Prinzenkürung im Haus Flatten

„Herzog Breijwellem“ und „Graf Zapphahn“ : Paulo und Pedro Mendes als neues Prinzengespann gekürt

Es ist vollbracht: Paulo und Pedro Mendes sind am Wochenende im proppevollen Saal des Hauses Flatten als neues Prinzengespann gekürt worden. Am 26. Januar geht mit der Proklamation zum Prinzen ein nahezu lebenslanger Traum für Paulo Mendes in Erfüllung.

Acht Mal ging in den zurückliegenden bald 91 Jahren alles gut. Doch die hohen Herren der KG Blaue-Funken-Artillerie Eschweiler spielen Vabanque. Und so sprach Präsident Marc Engelhardt am Freitagabend um Punkt 20.22 Uhr während der Kürung des designierten Prinzen im proppenvollen Saal des Hauses Flatten vor zahlreichen Ohrenzeugen folgenschwere Worte in Richtung der honorigen Herrschaften des Karnevals-Komitees der fantastischen Stadt Eschweiler:

„Es ist nun an der Zeit, euch die beiden Funken ‚Schwaades’ und ‚Wattrelos’ anzuvertrauen. Wir haben mit Paulo und Pedro Mendes unsere mit Abstand schönsten Prachtexemplare ausgesucht. Passt gut auf sie auf“, so die eindringliche Bitte, die Marc Engelhardt allerdings mit einem „kraftvollen“ Hinweis verband. „Kehren die beiden am Aschermittwoch auch nur mit einer Schramme in den Schoß ihrer geliebten Blauen Funken zurück, so wird postwendend eine Gerichtsverhandlung unter dem Vorsitz von Resi Flatten anberaumt werden müssen“, fuhr der Präsident schwerste Geschütze auf und ließ Norbert Weiland schlucken.

Doch die Beschwichtigung folgte auf dem Fuße: „Wir haben unseren beiden Lichtgestalten natürlich auch das schönste und beste Komitee ausgesucht. Passt ebenso auf dieses auf“, nahm der Redner das designierte Prinzengespann ebenso in die Pflicht, um unmittelbar darauf die Überstellung an das Komitee mit den Worten „O Glorioso! Viva Paulo e Pedro“ zu vollenden.

Hotelgewerbe, Wandern, Blaue Funken, Kegeln und Roboter: Angeführt von Juppi Küpper (2.v.l.) skizzieren die „Dürwißer Jonge“ das Leben des Prinzengespanns punktgenau. Foto: Andreas Röchter

Der portugiesischen Herkunft der angehenden Narrenherrscher trug Marc Engelhardt übrigens Rechnung, indem der Präsident der KG Blaue-Funken-Artillerie allen Ernstes in den Farben rot und weiß an das Mikrofon trat. Geschuldet war dies den „Águias“ (Adlern) der Vereinigung „Sport Lisboa e Benfica“, der neben den Funken zweiten ganz großen gemeinsamen Leidenschaft des Brüderpaares, das, den berühmten Kickern des Eusébio-Clubs in den Katakomben des „Estádio da Luz“ (Stadion des Lichts) gleich, aufgeregt und voller Vorfreude darauf wartete, „zum wichtigsten Spiel der Karriere“ einzulaufen. „Die Eischwiele Fastelovend ist bunt und international!“, gab Marc Engelhardt den beiden Hauptprotagonisten der Kürung den Auftrag mit auf den Weg, die Sonne in den Herzen der Menschen aufgehen zu lassen. Kein Problem für Paulo und Pedro, die auf den Wogen der Begeisterung der Kürungsgäste in den Saal schwebten und einen ersten Vorgeschmack auf das, was da noch kommen mag, gaben.

