Eschweiler: Prinz Patrick verwandelt den Saal in Blumenmeer

Eschweiler: Prinz Patrick verwandelt den Saal in Blumenmeer

Endlich!!! Nach monatelanger Abstinenz wird das nahezu immer jecke Völkchen an der Inde wieder von einer Tollität regiert: Im Rahmen einer rauschenden Proklamation und Ballnacht erhob Komitee-Präsident Norbert Weiland den Narrengardisten Patrick Nowicki in den närrischen Adelsstand.

Prinz Patrick I. hält nun gemeinsam mit seinem Zeremonienmeister Michael Körfer fünfeinhalb Wochen lang die Geschicke seiner geliebten Heimatstadt in der Hand. Mehr als 800 Gäste in der proppenvollen Festhalle Dürwiß huldigten ihrer frischgebackenen Tollität und ließen mitsamt den zahlreichen Protagonisten auf und hinter der Bühne die Proklamation zu einem echten Erlebnis werden.

Verwöhnten die Gäste in der heimischen Festhalle mit internationaler Küche: die Kaafsäck. Foto: Andreas Röchter

Prinz und Zeremonienmeister setzten ihr Ansinnen „die Stadt zu rocken“ gleich in die Tat um. Doch neben Jubel, Trubel, Heiterkeit kamen auch wohltuend ruhige und emotional berührende Momente zu ihrem Recht.

Weiland international

Schon vor dem Einmarsch des Elferrates und der Standartengruppen präsentierte die Jugendgruppe der Kaafsäck unter der Leitung von Luca Scheeren ein musikalisch mitreißendes Programm. Komitee-Präsident Norbert Weiland machte dann kurzerhand deutlich, welche Stunde geschlagen hat: „Von draußen vom Walde komme ich her. Ich muss euch sagen, es fastnachtet sehr!“

Fastelovend in Eschweiler komme „van Häzze“ und setze dem „von Eitelkeit und Machtgehabe geprägten Unrecht auf der Welt Gemeinschaft entgegen“. Und zwar international, ließ es sich Norbert Weiland nicht nehmen, die Freunde aus den Partnerstädten Wattrelos sowie Reigate & Banstead auf perfektem Französisch beziehungsweise Englisch willkommen zu heißen.

Um Punkt 19.22 Uhr tuppte Michael Körfer dann erstmals mit seinem Zeremonienmeister-Stab kraftvoll auf und erhob seine Stimme, um den zu diesem Zeitpunkt noch insignienlosen und designierten Prinzen Patrick Nowicki anzukündigen. Dieser verwandelte auf seinem von Ovationen begleiteten gefühlt stundenlangen Weg zur Bühne die Festhalle in ein gelbes Blumenmeer.

„Oben“ angekommen, erwartete der Komiteepräsident das Duo, um gleich „in medias res“ zu gehen. „17.368 Tage nachdem du im St.-Antonius-Hospital zu Eschweiler das Licht der Welt erblickt hast, geht heute einer deiner Lebensträume, nämlich ‚eemol Prinz ze sin‘, in Erfüllung“, so die Ankündigung Norbert Weilands, der den Lebenslauf seiner Tollität kurz skizzierte.

Mit leuchtenden Augen

Schon unmittelbar nach der Geburt des kerngesunden Burschen sei aufgefallen, dass dessen Mundwerk nicht unbedingt zu klein ausgefallen sei. Der karnevalistischen Frühphase mit dem Startschuss in St. Silvester in Neu-Lohn sowie der Regentschaft als Kinderprinz des FKK (Förderkreis Kinzweiler Karneval) folgte der zielstrebige Weg in Richtung Dürwisser Narrengarde, der der Liebhaber des Rheinischen Sauerbratens, der Fohlenelf vom Niederrhein (kein Mensch ist vollkommen) sowie des wohltemperierten Gitarrenspiels im Jahr 1986 als Rekrut beitrat und der er seit 2001 als Präsident seinen Stempel aufdrückt.

Dann nahte der Moment, dem Patrick Nowicki tage-, monate-, jahrelang entgegengefiebert hatte: „Kraft meines Amtes und mit der eindeutigen Zustimmung des Prinzenwahlausschusses proklamiere ich dich zu Prinz Patrick I.“, läutete Norbert Weiland die Regentschaft des ehemaligen Meier-Königs vom Schneckes ein. Dieser nahm sichtlich bewegt die Insignien Mütze, Pritsche, Stern, Urkunde und Stammbuch in Empfang und präsentierte sich mit leuchtenden Augen seinen Untertanen. Wenige Minuten später war auch Michael Körfer in das Amt des Zeremonienmeisters eingeführt.

„Seid in den kommenden fünfeinhalb Wochen für wirklich alle da, schließt niemanden aus, schreibt eure Geschichte mit Herz und Seele, erlebt selber und bereitet anderen unbeschreibliche Glücksmomente“, gab der Komitee-Präsident dem Prinzenduo mit auf den Weg.

