Prinz Paulo I. und Zeremonienmeister Pedro in der eschweiler Redaktion

Eischwiele Alaaf : Prinz Paulo I. und Zeremonienmeister Pedro besuchen die Redaktion

Es war ein kunterbuntes „Inferno“, das da am Dienstagnachmittag über die Redaktion in Eschweiler hereinbrach: Eschweilers Prinzengespann gab sich die Ehre, Redakteuren und Mitarbeitern seine Aufwartung zu machen. Prinz Paulo I. und sein brüderlicher Zeremonienmeister Pedro waren aber nicht allein gekommen.

Mit einem 30-köpfigen Tross - Prinzenbläser und Pagen eingeschlossen - fuhr das Gespann in der Englerthstraße vor und eroberte im Nu unsere Büroräume samt Flur und Treppenhaus, um bei kühlen Getränken und stärkenden Brötchen ein-zwei gesellige Stunden mit denjenigen zu verbringen, die auch in dieser Session als Chronisten des närrischen Geschehens in der völlig jecken Indestadt fungieren.

Das Besondere an diesem Prinzengespann: Paulo und Pedro sind waschechte Eischwiele Portugiesen. Wo schlägt ihr Herz denn nun am stärksten - am Tejo oder an der Inde? Ein paar kurze Fragen nach Vorlieben sollen da ein wenig Klarheit schaffen:

Paulo  Fado oder Fastelovend? „Fastelovend!“

Kölsch oder Vinho Verde? „Beides.“

Blausteinsee oder Algarve? „Im Sommer Algarve.“

Pedro - Matterhorn oder Madeira? „Madeira! Zwei Wochen lang nach Karneval.“

Sauerbraten oder Espetadas? „Sauerbraten, den krieg ich ganz vorzüglich hin!“

Karneval oder Fastelovend? „Fastelovend!“

Über 200 Termine haben die beiden bis Aschermittwoch noch vor sich. Einer der Höhepunkte dabei ist sicher der Empfang bei Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bundeskanzleramt am 19. Februar, wo sich je eine Delegation aus jedem Bundesland einfindet. „Am 18. fahren wir hin, dann führt uns Claudia Moll durch den Bundestag,“ freut sich Paulo. Es folgt ein parlamentarischer Abend, bei dem es auch um die Frage gehen soll,ob Karneval Weltkulturerbe werden soll, ehe es am 19. mittags eine Stellprobe für den Empfang mit der Kanzlerin im Kanzleramt gibt. Wenn die Teilnehmer da nach der Größe ihrer Rosenmontagszüge angeordnet werden, dann müssten Pedro und ich eigentlich bei Angela Merkel direkt auf dem Schoß sitzen“, lacht Paulo.

Dass „P&P“ wegen des Trips in die Bundeshauptstadt den Empfang im Landtag der Landeshauptstadt Düsseldorf verpasst, können die beiden verschmerzen. Es steht ihnen noch genug Schönes bevor: „Klar ist eine Großveranstaltung wie die Proklamation schon toll, aber gerade die kleinen Veranstaltungen sind oft etwasd ganz besonderes. Die Kindersitzungen zum Beispiel, wenn man da die großen Augen der Kleinen sieht. Oder auch die Besuche bei den Senioren, die so dankbar sind, wenn wir kommen.“

Davon konnten Prinz,. Zerm und Tross sich allein am Dienstag noch zweimal überzeugen: Nach dem Besuch in unserer Redaktion standen Auftritte beim Peter-Paul-Seniorennachmittag wie auch bei den Bergrather Senioren an, ehe in der Sparkasse Bergrath und mit den Deftigen Bürgern im Lokal Rinkens in Fronhoven weitergefeiert wurde. Letzteres ist es, was Seine Tollität am liebsten mag: „Mitfeiern, Mich unters Volk mischen“, sagt Paulo, Sein südländisches Temperament kommt ihm dabei sicher zugute.

Auch wenn es ihn und seinen Bruder im Überschwang der Leidenschaft  schon mal ins eine oder andere Fettnäpfchen treten lassen könnte. Der prophezeite  „Fettnäpfchen-Marathon läuft!“, sagt er. Über das, was da schiefgelaufen ist, decken wir das Mäntelchen der Nächstenliebe. Hauptsache, niemand wird gekränkt oder verletzt. Dass alles möglichst glatt läuft, dafür sorgt ein bis zu 60-köpfiger Tross aus Vertretern allermöglicher Vereine. Vertreter verschiedener Vereine und Gruppierungen halfen auch tatkräftig beim Bau des Prinzenwagens. „Auch das ist ein Zeichen dafür, wie gut es hier bei uns im Karneval läuft“, freut sich Pedro.

Davon können sich auch die Eltern des jecken Brüderpaars überzeugen. Die haben rund 40 Jahre in Deutschland gelebt, ehe sie 2007 zurück nach Portugal gezogen sind. Als Paulo ihnen von seinem Vorhaben, Prinz zu werden, berichtete, nahmen sie ihn zunächst gar nicht recht ernst. Inzwischen sind sie eines Besseren belehrt: Seit kurz vor der Proklamation sind sie in Eschweiler, bleiben bis Mitte März und begleiten ihre beiden „staatsen“ Söhne auf deren einzigartiger Reise durch die grandiose Eischwiele Fastelovend.