Polizei legt nicht nur unerfreuliche Zahlen vor

Verkehrsunfallstatistik 2018 : Deutlich mehr Unfälle in Eschweiler

Es war ein „Wechselbad der Gefühle“, mit dem Polizeipräsident Dirk Weinspach am Mittwoch die Verkehrsunfallstatistik 2018 für den Bereich seines Präsidiums vorlegte. Eine  Statistik, die einerseits einen deutlichen Rückgang bei der Zahl der Unfälle aufgrund überhöhter Geschwindigkeit feststellt – die Zahl sank um 23 Prozent von 383 im Jahr 2017 auf 294 in 2018. Die aber andererseits Rekordzahlen bei Unfällen mit Fahrradfahrern aufweist – ein Plus von 28 Prozent.

Von 427 Fahrradunfällen anno 2017 schoss die Zahl im zurückliegenden Jahr auf 548 hoch.

50 verunglückte Radfahrer zählte die Polizei 2018 allein in Eschweiler. Im Jahr zuvor waren es 20 weniger gewesen. Allein in den Monaten September/Oktober/November verzeichnete die Polizei eine Steigerung um 20 Prozent. Für Polizeipräsident Dirk Weinspach sind die Gründe vielfältig: Radfahren wird insgesamt immer beliebter; der überaus lange Sommer ließ mehr Menschen bis in den Spätherbst aufs Rad steigen.

Und: die für viele Verkehrsteilnehmer noch ungewohnt schnellen Pedelecs, die in ihrem Fahrverhalten auch von ihren Benutzern  oft noch schwer einzuschätzen sind, sorgen für zusätzliche Gefahren. Allein 43 Pedelec-Fahrer waren 2018 in Unfälle verwickelt. „Schuldzuweisungen nutzen nichts“, konstatiert Weinspach. „Hier sind jetzt alle gefragt.“ Die Polizei setze unter anderem auf Abbiegeassistenten bei Lkw, die die Gefahren toter Winkel minimieren, auf auffällige Kleidung samt Helm bei Radfahrern und allgemein defensives Fahrverhalten aller Verkehrsteilnehmer.

Letzteres ist gerade in Eschweiler dringend geboten: Hier registrierten die Beamten im vergangenen Jahr 391 Verkehrsunfälle – 112 mehr als im Vorjahr. Zum Vergleich: In Stolberg krachte es 2018 „nur“ 230 mal – im Jahr zuvor 204 mal. Die prozentual größte Steigerung (neben der Zahl der Unfälle mit Getöteten: 2017 niemand, 2018 zwei) gibt es bei der Zahl der aktiv verunglückten Kinder. Aktiv, das bedeutet: Die Betroffenen nahmen selbst am Verkehrsgeschehen teil und waren nicht etwa „inaktive“ Insassen eines Pkw oder Busses. Deren Zahl stieg von 12 auf 22 – macht 83,3 Prozent.

Allerdings gilt hier wie auch in allen anderen Bereichen: „Örtliche Brennpunkte konnten nicht festgestellt werden.“ Was nicht heißt, dass es keine Straßenzüge gibt, in denen es besonders häufig kracht. Legt man nur die Unfälle mit Getöteten und Verletzten zugruinde, so sind dies die Dürener Straße (22 Unfälle), die Rue de Wattrelos (19), die Jülicher Straße (18), die Aachener Straße (15) und die Indestraße (15).

Rennen? Auto weg

Eine deutliche Steigerung gab es auch bei der Zahl der verunglückten jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 24 Jahren, die aktiv am Verkehrsgeschehen teilnahmen: 25 waren es 2017, 39 im vergangenen Jahr. Dennoch;: Eine organisierte Raser- und Tuningszene mit regelmäßigen Rennen gibt es weder hier noch andernorts in der Region, sagt Dirk Weinspach. „Da gibt’s Entwarnung. Aber wir haben die Anfänge im Blick und stehen den Leuten auf den Füßen.“ Und das kann für Betroffene böse Folgen haben. 2018 ermittelte das Verkehrskommissariat 2 in 20 Verdachtsfällen von illegalen Autorennen. Ein Großteil der Ermittlungen dauert noch an. Ein Fahrer wurde inzwischen verurteilt: Er musste seinen Führerschein für ein Jahr abgeben, eine Geldbuße von 2100 Euro zahlen – und sein hochwertiger Mercedes wurde eingezogen.

Eine Steigerung registrierten die Leiterin der Direktion Verkehr, Svende Friedrichs, und ihr Team in der Region auch bei der Zahl der Verkehrsunfälle unter aktiver Beteiligung von Senioren ab 65 Jahren. 933 waren dies 2017, 1036 im vergangenen Jahr. Macht ein Plus von 11,04 Prozent. Bemerkenswert dabei: In 76,5 Prozent (macht 793 Fälle) waren die Senioren auch die Unfallverursacher.

„Hier setzen die Kollegen der Verkehrsunfallprävention mit verschiedenen verhaltensorientierten Trainings und Aktionen an“, betont Dirk Weinspach. Dazu gehören Verkehrstrainings auf Anfrage einzelner Organsisationen wie kirchliche Seniorentreffens, aber auch das Projekt „Generationsbrücke“, das in Alsdorf als Pilotprojekt gestartet wurde und nun auch in Aachen umngesetzt wird. Grundlegend ist die Kooperation zwischen einem Seniorenheim und einem Kindergarten oder einer Schule. Die Kinder erhalten für ein Jahr einen festen Paten aus einem Seniorenheim und befassen sich in monatlichen Treffen unter anderem mit Verkehrsthemen – in Anwesenheit eines Verkehrsberaters.. Weitere Senioren will die Polizei mit Enkel-/Großelternnachmittagen in Kitas erreichen.

Erfreulich sieht die Polizei im Allgemeinen das Ergebnis ihrer Bemühungen, die Zahl der Motorradunfälle zu reduzieren. Dazu gehören nicht nur repressive Maßnahmen, sondern auch präventive  Aktivitäten wie die „PoliTour“, eine Eifelrundfahrt mit Motorradfahrern der Polizei und Verkehrsberatern, die im vergangenen Jahr ein solch positives Echo zeitigte, dass sie in diesem Jahr, im Mai,  als trinationale Eifel-/Ardennen-Tour mit Kollegen und Motorradfahrern aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland fortgesetzt werden soll. Die Zahl der verunglückten Motorradfahrer sank von 134 auf 126. In 70 Fällen waren die Zweiradfahrer auch die Unfallverursacher. In Eschweiler sah die Situation etwas anders aus: Hier stieg die Zahl verunglückter Motorradfahrer von 8 auf 15. Macht ein Plus von 87,5 Prozent..

Zwei Todesopfer forderte der Verkehr 2018 in Eschweiler: Am 3. Juni überholte ein 40-Jähriger mehrere Fahrzeuge auf der Aachener Straße und prallte frontal gegen den Wagen einer 63-Jährigen, die das nicht überlebte. Am 15. November erfasste ein 27-jähriger Autofahrer einen 57-jährigen Fußgänger, der die Stolberger Straße überqueren wollte..