Worte, denen sich Bürgermeister Rudi Bertram unmittelbar vor der Schlüsselübergabe eindringlich anschloss. „Wir leben in Zeiten, die ich in meinen gut 60 Jahren noch nicht mitgemacht habe. Ihr tragt nun die Verantwortung, alle Menschen einzubinden. Seid Garanten für Gemeinschaft und denkt an Menschen, denen es nicht so gut geht“, so der Verwaltungschef. Und: „Erstmals übergebe ich mit dem Schlüssel eine Stadtkasse, in der Geld vorhanden ist. Sollte an Aschermittwoch ein Euro fehlen, rufe ich die Zeitung an!“, kündigte Rudi Bertram mit einem Augenzwinkern an.

Um dies zu verhindern, verkündete der nun inthronisierte Prinz Patrick I., der übrigens erstmals während einer Veranstaltung in der Festhalle Dürwiß erst nach eineinhalb Stunden zu Wort kam, auch im Namen seines Zeremonienmeisters die elf Paragraphen, die Richtschnur der Regentschaft werden sollen. „Freude und Frohsinn sollen regieren, Eischwiele Platt überall Einzug halten und die Punkte, die der Prinzentross in den kommenden Wochen einfährt, sollen nicht in Flensburg, sondern beim 1. FC Köln landen.“

„Du bist mein bester Prinz“

Ganz wichtig: „Wir wollen Fastelovend unter einem Hut feiern. Mit allen Menschen, egal woher sie kommen. Eschweiler ist kunterbunt. Die politische Farbe braun hat in Eschweiler nichts verloren“, unterstrich die Tollität, die vorschlug, an Rosenmontag Bützchen an alle zu verteilen, die am Rande des Weges stehen und das bunte Treiben organisatorisch erst möglich machen.

Doch auch am Samstagabend wurden bereits bewegende Liebesbekundungen vergeben: Prinzentochter Lilly Nowicki holte mit Unterstützung von Laura Wings und Florian Offer für ihren Papa zunächst die „Stääne“ vom Himmel und bat die Tollität kurz darauf ganz nah an ihre Seite. „Ich singe schließlich nicht für die Gäste, sondern für dich“, so ihre einleuchtende Begründung, bevor ihr selbstgetextetes Lied „Du bist mein bester Prinz“ wohl keineswegs nur beim Adressaten für Gänsehaut pur und anschließende Beifallsstürme sorgte.

Ein grandioses Programm gab der Proklamation weitere wohlschmeckende Würze: Hofnärrin Dorothee Schmitz unterstrich den Zusammenhalt der 22 Karnevalsgesellschaften der Indestadt, legte den Finger jedoch auch in so manche Wunde, die Bahnübergang Jägerspfad und Tunnel am Sticher Berg, Auflösung der ESG Fußball und Situation Stadtjugendring heißen.

Redner-Urgestein Jupp Körfer warf seine Bewerbung für das Amt des Prinzen des Jahres 2048 in den Ring und gab dem studierten Germanisten auf dem Prinzenthron in Sachen „Ach wär ich nur...“ einen rhetorischen Hinweis. „Nie mehr Konjunktiv. Patrick, du bes et!“ Kollege Alfred Wings lieferte einen Parforceritt in Reimform, der von Bauer Waldemar über Töchterchen Schakeline bis hin zum unverzichtbaren Thermomix reichte. Tänzerisch begeisterten die „Rainbow Dancers“ sowie die Mariechen- und Tanzpaargruppe des Komitees das Publikum auf ganzer Linie.

Die Komitee-Vizepräsidenten Walter Münchow und Manfred Wienands überreichten den Prinzenpaar-Gattinnen Dagmar Nowicki und Susanne Körfer Blumen, bevor Manfred Wienands für seine 22-jährige Tätigkeit innerhalb des geschäftsführenden Vorstands des Komitees ausgezeichnet wurde. Die Gratulation der ehemaligen Prinzen und Zeremonienmeister überbrachten Wolfgang Mertens und Gregor Wings.

„Mir rocke de Stadt“

Musikalisch hatten in gewohnt schwungvoller Art die Kaafsäck unter der Leitung von Dieter Kaltenbach für prächtige Stimmung gesorgt, bevor zu später Stunde die Mundartband „De Kröetsch“ nach „Lisbeth“ und „Hallo Leo“ rief, bevor eine ganz besondere Zugabe folgte. Denn unterstützt von den Fröschen gaben Prinz Patrick I. und Zeremonienmeister Michael ihre Prinzenlieder zum Besten: „Heemat an dr Eng“ als Hommage an die Heimatstadt ließ die Zuhörer ins Schwelgen kommen, bevor „Mir rocke de Stadt“ den Rhythmus der nahen Zukunft vorgab.

Am (sehr frühen) Sonntagmorgen machte dann noch die vollständig angetretene KG Narrengarde „ihrem“ Prinzengespann die Aufwartung. Großartige Momente folgten. Der Startschuss in die Session ist geglückt und hallt nach!