Voller Vorfreude nahm dann auch Komiteepräsident Norbert Weiland das (designierte) neunte Prinzenpaar in der ruhmreichen Historie der KG Blaue-Funken-Artillerie Eschweiler in Empfang und blickte zunächst auf den 339. Tag des Jahres 1970 zurück, an dem einen Tag nach Nikolaus ein gewisser Paulo Mendes das Licht der Welt erblickt und somit das Ende der ruhigen Zeiten in der Indestadt eingeläutet habe. „Dieses Knäblein war mit sechs Monaten der deutschen Sprache mächtig. Und seitdem stand das Mündchen auch nicht mehr still“, plauderte Norbert Weiland aus dem Nähkästchen.

Generationenübergreifend: Der jüngste Prinzenbläser Lukas Froesch und sein an Erfahrung reiches Pendant Dieter Kaltenbach präsentierten mit „You raise me up“ einen musikalischen Gruß der Extraklasse. Foto: Andreas Röchter

Bevor die kommende Tollität beruflich die halbe Welt in Augenschein genommen habe, sei 1988 der Eintritt in das Traditionskorps in Blau und Weiß erfolgt. Die Stationen innerhalb seiner karnevalistischen Heimat lauteten seitdem: Bassposaune im Trompeterkorps, Obergefreiter mit Reißverschluss, Funkenmajor und Tanzoffizier.

Und am 26. Januar des kommenden Jahres gehe nun mit der Proklamation zum Prinzen ein nahezu lebenslanger Traum in Erfüllung. „Dieser Traum beinhaltet aber nicht nur Vergnügen pur, sondern auch die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Du wirst öffentlicher Vertreter der gesamten Bürgerschaft sein mit der vornehmsten Aufgabe, alle, wirklich alle Menschen, auf deinem Weg mitzunehmen. Trage die Sonne in Kindergärten und Seniorenzentren, sei fünfeinhalb Wochen unser aller Prinz Karneval“, schrieb der Komiteepräsident Paulo Alexandre dos Santos Mendes alias „Herzog Brejwellem – van Lissabon över Rio on Moskau bes no Eischwiele“ ins Stammbuch.

Aus vollem Hals, ausdrucksstark und von Thomas Lammertz am Klavier begleitet, präsentierte der Ehrenrat die „Blaue-Funken-Hymne“ in einem bislang nahezu unbekannten portugiesischem Dialekt. Foto: Andreas Röchter

An dessen Seite werde mit Bruder Pedro Nuno dos Santos Mendes alias „Graf Zapphahn – van Kölle övve Ooche on Welz bes no Eischwiele“ der „Meister der Zeremonie“ agieren. Dieser habe schon unmittelbar nach seiner Geburt am 6. März 1969 in Lissabon erkennen lassen, dass „dörfliches Leben“ nichts für den dreifachen Vater sei. „Pedro Mendes benötigt Weltstadtflair und fand dieses am Indestrand“, sprach Norbert Weiland ohne mit der Wimper zu zucken lediglich Tatsachen aus.

Vier Jahre nach Paulo habe sich auch Pedro erfolgreich um den blau-weißen Rock beworben und schon bald seinen Humor während eines Ausflugs in den Norden Frankreichs unter Beweis gestellt. „Seitdem gilt der Grundsatz: Spare, bevor du nach Wattrelos fährst. Dann kannst du auch in einem Taxi die Rückreise antreten“, gab Norbert Weiland einen (mehr oder weniger) „Insider“ zum Besten, den der Zeremonienmeister der Blauen Funken (seit 2004) mit einem wissenden Lächeln quittierte. „Sei ab sofort das zweite Gewissen deines Bruders. Geleite und führe ihn mit sicherer Hand. Behandelt alle Menschen gleich, unabhängig von Nationalität und Herkunft“, so die Worte des Komiteepräsidenten. „Und: Steht dafür ein, dass die Eischwiele Fastelovend keine hemmungslose Orgie darstellt, sondern ein jahrhundertealtes Brauchtum, das gepflegt werden sollte und muss!“, schloss Norbert Weiland seine Ausführungen, um abschließend mit „Nordlicht“ Dr. Melanie Mendes der bald „wichtigsten Frau der Stadt“ für ihr „Ja“ zu danken.

