Flaggen übersehen, oh Verzeihung, wer glaubt das denn?“, sangen die Studenten einfühlsam.

Trotz aller Ernsthaftigkeit und Realitätsnähe, die „Mit ohne alles“ in vielen Liedern vermittelte, blieb der Spaß dabei nicht auf der Strecke. Hinter dem Liedtitel „Das beste Stück“ steckte zum Beispiel nicht ein vermeintlicher Hieb unter die Gürtellinie, sondern eine Hymne an das Mikrofon, das wichtigste Arbeitsmittel eines Sängers. Mit dem Stück „Phantasie“ bewiesen Axel Sixt und Yannick Flaskamp ebensolche und arrangierten aus einem Textauszug aus Goethes Faust einen gelungenen Crossover-Song.

Außer mit ihrem Gesang und Beatboxing wussten die Sänger ihr Publikum zudem mit ihrer witzigen Art der Anmoderation ihrer Lieder sowie spontanen Tanzeinlagen zu begeistern — auch wenn sie dabei vielleicht einmal den Text kurzzeitig vergaßen oder verwechselten. Diese kleinen Patzer verziehen die Zuhörer aber gerne, vor allem da die A-cappella-Gruppe in einer Premiere ein neues Liebeslied mit Volksmusik-Einschlag aufführte, in dem es um die ungewöhnliche Romanze zwischen einer Germanistik-Studentin und einem Mechatroniker geht.

Am Ende war es kein Wunder, dass „Mit ohne alles“ vom Publikum mit stürmischen Applaus zwei Mal um Zugabe geben wurde. Schließlich hatte die Gruppe die Eschweiler zuvor anderthalb Stunden lang in ihren Bann gezogen. Als Appetithappen auf die „Christmas Special“-Konzerte, die die fünf Männer ab nächster Woche in verschiedenen Städten, wie Bonn, Köln und Aachen geben werden, trugen die Studenten ihre eigene Version des Weihnachtsklassikers „Oh du Fröhliche“ vor. Und ganz zum Schluss, da sangen „Mit ohne alles“ wirklich ohne alles, auch ohne Mikrofon. Mit Leonard Cohens bewegender Ballade „Halleluja“ setzten Joachim Geibel, Axel Sixt, Moses Fendel, Tobias Malms, und Yannick Flaskamp den passenden Schlussakkord unter ein mitreißendes Konzert.

(zsa)