Helen Weidenhaupt unterstrich, die Wahl von Paulo und Pedro Mendes zum designierten Prinzen und Zeremonienmeister „sensationell gut“ zu finden. „Kehrt man von einer Reise nach Eschweiler zurück, vermitteln die Kirchtürme von St. Peter und Paul in der Mitte der Stadt ein Heimatgefühl. Und nun repräsentieren ‚Pedro e Paulo’ den Mittelpunkt der Indestadt. Vermittelt Freude und Heimat, dann werden euch die Menschen in Eschweiler zu Füßen liegen“, so die Voraussage der stellvertretenden Bürgermeisterin.

Mit einer kurzweiligen Antrittsrede, in der Paulo Mendes die Stationen seiner karnevalistischen Laufbahn humorvoll nachzeichnete, bestand „Herzog Brejwellem“ seine Feuertaufe mit Bravour. „Irgendwann im Jahr 1988 war ich ausnahmsweise im Haus Flatten zu Gast und habe das Fanfarenkorps der Funken gehört. Angesichts meiner Blockflötenkenntnisse war ich sicher, für das Ensemble eine Verstärkung darzustellen. Doch kein aktives Mitspielen ohne aktive Mitgliedschaft bei den Funken. Der Rest ist Geschichte...“, so die zukünftige Tollität, die nicht zuletzt Delio Duarte herzlich dafür dankte, „ihm bei der Wahl seiner Hofburg keine Wahl zu lassen“.

Nachdem nun nahezu alles von nahezu jedem gesagt worden war, hatte kaum ein Zuhörer etwas gegen eine seelische und kulinarische Stärkung einzuwenden. Es folgte ein musikalischer (Trompeten-)Gruß des jüngsten Prinzenbläsers Lukas Froesch, der ein wenig unterstützt vom Erfahrungsschatz eines Dieter Kaltenbach „You raise me up“ intonierte.

Als Laudatoren traten unmittelbar darauf mit Franz-Josef Dittrich und Toni Peters zwei Granden an das Mikrofon, die von Norbert Weiland (augenzwinkernd) „weniger als Urgesteine, sondern viel mehr als alte Böcke“ bezeichnet wurden, die vor 4x11 Jahren das närrische Völkchen der Indestadt regiert hatten, und die nun an Zeiten erinnerten, in denen Prinzenwahl und Kürung in einem Aufwasch erledigt worden seien. In Richtung Rosenmontag hatten der Große und der ganz Große einen Ratschlag in Richtung ihrer Nachfolger parat: „Kamelle? Huuch und wick!“ Weiter ging es Schlag auf Schlag: Angeführt von Juppi Küpper skizzierten die „Dürwisser Jonge“ das Leben von Paulo und Pedro Mendes in sechs Worten: Hotelgewerbe, Wandern, Blaue Funken, Fußball, Kegeln und Roboter.

„Ich denke, wir sollten uns einmal über den 26. Januar unterhalten“, hatte Norbert Weiland nach dem umjubelten Auftritt einen Wink mit dem Zaunpfahl parat. Der Ehrenrat der KG Blaue-Funken-Artillerie Eschweiler interpretierte, begleitet von Thomas Lammertz am Klavier, als stimmgewaltiger Chor die Funken-Hymne in einem bisher nahezu unbekannten portugiesischen Akzent, bevor der Trompetensound „Die Weisweiler“ zu später Stunde noch einmal mächtig aufdrehte. Zuvor hatten Ex-Prinz Patrick und Ex-Zerm Michael die Prinzenstandarte von ihrem Träger Paul Wolff an dessen Nachfolger Tim Keulen übergeben lassen.

Zu den Gratulanten zählten René Schönenborn als Sprecher der Präsidenten, die deftigen Bürger Theo Rinkens, Jannis Argiriou und Delio Duarte, die dem Prinzengespann im Hinblick auf die heiße Sessionsphase standesgemäße Verköstigung in Aussicht stellten und, und, und...

Einstimmiges Fazit: Kür(ung) top, Pflichten folgen!

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